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Corona-Hacks Motivation mit Rapper

Glückspakete, Videokonferenzen mit dem Rapper Sido und Spaß mit der Mützensammlung: Acht Managerinnen und Manager berichten von ihren Corona-Hacks für bessere Stimmung im Team.
aus Harvard Business manager 7/2020
Rapper Sido

Rapper Sido

Foto: imageBROKER/Oliver Gutfleisch/ imago images/imagebroker

Motivation mit Rapper

Der Softwareanbieter SAP lädt Promis zu Videochats ein, bietet virtuelle Mittagessen und Achtsamkeitsübungen an.

"Seit Ausbruch der Corona-Krise laden wir alle zwei Wochen unsere 23.000 Mitarbeiter zu virtuellen Mitarbeiterversammlungen ein, in denen wir sie auf den neuesten Stand bringen und alle ihre Fragen beantworten. Daneben gibt es viele virtuelle Coffeecorners, entweder zu einem bestimmten Thema oder unplugged. Das kommt an - die Teilnehmerzahlen waren überwältigend. Beispielsweise erklärte der Moderator und Buchautor Eckart von Hirschhausen auf humorvolle Weise per Videobotschaft, wie man Hygienevorschriften einhält, Masken nutzt und dabei sein Lächeln behält. Außerdem erinnerte er uns an die Achtsamkeitsübungen, die er früher einmal bei SAP mit uns gemacht hatte.

Zeit für solche Übungen sind notwendig, Pausen müssen auf der Agenda bleiben - auch nach der Corona-Krise. Videokonferenzen sind zwar gegenüber reinen Telefonkonferenzen besser für den Austausch geeignet, aber man muss dafür sorgen, dass sich nicht nur ein virtuelles Meeting an das nächste anschließt. Das melden unsere Teams übereinstimmend zurück.

Wie hält man nun die Teams beisammen, die vereinzelt in den eigenen vier Wänden arbeiten? Die Monotonie, teilweise sogar drohende Vereinsamung von Singles und Expats gehen wir ganz offensiv an: mit verstärkten Angeboten der Beratung, aber auch unterhaltsamen Formaten wie virtuellen Lunch-Dates per Video-Skype ("Never Lunch Alone") oder gemeinsamen Weinproben am Abend. In dieser Zeit, in der unser kulturelles Leben brachliegt, bauen wir unseren Mitarbeitern virtuell ein paar Bühnen in ihren Wohnzimmern auf und streamen Kabarett und Autorenlesungen wie zuletzt mit Sebastian Fitzek exklusiv ins Homeoffice. Aber auch ernste virtuelle Meetings lockern wir gern mal auf, wie beispielsweise kürzlich, als wir den Late-Night-Talker Klaas Heufer-Umlauf und Rapper Sido in eine Videokonferenz einschleusten."

Cawa Younosi, HR-Chef bei SAP Deutschland

Überraschung per Post

Mit kleinen Paketen sorgte der Geschäftsreisespezialist baldaja für gute Stimmung.

"Bei unseren Videokonferenzen fiel uns vermehrt auf, wie sehr uns der soziale Kontakt zueinander, das Haptische, fehlte. Im Rahmen eines neuen Geschäftsmodells (baldaja Connect, eine Plattform für das Management virtueller Konferenzen) hatten wir zuletzt sowieso sogenannte Glückspakete entwickelt - kleine Giveaways, die im Vorfeld von virtuellen Events an Teilnehmer verschickt werden.

In der Geschäftsführung haben wir uns überlegt, dass wir dieses Produkt direkt bei den eigenen Mitarbeitern testen. Das war die perfekte Möglichkeit, uns bei allen zu bedanken fürs Durchhalten und das Team für die nächsten Schritte zu motivieren.

Das Glückspaket wurde zu jedem unserer 30 Mitarbeiter nach Hause geschickt. Es enthielt einen persönlichen Gruß, Sekt, Schokolade, Kaffee und Bier. Das Bier konnte anschließend perfekt für unser wöchentliches Feierabendbier-Meeting genutzt werden. Das Feedback war durchweg positiv, und man konnte das breite Grinsen der Mitarbeiter im nächsten Videocall kaum übersehen. Mit der kleinen Aufmerksamkeit hatten wir die Möglichkeit, auch im Homeoffice Nähe aufzubauen.

Ein besonderes Learning aus dieser Zeit: Wir sollten häufiger die Berufsfelder der einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter überdenken und noch mehr mit ihnen in den Austausch gehen. Vor einigen Wochen hätten wir nicht gedacht, welche verborgenen Talente in unserem Team stecken. Diese haben wir erst durch die Veränderungen entdeckt. Zum Beispiel: Eine Mitarbeiterin hat bislang im Frontoffice Reisen verkauft, jetzt ist sie mit großem Elan im Vertrieb tätig. Auf die Transformation unserer Mitarbeiter sind wir sehr stolz, und das motiviert wirklich jeden."

Michael Holdkamp, Geschäftsführer des Geschäftsreisespezialisten baldaja

Resturlaub an Eltern spenden

Bei Xing gründeten Mitarbeiter eine Hilfsinitiative, Teamleiter Frank Legeland unterhielt seine Kollegen mit seiner Mützensammlung.

