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Arbeitsbedingungen Schafft endlich gute Jobs!

Schlechte Arbeitsbedingungen und miese Bezahlung: Viele Jobs sind eine echte Zumutung. Das muss sich dringend ändern. Denn von mehr Gehalt, einem guten Arbeitsumfeld und besseren Aufstiegsmöglichkeiten profitieren nicht nur die Arbeitnehmer. Es lohnt sich vor allem für die Unternehmen.
aus Harvard Business manager 6/2018
Foto: Jens Koehler / imago images

Ja, es gibt Millionen Jobs in Geschäften, Restaurants, Callcentern, Kindergärten und in der Pflege. Aber die allermeisten sind mies – und das schon seit Jahrzehnten. Die Bezahlung ist schlecht, Zusatzleistungen gibt es kaum, und Karrieremöglichkeiten sind die absolute Ausnahme. Nach gängiger Meinung ist all das der Preis, der für möglichst kostengünstige Dienstleistungen gezahlt werden muss. Aber das stimmt nicht. Und einige Unternehmen haben das inzwischen begriffen. Ihnen ist klar geworden, dass die Art und Weise, wie sie ihre Geschäfte führen, auf lange Sicht nicht mehr funktionieren wird. Vor allem wenn sie ihre Mitarbeiter behandeln, als wären sie jederzeit ersetzbar.

In den vergangenen drei Jahren haben Großunternehmen die Gehälter angehoben. Darunter die Supermarktkette Walmart, der Fast-Food-Riese McDonald's, die Bekleidungskette GAP und der auf Gesundheitsleistungen spezialisierte Versicherer Aetna. Walmart investiert zusätzlich in eine bessere Ausbildung seiner Mitarbeiter und reorganisiert das Unternehmen, damit die Angestellten in den Geschäften besser und produktiver arbeiten können. GAP experimentiert mit verlässlicheren Arbeitszeiten, und Aetna gesteht seinen Callcentermitarbeitern mehr Freiräume zu, um Kundenwünschen besser gerecht zu werden.

Diese Veränderungen sind möglicherweise die Vorboten eines radikalen Wandels. Denn die Frage ist: Warum investieren die Unternehmen plötzlich in ihre Belegschaft? Und: Warum geben sie ihren Mitarbeitern jetzt mehr Spielraum, nachdem sie sie jahrelang mies behandelt haben?

Vor allem weil sich das Wettbewerbsumfeld verändert hat. Unternehmen in reifen Märkten müssen Wachstum in den bestehenden Strukturen erwirtschaften. Wer mit verstärkter Konkurrenz durch andere Läden oder den Onlinehandel zu kämpfen hat, muss der Kundschaft einen überzeugenden Grund liefern, warum sie ausgerechnet bei ihm kaufen soll. Zudem begreifen Unternehmen, dass engagierte Mitarbeiter produktiver sind, besseren Service leisten und deutlich loyaler sind. Vor allem im Handel und in der Gastronomie ist dies ein großes Thema, denn die Fluktuation in diesen Branchen ist hoch. 2016 lag sie in den USA im Handel bei 65 Prozent, beim Restaurantpersonal waren es sogar 73 Prozent.

Die Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Dienstleistungssektor könnte nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen erhöhen, sie könnte auch dazu beitragen, die US-Volkswirtschaft nachhaltig zu verändern. Denn die höheren Gehälter führen nicht nur zu mehr Kaufkraft bei den "Working Poor" – sie senken auch die enormen Summen, die momentan für staatliche Transfer- und Hilfsleistungen gezahlt werden. 2016 lag der Median beim Stundenlohn für die beinahe neun Millionen Beschäftigten im Handel in den USA bei 10,37 US-Dollar. Bei den über sieben Millionen Servicekräften in Restaurants waren es 9,50 US-Dollar. Egal welcher Stundenlohn angesetzt wird – am Ende liegen die monatlichen Einkünfte unter der Armutsschwelle für eine vierköpfige Familie. Selbst dann, wenn der Berechnung eine 40-Stunden-Woche zugrunde liegt. Eine Anzahl von Arbeitsstunden übrigens, die die meisten Unternehmen ihren Angestellten nicht zugestehen.

Kompakt

Das Problem

In Unternehmen, die mit einem hohen Margendruck, gesättigten Märkten und starkem Wettbewerb zu kämpfen haben, sind die Arbeitsbedingungen oft lausig: Die Löhne reichen kaum zum Leben, die Arbeitszeiten sind schlecht planbar, und das Arbeitsumfeld ist frustrierend. Das schadet nicht nur den Mitarbeitern, sondern auch den Unternehmen.

Die Lösung

Unternehmen sollten zu Arbeitgebern werden, die gute Jobs bieten. Dabei hilft die Good-Jobs-Strategie. In ihrem Kern geht es darum, die operativen Bereiche zu verändern. Um das zu erreichen, muss die Belegschaft gut aus gebildet und genügend Personal vorhanden sein. Ist das der Fall, lassen sich das Wachstum und die Ergebnisse deutlich verbessern.

Die Angestellten nur besser zu behandeln wird die Wettbewerbsfähigkeit jedoch nicht steigern. Um den Service entsprechend den Kundenwünschen zu gestalten und um die Produktivität, Motivation sowie das Engagement der Mitarbeiter zu erhöhen, braucht es deutlich mehr. Ohne einen radikalen Schwenk in der Organisation wird es nicht gehen.

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