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Übernahmen Start-up gekauft, Experten verloren

Lohnt es sich, ein Start-up aufzukaufen, um vom Wissen seiner Mitarbeitenden zu profitieren? Eine neue Studie hat eine klare Antwort darauf.
aus Harvard Business manager 12/2022

Jährlich werden Tausende Tech-Start-ups von großen Unternehmen aufgekauft. Letztere versprechen sich davon, talentierte Führungskräfte  und Expertinnen zu gewinnen. Eine neue Studie zeigt, dass diese Rechnung aber womöglich nicht aufgeht.

Die Forscherinnen und Forscher verfassten eine Liste aller Unternehmen in den USA, die zwischen 1995 und 2010 mit Risikokapital finanzierte Start-ups gekauft oder mit ihnen fusioniert hatten. Dann erstellten sie einen Datensatz aus mehr als 30 Millionen öffentlich zugänglichen Lebensläufen und identifizierten mehr als 60.000 Personen, die zum Zeitpunkt der Übernahme bei einem der Start-ups beschäftigt waren. Anschließend bildeten sie eine Kontrollgruppe: Mitarbeitende, die das aufkaufende Unternehmen im selben Jahr eingestellt hatte und die Gemeinsamkeiten mit den übernommenen Kollegen hatten – zum Beispiel Funktion, Hierarchieebene und Erfahrung.

Eine Analyse ergab, dass Mitarbeitende, die von Anfang an bei der Muttergesellschaft beschäftigt waren, das Unternehmen im Durchschnitt nach 2,3 Jahren verließen. Die übernommenen Mitarbeiter hingegen gingen bereits nach 1,6 Jahren. Die Fluktuation  unter den Übernommenen stieg zudem mit ihrer Erfahrung und dem Grad der Ausbildung. Am höchsten war sie in wichtigen technischen, leitenden, geschäftsentwickelnden und vertrieblichen Funktionen. Somit gingen genau die Mitarbeitenden, die die Muttergesellschaft am liebsten behalten hätte.

Natürlich könne die Integration nach einer Übernahme  lästig sein, merken die Forschenden an. Kulturelle und andere Unterschiede zwischen dem Start-up und dem übernehmenden Unternehmen könnten die Bereitschaft verstärken, sich eine neue Stelle zu suchen. "Die Verschmelzung eines Start-ups mit einem etablierten Unternehmen führt de facto zu einer Diskrepanz zwischen den aktuellen Arbeitsplatzpräferenzen der Mitarbeitenden und ihrem Arbeitsplatz nach der Übernahme", schreiben die Forschenden. "Wenn eine Mitarbeiterin sich für eine Stelle in einem Start-up entscheidet, weil sie keine bürokratischen Abläufe mag, empfindet sie ihre Arbeit nach der Übernahme womöglich als weniger sinnvoll und motivierend."

Quelle: Weiyi Ng, Toby E. Stuart: "Acquired Employees Versus Hired Employees: Retained or Turned Over?", Strategic Management Journal, Mai 2022

Ausgabe Dezember 2022

Warum so zynisch?

Misstrauen zerstört die Zusammenarbeit. Wie Führungskräfte umsteuern.

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