"In meinem Team habe ich fünf Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, zwei davon im Ausland. Das Thema Remote Führung war für mich deshalb nicht neu. Aber ich habe gemerkt, dass die Kommunikation mit meinem Team in der Krise besonders wichtig war. Als Erstes habe ich ein tägliches Video-Stand-up eingeführt. Meine Rolle habe ich auch so gesehen, dass ich die Leute ein Stück weit bei Laune halten muss.

Ich war gerade aus dem Skiurlaub gekommen und kündigte meinen Mitarbeitern an, jeden Tag eine andere Wollmütze zu tragen. Das habe ich ganze drei Wochen lang durchgezogen. Ich hatte einen großen Fundus, obwohl ich am Ende auch auf die Mützen meiner Frau und meiner Töchter zurückgreifen musste. Irgendwann trug ich ein Stirnband, dann wurde das Wetter besser. Wenn man jeden Morgen eine Kleinigkeit anders macht, die die Mitarbeiter zum Lachen bringt, kann das viel bewegen.

Bei Xing haben die Kollegen untereinander schnell mitbekommen, dass das Homeoffice für viele Eltern Probleme mit sich bringt. Einige Mitarbeiter sind aus Eigeninitiative tätig geworden. Sie eröffneten einen Kanal auf Slack, um eine Idee zu teilen und zu diskutieren: Wer Resturlaub aus dem Vorjahr hatte, sollte diesen Eltern mit kleinen Kindern spenden können. Innerhalb von zehn Minuten kam es zu ersten Deals und Absprachen. Das Krisenteam, das wir gleich zu Anfang der Corona-Krise gegründet haben, hat den Vorschlag aufgegriffen und die Personalabteilung mit ins Boot geholt. Aus rechtlichen Gründen konnten wir die Idee nur in Deutschland und in Spanien umsetzen. Rund 30 Mitarbeiter mit Kindern haben letztlich von der Initiative profitiert.

Ausgabe 7/2020

Ausgabe 7/2020

Ihr schafft das!

Wie Sie jetzt Ihr Team motivieren

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Ich habe in der Führungsbeziehung mit Mitarbeitern schon immer häufig das persönliche Gespräch gesucht, am liebsten außerhalb des Büros. Wir sind in ein Café gegangen oder um die Alster spaziert. Das geht im Homeoffice nicht. Deshalb ist es unglaublich wichtig, zumindest das Gesicht des anderen zu sehen. Einen Videocall würde ich immer einem reinen Telefonat vorziehen. Es verschafft einem einen ganz anderen Eindruck davon, was den anderen bewegt. Und es gibt einem die Möglichkeit nachzufragen: Wie geht es dir gerade, wie läuft es bei dir? Vielleicht sind das die wichtigsten Fragen, die eine Führungskraft stellen sollte."

Frank Legeland ,Teamleiter Public Relations bei der New Work SE in Hamburg, die das berufliche Onlinenetzwerk Xing betreibt

Dankeskarte vom Vorstand

Bei der Krankenkasse BKK Mobil Oil sorgte eine kleine Idee für positives Feedback aus dem Team.

"Die Idee mit der Osterkarte hat alle überrascht. Der Vorstand der BKK Mobil Oil hatte sich überlegt, allen Mitarbeitern für ihr Engagement in der Corona-Krise ein kleines Dankeschön ins Homeoffice zu schicken. "Liebe Svenja Christensen" stand da mit persönlicher Ansprache, "wir wollen heute die Chance nutzen, um Ihnen von Herzen Danke zu sagen. Für Ihren Einsatz. Ihren Teamgeist. Und Ihre Bereitschaft mitzumachen."

Das war eine kleine Geste, aber bei den Mitarbeitern hat sie etwas ausgelöst. Uns hat jede Menge positives Feedback erreicht. Sogar auf der Bewertungsplattform Kununu haben mehrere Leute die Aktion lobend erwähnt. Jüngst haben wir alle noch eine Karte bekommen, der ein MundNasen-Schutz für den Weg zur Arbeit beilag.

Auch sonst stand bei unserem Krisenstab vor allem im Vordergrund, den rund 1700 Mitarbeitern zu signalisieren: Wir sehen euch, wir hören euch, wir wollen wissen, was ihr braucht. Kaum jemand von uns hatte jemals von zu Hause aus gearbeitet; nun mussten die meisten in kürzester Zeit ins Homeoffice umziehen. Da kamen viele Fragen auf. Wir haben eine zentrale E-Mail-Adresse eingerichtet und jede Frage persönlich beantwortet. Fürs Intranet haben wir eine FAQ-Seite erstellt, mit Infos zur Arbeitssituation und Kinderbetreuung, zu Onlinebesprechungen, Bewegung, Ernährung, aber auch für Fragen, die Versicherte uns stellen. Der Vorstand schickt alle zwei Wochen eine Mail zur aktuellen Situation - das werden wir sicher auch nach der Pandemie beibehalten. Es braucht nicht viel, um Mitarbeitern Wertschätzung und Aufmerksamkeit zu zeigen. Oft reicht es schon zu fragen: Geht es euch gut? Wie können wir euch unterstützen?"

