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Karriere Nach der Gründung zurück im Job

Wer schon einmal ein Unternehmen gegründet hat, findet danach nicht unbedingt so leicht einen Job. Frauen haben es dabei allerdings einfacher als Männer.
aus Harvard Business manager 4/2021

Die meisten Gründer verlassen ihr Unternehmen irgendwann und versuchen, als Angestellte wieder zurück auf den Arbeitsmarkt zu kommen. Wie werden sie dort aufgenommen? Laut einer neuen Studie hängt das zum Teil auch von ihrem Geschlecht ab. Denn wenn es darum geht, das Interesse potenzieller Arbeitgeber zu wecken, haben Gründerinnen einen klaren Vorteil gegenüber Männern.

Für seine Studie reichte das Forschungsteam über ein führendes US-Jobportal 1223 Bewerbungen für Marketing- und HR-Jobs ein. Jeder Arbeitgeber erhielt Bewerbungen von zwei fiktiven Kandidatinnen oder Kandidaten – einer davon ehemaliger Gründer, einer nicht. Beide Lebensläufe versprachen ähnliche Berufserfahrung, die jeweils zur Ausschreibung passte. Das Geschlecht der Bewerber wechselte nach dem Zufallsprinzip.

Das Ergebnis: Bei den männlichen Bewerbern wurden weit weniger Gründer als Nichtgründer zum Interview eingeladen. Bei den Frauen dagegen gab es keinen wahrnehmbaren Unterschied. Später legte das Forscherteam 425 erfahrenen Marketingmanagern eine der vier möglichen Lebenslaufkombinationen vor (Mann/Frau, Gründungserfahrung/keine Gründungserfahrung) und bat sie, die Kandidatinnen und Kandidaten zu bewerten. Auch hier wurden allein die männlichen Bewerber für eine Gründervergangenheit bestraft: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mann für ein Vorstellungsgespräch empfohlen wurde, sank um 79 Prozent, wenn er einst ein Unternehmen ins Leben gerufen hatte.

Die Manager schätzten Entrepreneure als schwerer zu führen ein, hielten sie seltener für Teamplayer und glaubten, dass sie eher wieder kündigen würden als Nichtgründer. Diese Bewertungen fielen jedoch positiver aus, wenn die Entrepreneure Frauen waren – vielleicht weil diese oft stereotyp als "weniger unternehmerisch denkend" als Männer eingeschätzt werden. "Die gleichen Vorurteile, die Frauen [beim Start eines Unternehmens] benachteiligen, können ihnen beim Ausstieg paradoxerweise nützen", schreibt das Forscherteam.

Quelle: Aleksandra Kacperczyk, Peter Younkin: "A Founding Penalty: Evidence from an Audit Study on Gender, Entrepreneurship, and Future Employment", Organization Science, im Druck

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