Svenja Christensen, Referentin für Personalmarketing und -entwicklung bei der Betriebskrankenkasse Mobil Oil

Hilfe beim Homeworking

Beim Beratungsunternehmen KPMG bieten die Coaches den Mitarbeitern Sprechstunden an.

"Bei uns zeigte sich, dass unterschiedliche Gruppen in der Krise ganz unterschiedliche Bedürfnisse haben: Eltern, frisch eingestellte Teammitglieder, allein lebende Mitarbeiter. Wir stehen zusammen und unterstützen auch diejenigen, die derzeit etwa aufgrund fehlender Betreuungsmöglichkeiten für Kinder und pflegebedürftige Angehörige ihre Arbeitskraft nicht wie gewohnt vollständig zur Verfügung stellen können.

Auch transparente Kommunikation war uns ganz wichtig. Jenen, die gerade erst ihren Arbeitsvertrag unterschrieben hatten, sagten wir nicht ab. Sie durften zum Starttermin anfangen und erlebten dann ein vollständig virtuelles Onboarding. Auf Wunsch konnten sie auch später beginnen und bekamen dafür pro Monat 1000 Euro.

Wir haben unseren Mitarbeitern auch Angebote zugänglich gemacht, die sonst Führungskräften vorbehalten sind. Zum Beispiel bieten unsere zwölf unternehmenseigenen Coaches jetzt für alle eine Sprechstunde zum Umgang mit dem Homeworking, wie wir es nennen, an. Ganz wichtig war uns auch, ein Gemeinschaftsgefühl in der Belegschaft zu schaffen. Normalerweise haben wir ein Format namens Meet & Eat, bei dem sich Mitarbeiter über einen Zufallsgenerator mit anderen Kollegen zum Mittagessen verabreden. Dieses haben wir auf die virtuelle Ebene verlegt, damit sich die Leute bei einem Espresso austauschen können.

Zudem haben wir innerhalb kürzester Zeit eine Homeschooling-Seite aufgebaut, auf der Eltern sich gegenseitig ihre Best Practices verraten. Wir haben bereits einen Aufruf gestartet, um unsere Mitarbeiter zu befragen, welche Erfahrungen aus dieser Zeit wir mit in die Zukunft nehmen und was wir hinter uns lassen wollen, wenn wir wieder regelmäßig im Büro sind."

Vera-Carina Elter, Vorstand für Personal und Familienunternehmen beim Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG

Jeder, wie er es braucht

Die Kreativproduktion Buzz’n’Fury analysiert die individuellen Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter - und versucht, darauf zu reagieren.

"Auch im Geschäftsleben stecken hinter allem, was Menschen tun, Emotionen. Welche das sind, ist sehr unterschiedlich. Um herauszufinden, welche Motive uns im Team antreiben, haben wir eine entsprechende Analyse gemacht. Die Ergebnisse haben uns geholfen zu verstehen, wie jedes einzelne Mitglied tickt. Dieses Wissen nutzt uns immens. Auch im Homeoffice. Wir schicken uns deshalb weder Bonbons noch Konfetti - wir wissen nämlich viel genauer, was jeder Einzelne von uns braucht, damit er oder sie sich wohlfühlt. Ich habe beispielsweise ein starkes Einflussmotiv, also große Lust, Dinge zu gestalten und Verantwortung zu übernehmen. Damit es mir gut geht, möchte ich nicht nur wissen, wie unsere Projekte vorankommen, sondern am allerliebsten einen Blick darauf werfen. Deshalb brauche ich unser virtuelles Kaffeetrinken morgens mit dem Team.

Und wenn mich die Kollegen zwischendurch auf den aktuellen Stand ihrer Arbeit schauen lassen und wir zusammen noch ein bisschen daran feilen, merke ich, wie das meine gute Stimmung stützt. Einer meiner Kollegen hat dagegen ein starkes Freiheitsbedürfnis. Für ihn ist das Homeoffice überhaupt kein Problem - unabhängiges Arbeiten geht so natürlich besonders gut. Weil er aber gleichzeitig Anerkennung und positives Feedback sehr mag, braucht er trotz seiner Freiheitsliebe den regelmäßigen Austausch über seine Ideen und Arbeit. Für ein anderes Teammitglied ist vor allem die Balance und Harmonie zwischen allen Beteiligten entscheidend. Für sie ist es im Homeoffice deshalb nicht immer leicht, weil sich die Stimmung der Kollegen vom heimischen Schreibtisch aus schlechter einschätzen lässt. Deshalb sind intensiver Austausch und persönliche Gespräche über den morgendlichen Onlineplausch und den fachlichen Austausch hinaus für dieses Teammitglied ein regelrechter Energieschub. Der inspirative Austausch für die Weiterentwicklung eines Projekts oder das Zuhören auf der Beziehungsebene – die Antwort auf die Frage "Wie motivieren wir uns und unsere Mitarbeiter im Homeoffice?" lautet: jeden anders. Jeden so, wie er es braucht. Das virtuelle Treffen zum Kaffee am Morgen ist allerdings Pflicht, denn es gibt unserem Arbeitstag die Struktur, die wir für unsere Zusammenarbeit brauchen."

Alexander Breker, Gründer der Kreativproduktion Buzz’n’Fury für Film, Fotografie und Musik

Private Einblicke

Unternehmer Lutz Hirsch nimmt jede Woche ein Video für seine Mitarbeiter auf.

"Seit Beginn der Homeoffice-Zeit drehe ich wöchentlich eine kurze Videobotschaft, in der ich über aktuelle Entwicklungen bei Hirschtec informiere. Das Video wird im Intranet veröffentlicht und über unser internes Social Network Yammer "angeteasert". Über ihre Likes oder digitalen Kommentare können die Mitarbeiter sofort Feedback geben oder Nachfragen stellen. Digital Nähe zu den Kollegen aufzubauen ist gar nicht so einfach und erfordert mehr Kommunikation denn je. Um zu motivieren und Schwingungen aufzunehmen, schalte ich mich periodisch in tägliche Stand-up-Meetings der Teams. Das hilft mir, die aktuellen Probleme im Tagesgeschäft zu verstehen und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder einmal zu sehen - denn in kleineren Meetings wird öfter die Kamera eingeschaltet. Meinen CEO-Talk, den ich sonst halbjährlich an unseren Standorten durchführe, haben wir als Microsoft-Teams-Session abgehalten.

Da in großen Onlinemeetings oft wenig Interaktion aufkommt, hat unsere Unternehmenskommunikation im Vorfeld Fragen eingesammelt. Im CEO-Talk konnte ich dann in vorbereiteten Themenblöcken dazu wichtige Kontextinformationen sowie Leitplanken für die tägliche Arbeit liefern. Das macht unternehmerische Entscheidungen verständlicher und gibt Orientierung und die nötige Sicherheit für die eigene Arbeit. Was ich bei solchen Formaten immer mache, um den persönlichen Kontakt nicht außen vor zu lassen: meine persönlichen Herausforderungen und Highlights aus dem Homeoffice zu zeigen. Für den Spaß bei der Arbeit haben wir im internen Social Network die digitale Challenge #Lieblingspause gestartet. Seit Ende April zeigen die Mitarbeiter in Videos, Bildern oder Kurztexten, wie sie ihre Pause im Homeoffice am liebsten verbringen. Das Schöne daran: Diese privaten Einblicke - von verrückten Tanzübungen vorm TV über verschiedene Arten des Brotbackens bis hin zu kleinen Klaviereinlagen – stärken den Zusammenhalt und bringen einen extra Motivationsschub. Klar ist: Ob digitale Challenges oder persönliche CEO-Botschaften: Sie werden uns auch nach Corona begleiten."

Lutz Hirsch, CEO der Agentur Hirschtec

Uns interessiert, wie es dir geht

Die Auszubildenden bei Siemens Energy fertigten spontan Schutzausrüstung und treffen sich zu digitalen Walks.

"Wir kümmern uns um 2000 Lernende, die weltweit an unserer dualen Ausbildung teilnehmen. Vieles mussten wir mit Ausbruch der Pandemie aus dem Stand stemmen: Onlineunterricht oder die virtuelle Zusammenarbeit mit 90 Trainern vom Homeoffice aus. Wir kommunizieren über Social Media und führen Onlinetagebuch. Aber es geht ja nicht nur um den Austausch von Fachinformationen - sondern darum, persönlich in Kontakt zu bleiben. Deshalb trifft sich das Ausbildungsteam zusätzlich zum täglichen Austausch jeden Freitag zu einer virtuellen Runde, die wir Lessons Learned nennen. Die Session wollen wir auch nach Corona beibehalten. In der Ausbildung konnten wir unser geplantes Programm nicht komplett durchführen. Stattdessen experimentierten wir mit übergreifenden Themen.

Wir haben etwa spontan entschieden, mit unseren Lernenden Schutzvisiere per 3-D-Drucker herzustellen. Dass wir die fertigen Masken wegen fehlender Sicherheitszulassung nicht wie geplant als Schutzausrüstung verschenken durften, war ein bisschen enttäuschend. Trotzdem war das Projekt ein Erfolg, denn es hat den Zusammenhalt gefördert. Als Ausbildungsleiter ist es mir wichtig, meinen Teammitgliedern zu zeigen, dass ich mich dafür interessiere, wie es ihnen geht. Bei unserem gemeinsamen AfterWork-Chat einmal die Woche sitzt dann schon mal die Familie mit am Tisch. Wir gucken in Wohnzimmer in München und auf Terrassen in Berlin. Bei diesen Gesprächen stellte sich heraus, dass vielen Bewegung fehlte - aber auch der Ansporn dazu. Deshalb haben wir vor einigen Wochen mit Digital Walks angefangen. Die unternehmen wir oft spontan und tauschen uns dabei in virtuellen Meetings aus. Jeder entscheidet, wohin er geht: in die Natur, zum Lieblingsplatz im Grünen. Die Bewegung hebt die Stimmung, unterstützt den Austausch und fördert die Kreativität. Buchstäblich im Vorbeigehen entwickeln wir so neue Ideen."

Christoph Kunz, Ausbildungsleiter bei Siemens Energy

Seit Ausbruch der Corona-Krise laden wir alle zwei Wochen unsere 23.000 Mitarbeiter zu virtuellen Mitarbeiterversammlungen ein, in denen wir sie auf den neuesten Stand bringen und alle ihre Fragen beantworten. Daneben gibt es viele virtuelle Coffeecorners, entweder zu einem bestimmten Thema oder unplugged. Das kommt an - die Teilnehmerzahlen waren überwältigend. Beispielsweise erklärte der Moderator und Buchautor Eckart von Hirschhausen auf humorvolle Weise per Videobotschaft, wie man Hygienevorschriften einhält, Masken nutzt und dabei sein Lächeln behält. Außerdem erinnerte er uns an die Achtsamkeitsübungen, die er früher einmal bei SAP mit uns gemacht hatte.

Zeit für solche Übungen sind notwendig, Pausen müssen auf der Agenda bleiben – auch nach der Corona-Krise. Videokonferenzen sind zwar gegenüber reinen Telefonkonferenzen besser für den Austausch geeignet, aber man muss dafür sorgen, dass sich nicht nur ein virtuelles Meeting an das nächste anschließt. Das melden unsere Teams übereinstimmend zurück.

Wie hält man nun die Teams beisammen, die vereinzelt in den eigenen vier Wänden arbeiten? Die Monotonie, teilweise sogar drohende Vereinsamung von Singles und Expats gehen wir ganz offensiv an: mit verstärkten Angeboten der Beratung, aber auch unterhaltsamen Formaten wie virtuellen Lunch-Dates per Video-Skype ("Never Lunch Alone") oder gemeinsamen Weinproben am Abend. In dieser Zeit, in der unser kulturelles Leben brachliegt, bauen wir unseren Mitarbeitern virtuell ein paar Bühnen in ihren Wohnzimmern auf und streamen Kabarett und Autorenlesungen wie zuletzt mit Sebastian Fitzek exklusiv ins Homeoffice. Aber auch ernste virtuelle Meetings lockern wir gern mal auf, wie beispielsweise kürzlich, als wir den Late-Night-Talker Klaas Heufer-Umlauf und Rapper Sido in eine Videokonferenz einschleusten. 

Cawa Younosi ist HR-Chef bei SAP Deutschland.

Überraschung per Post

Mit kleinen Paketen sorgte der Geschäftsreisespezialist baldaja für gute Stimmung.

Bei unseren Videokonferenzen fiel uns vermehrt auf, wie sehr uns der soziale Kontakt zueinander, das Haptische, fehlte. Im Rahmen eines neuen Geschäftsmodells (baldaja Connect, eine Plattform für das Management virtueller Konferenzen) hatten wir zuletzt sowieso sogenannte Glückspakete entwickelt - kleine Giveaways, die im Vorfeld von virtuellen Events an Teilnehmer verschickt werden. In der Geschäftsführung haben wir uns überlegt, dass wir dieses Produkt direkt bei den eigenen Mitarbeitern testen. Das war die perfekte Möglichkeit, uns bei allen zu bedanken fürs Durchhalten und das Team für die nächsten Schritte zu motivieren.

Das Glückspaket wurde zu jedem unserer 30 Mitarbeiter nach Hause geschickt. Es enthielt einen persönlichen Gruß, Sekt, Schokolade, Kaffee und Bier. Das Bier konnte anschließend perfekt für unser wöchentliches Feierabendbier-Meeting genutzt werden. Das Feedback war durchweg positiv, und man konnte das breite Grinsen der Mitarbeiter im nächsten Videocall kaum übersehen. Mit der kleinen Aufmerksamkeit hatten wir die Möglichkeit, auch im Homeoffice Nähe aufzubauen. Ein besonderes Learning aus dieser Zeit: Wir sollten häufiger die Berufsfelder der einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter überdenken und noch mehr mit ihnen in den Austausch gehen. Vor einigen Wochen hätten wir nicht gedacht, welche verborgenen Talente in unserem Team stecken. Diese haben wir erst durch die Veränderungen entdeckt. Zum Beispiel: Eine Mitarbeiterin hat bislang im Frontoffice Reisen verkauft, jetzt ist sie mit großem Elan im Vertrieb tätig. Auf die Transformation unserer Mitarbeiter sind wir sehr stolz, und das motiviert wirklich jeden.

Michael Holdkamp ist Geschäftsführer des Geschäftsreisespezialisten baldaja.

Resturlaub an Eltern spenden

Bei Xing gründeten Mitarbeiter eine Hilfsinitiative, Teamleiter Frank Legeland unterhielt seine Kollegen mit seiner Mützensammlung.

In meinem Team habe ich fünf Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, zwei davon im Ausland. Das Thema Remote Führung war für mich deshalb nicht neu. Aber ich habe gemerkt, dass die Kommunikation mit meinem Team in der Krise besonders wichtig war. Als Erstes habe ich ein tägliches Video-Stand-up eingeführt. Meine Rolle habe ich auch so gesehen, dass ich die Leute ein Stück weit bei Laune halten muss. Ich war gerade aus dem Skiurlaub gekommen und kündigte meinen Mitarbeitern an, jeden Tag eine andere Wollmütze zu tragen. Das habe ich ganze drei Wochen lang durchgezogen. Ich hatte einen großen Fundus, obwohl ich am Ende auch auf die Mützen meiner Frau und meiner Töchter zurückgreifen musste. Irgendwann trug ich ein Stirnband, dann wurde das Wetter besser. Wenn man jeden Morgen eine Kleinigkeit anders macht, die die Mitarbeiter zum Lachen bringt, kann das viel bewegen.

Bei Xing haben die Kollegen untereinander schnell mitbekommen, dass das Homeoffice für viele Eltern Probleme mit sich bringt. Einige Mitarbeiter sind aus Eigeninitiative tätig geworden. Sie eröffneten einen Kanal auf Slack, um eine Idee zu teilen und zu diskutieren: Wer Resturlaub aus dem Vorjahr hatte, sollte diesen Eltern mit kleinen Kindern spenden können. Innerhalb von zehn Minuten kam es zu ersten Deals und Absprachen. Das Krisenteam, das wir gleich zu Anfang der Corona-Krise gegründet haben, hat den Vorschlag aufgegriffen und die Personalabteilung mit ins Boot geholt. Aus rechtlichen Gründen konnten wir die Idee nur in Deutschland und in Spanien umsetzen. Rund 30 Mitarbeiter mit Kindern haben letztlich von der Initiative profitiert. Ich habe in der Führungsbeziehung mit Mitarbeitern schon immer häufig das persönliche Gespräch gesucht, am liebsten außerhalb des Büros. Wir sind in ein Café gegangen oder um die Alster spaziert. Das geht im Homeoffice nicht. Deshalb ist es unglaublich wichtig, zumindest das Gesicht des anderen zu sehen. Einen Videocall würde ich immer einem reinen Telefonat vorziehen. Es verschafft einem einen ganz anderen Eindruck davon, was den anderen bewegt. Und es gibt einem die Möglichkeit nachzufragen: Wie geht es dir gerade, wie läuft es bei dir? Vielleicht sind das die wichtigsten Fragen, die eine Führungskraft stellen sollte.

Frank Legeland ist Teamleiter Public Relations bei der New Work SE in Hamburg, die das berufliche Onlinenetzwerk Xing betreibt.

Dankeskarte vom Vorstand

Bei der Krankenkasse BKK Mobil Oil sorgte eine kleine Idee für positives Feedback aus dem Team.

Die Idee mit der Osterkarte hat alle überrascht. Der Vorstand der BKK Mobil Oil hatte sich überlegt, allen Mitarbeitern für ihr Engagement in der Corona-Krise ein kleines Dankeschön ins Homeoffice zu schicken. "Liebe Svenja Christensen" stand da mit persönlicher Ansprache, "wir wollen heute die Chance nutzen, um Ihnen von Herzen Danke zu sagen. Für Ihren Einsatz. Ihren Teamgeist. Und Ihre Bereitschaft mitzumachen." Das war eine kleine Geste, aber bei den Mitarbeitern hat sie etwas ausgelöst. Uns hat jede Menge positives Feedback erreicht. Sogar auf der Bewertungsplattform Kununu haben mehrere Leute die Aktion lobend erwähnt. Jüngst haben wir alle noch eine Karte bekommen, der ein MundNasen-Schutz für den Weg zur Arbeit beilag. Auch sonst stand bei unserem Krisenstab vor allem im Vordergrund, den rund 1700 Mitarbeitern zu signalisieren: Wir sehen euch, wir hören euch, wir wollen wissen, was ihr braucht. Kaum jemand von uns hatte jemals von zu Hause aus gearbeitet; nun mussten die meisten in kürzester Zeit ins Homeoffice umziehen. Da kamen viele Fragen auf. Wir haben eine zentrale E-Mail-Adresse eingerichtet und jede Frage persönlich beantwortet. Fürs Intranet haben wir eine FAQ-Seite erstellt, mit Infos zur Arbeitssituation und Kinderbetreuung, zu Onlinebesprechungen, Bewegung, Ernährung, aber auch für Fragen, die Versicherte uns stellen. Der Vorstand schickt alle zwei Wochen eine Mail zur aktuellen Situation - das werden wir sicher auch nach der Pandemie beibehalten. Es braucht nicht viel, um Mitarbeitern Wertschätzung und Aufmerksamkeit zu zeigen. Oft reicht es schon zu fragen: Geht es euch gut? Wie können wir euch unterstützen?

Svenja Christensen ist Referentin für Personalmarketing und -entwicklung bei der Betriebskrankenkasse Mobil Oil.

Hilfe beim Homeworking

Beim Beratungsunternehmen KPMG bieten die Coaches den Mitarbeitern Sprechstunden an.

Bei uns zeigte sich, dass unterschiedliche Gruppen in der Krise ganz unterschiedliche Bedürfnisse haben: Eltern, frisch eingestellte Teammitglieder, allein lebende Mitarbeiter. Wir stehen zusammen und unterstützen auch diejenigen, die derzeit etwa aufgrund fehlender Betreuungsmöglichkeiten für Kinder und pflegebedürftige Angehörige ihre Arbeitskraft nicht wie gewohnt vollständig zur Verfügung stellen können. Auch transparente Kommunikation war uns ganz wichtig. Jenen, die gerade erst ihren Arbeitsvertrag unterschrieben hatten, sagten wir nicht ab. Sie durften zum Starttermin anfangen und erlebten dann ein vollständig virtuelles Onboarding. Auf Wunsch konnten sie auch später beginnen und bekamen dafür pro Monat 1000 Euro. Wir haben unseren Mitarbeitern auch Angebote zugänglich gemacht, die sonst Führungskräften vorbehalten sind. Zum Beispiel bieten unsere zwölf unternehmenseigenen Coaches jetzt für alle eine Sprechstunde zum Umgang mit dem Homeworking, wie wir es nennen, an. Ganz wichtig war uns auch, ein Gemeinschaftsgefühl in der Belegschaft zu schaffen. Normalerweise haben wir ein Format namens Meet & Eat, bei dem sich Mitarbeiter über einen Zufallsgenerator mit anderen Kollegen zum Mittagessen verabreden. Dieses haben wir auf die virtuelle Ebene verlegt, damit sich die Leute bei einem Espresso austauschen können. Zudem haben wir innerhalb kürzester Zeit eine Homeschooling-Seite aufgebaut, auf der Eltern sich gegenseitig ihre Best Practices verraten. Wir haben bereits einen Aufruf gestartet, um unsere Mitarbeiter zu befragen, welche Erfahrungen aus dieser Zeit wir mit in die Zukunft nehmen und was wir hinter uns lassen wollen, wenn wir wieder regelmäßig im Büro sind.

Vera-Carina Elter ist Vorstand für Personal und Familienunternehmen beim Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG.

Jeder, wie er es braucht

Die Kreativproduktion Buzz’n’Fury analysiert die individuellen Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter - und versucht, darauf zu reagieren.

Auch im Geschäftsleben stecken hinter allem, was Menschen tun, Emotionen. Welche das sind, ist sehr unterschiedlich. Um herauszufinden, welche Motive uns im Team antreiben, haben wir eine entsprechende Analyse gemacht. Die Ergebnisse haben uns geholfen zu verstehen, wie jedes einzelne Mitglied tickt. Dieses Wissen nutzt uns immens. Auch im Homeoffice. Wir schicken uns deshalb weder Bonbons noch Konfetti - wir wissen nämlich viel genauer, was jeder Einzelne von uns braucht, damit er oder sie sich wohlfühlt. Ich habe beispielsweise ein starkes Einflussmotiv, also große Lust, Dinge zu gestalten und Verantwortung zu übernehmen. Damit es mir gut geht, möchte ich nicht nur wissen, wie unsere Projekte vorankommen, sondern am allerliebsten einen Blick darauf werfen. Deshalb brauche ich unser virtuelles Kaffeetrinken morgens mit dem Team.

Und wenn mich die Kollegen zwischendurch auf den aktuellen Stand ihrer Arbeit schauen lassen und wir zusammen noch ein bisschen daran feilen, merke ich, wie das meine gute Stimmung stützt. Einer meiner Kollegen hat dagegen ein starkes Freiheitsbedürfnis. Für ihn ist das Homeoffice überhaupt kein Problem – unabhängiges Arbeiten geht so natürlich besonders gut. Weil er aber gleichzeitig Anerkennung und positives Feedback sehr mag, braucht er trotz seiner Freiheitsliebe den regelmäßigen Austausch über seine Ideen und Arbeit. Für ein anderes Teammitglied ist vor allem die Balance und Harmonie zwischen allen Beteiligten entscheidend. Für sie ist es im Homeoffice deshalb nicht immer leicht, weil sich die Stimmung der Kollegen vom heimischen Schreibtisch aus schlechter einschätzen lässt. Deshalb sind intensiver Austausch und persönliche Gespräche über den morgendlichen Onlineplausch und den fachlichen Austausch hinaus für dieses Teammitglied ein regelrechter Energieschub. Der inspirative Austausch für die Weiterentwicklung eines Projekts oder das Zuhören auf der Beziehungsebene – die Antwort auf die Frage "Wie motivieren wir uns und unsere Mitarbeiter im Homeoffice?" lautet: jeden anders. Jeden so, wie er es braucht. Das virtuelle Treffen zum Kaffee am Morgen ist allerdings Pflicht, denn es gibt unserem Arbeitstag die Struktur, die wir für unsere Zusammenarbeit brauchen.

Alexander Breker ist Gründer der Kreativproduktion Buzz’n’Fury für Film, Fotografie und Musik.

Private Einblicke

Unternehmer Lutz Hirsch nimmt jede Woche ein Video für seine Mitarbeiter auf.

Seit Beginn der Homeoffice-Zeit drehe ich wöchentlich eine kurze Videobotschaft, in der ich über aktuelle Entwicklungen bei Hirschtec informiere. Das Video wird im Intranet veröffentlicht und über unser internes Social Network Yammer "angeteasert". Über ihre Likes oder digitalen Kommentare können die Mitarbeiter sofort Feedback geben oder Nachfragen stellen. Digital Nähe zu den Kollegen aufzubauen ist gar nicht so einfach und erfordert mehr Kommunikation denn je. Um zu motivieren und Schwingungen aufzunehmen, schalte ich mich periodisch in tägliche Stand-up-Meetings der Teams. Das hilft mir, die aktuellen Probleme im Tagesgeschäft zu verstehen und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder einmal zu sehen - denn in kleineren Meetings wird öfter die Kamera eingeschaltet. Meinen CEO-Talk, den ich sonst halbjährlich an unseren Standorten durchführe, haben wir als Microsoft-Teams-Session abgehalten.

Da in großen Onlinemeetings oft wenig Interaktion aufkommt, hat unsere Unternehmenskommunikation im Vorfeld Fragen eingesammelt. Im CEO-Talk konnte ich dann in vorbereiteten Themenblöcken dazu wichtige Kontextinformationen sowie Leitplanken für die tägliche Arbeit liefern. Das macht unternehmerische Entscheidungen verständlicher und gibt Orientierung und die nötige Sicherheit für die eigene Arbeit. Was ich bei solchen Formaten immer mache, um den persönlichen Kontakt nicht außen vor zu lassen: meine persönlichen Herausforderungen und Highlights aus dem Homeoffice zu zeigen. Für den Spaß bei der Arbeit haben wir im internen Social Network die digitale Challenge #Lieblingspause gestartet. Seit Ende April zeigen die Mitarbeiter in Videos, Bildern oder Kurztexten, wie sie ihre Pause im Homeoffice am liebsten verbringen. Das Schöne daran: Diese privaten Einblicke – von verrückten Tanzübungen vorm TV über verschiedene Arten des Brotbackens bis hin zu kleinen Klaviereinlagen – stärken den Zusammenhalt und bringen einen extra Motivationsschub. Klar ist: Ob digitale Challenges oder persönliche CEO-Botschaften: Sie werden uns auch nach Corona begleiten.

Lutz Hirsch ist CEO der Agentur Hirschtec.

Uns interessiert, wie es dir geht

Die Auszubildenden bei Siemens Energy fertigten spontan Schutzausrüstung und treffen sich zu digitalen Walks.

Wir kümmern uns um 2000 Lernende, die weltweit an unserer dualen Ausbildung teilnehmen. Vieles mussten wir mit Ausbruch der Pandemie aus dem Stand stemmen: Onlineunterricht oder die virtuelle Zusammenarbeit mit 90 Trainern vom Homeoffice aus. Wir kommunizieren über Social Media und führen Onlinetagebuch. Aber es geht ja nicht nur um den Austausch von Fachinformationen - sondern darum, persönlich in Kontakt zu bleiben. Deshalb trifft sich das Ausbildungsteam zusätzlich zum täglichen Austausch jeden Freitag zu einer virtuellen Runde, die wir Lessons Learned nennen. Die Session wollen wir auch nach Corona beibehalten. In der Ausbildung konnten wir unser geplantes Programm nicht komplett durchführen. Stattdessen experimentierten wir mit übergreifenden Themen.

Wir haben etwa spontan entschieden, mit unseren Lernenden Schutzvisiere per 3-D-Drucker herzustellen. Dass wir die fertigen Masken wegen fehlender Sicherheitszulassung nicht wie geplant als Schutzausrüstung verschenken durften, war ein bisschen enttäuschend. Trotzdem war das Projekt ein Erfolg, denn es hat den Zusammenhalt gefördert. Als Ausbildungsleiter ist es mir wichtig, meinen Teammitgliedern zu zeigen, dass ich mich dafür interessiere, wie es ihnen geht. Bei unserem gemeinsamen AfterWork-Chat einmal die Woche sitzt dann schon mal die Familie mit am Tisch. Wir gucken in Wohnzimmer in München und auf Terrassen in Berlin. Bei diesen Gesprächen stellte sich heraus, dass vielen Bewegung fehlte – aber auch der Ansporn dazu. Deshalb haben wir vor einigen Wochen mit Digital Walks angefangen. Die unternehmen wir oft spontan und tauschen uns dabei in virtuellen Meetings aus. Jeder entscheidet, wohin er geht: in die Natur, zum Lieblingsplatz im Grünen. Die Bewegung hebt die Stimmung, unterstützt den Austausch und fördert die Kreativität. Buchstäblich im Vorbeigehen entwickeln wir so neue Ideen.

Christoph Kunz ist Ausbildungsleiter bei Siemens Energy.

© HBM 2020

Dieser Beitrag erschien erstmals in der Juli-Ausgabe 2020 des Harvard Business managers.

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