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Vordenker-Serie: Michael Porter Meister der fünf Kräfte

Michael Porter gilt als Papst unter den Managementvordenkern. Der Harvard-Professor ist mit seinen Arbeiten zu Strategie und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen, Branchen und Volkswirtschaften berühmt geworden.

aus Harvard Business manager 10/2011
Foto: imago stock&people / imago images / ZUMA Press

Werk und Wirkung

Die Vorstellung, dass Michael Porter ein Buch voller Anekdoten mit reißerischen Schlagwörtern veröffentlicht, ist genauso absurd wie die Idee, ihn mit BH und Strumpfhosen bekleidet in einem Lehrsaal stehen zu sehen. Dieser ungewöhnliche Vergleich stammt von einem Journalisten des US-Magazins "Economist" und beschreibt, überaus treffend, den Harvard-Professor Michael Eugene Porter, den anerkannten Guru unter den Managementprofessoren: Porter ist dafür bekannt, dass er die Managementtheorie in eine ernst zu nehmende wissenschaftliche Disziplin verwandelte.

Er hat neu definiert, wie Wettbewerb funktioniert, und er hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die Erkenntnisse der Wirtschaftswissenschaften Eingang in die Unternehmensstrategien finden. Dabei legt er wenig Wert darauf, dass seine Werke leicht bekömmlich sind. Er lehnt es sogar ab, seine Bücher als Taschenbücher zu veröffentlichen.

Profil

Erfahrung als Soldat
1947 in Ann Arbor, Michigan, als Sohn eines Armeeoffiziers geboren, zog Porter mit seiner Familie häufig um. Nach seinem College-Abschluss ging er zur US-Reservearmee und erreichte den Rang eines Captains.

Erfolg im Studium
Wie viele führende Managementvordenker hat Porter Ingenieurwesen studiert. Nach seinem MBA und seiner Promotion in VWL wurde er 1973 im Alter von 26 Jahren der jüngste Professor auf Lebenszeit in der Geschichte der HBS.

Ehre als Professor
Seit dem Jahr 2000 ist er Professor an der Harvard University mit einem sogenannten "free-ranging remit", einem freien Forschungsbereich. Bislang wurde erst vier HBS-Fakultätsmitgliedern diese Ehre zuteil.

Lehrer

"Einfluss, nicht Popularität, ist das, was Porter will", sagte Charles Handy deshalb einmal zu Recht, einer der Mitbegründer der London Business School. Und Einfluss hat Porter ohne Frage: Seine ökonomischen Modelle prägen das Strategieverständnis von Wissenschaftlern und Praktikern seit 30 Jahren. Seine Werke gelten als Pflichtlektüre für Wirtschaftsstudenten.

An der Harvard Business School (HBS) war seine "Branchen- und Wettbewerbsanalyse" lange Zeit das meistbelegte Wahlfach. Porters Selbstbewusstsein ist legendär. Manch einer seiner Studenten mag schmunzeln, wenn der Professor den Hörsaal "inmitten seiner Entourage bestehend aus Lakaien" betritt, wie der "Economist" hämisch anmerkt.

Als er seine Idee vom "Shared Value" veröffentlichte (siehe Abschnitt "Ziele und Visionen" rechts), fügte er nicht uneitel hinzu, dass er damit eine "intellektuelle Revolution" auslösen wolle, die Akademiker und Manager gleichermaßen zu neuen Erkenntnissen führt.

Forscher

Den Durchbruch schaffte Porter mit seinem Modell zu Wettbewerbsstrategien: 1980 veröffentlichte der Harvard-Professor sein erstes Buch unter dem Titel "Wettbewerbsstrategie: Methoden zur Analyse von Branchen und Konkurrenten".

Er unterscheidet darin zwischen drei möglichen Ansätzen, der Kostenführerschaft, der Differenzierung - etwa durch Qualität oder Service - und der Konzentration auf Schwerpunkte, wie ein begrenztes Marktsegment. Heute ist das Modell zum Teil überholt, da Firmen vielerorts den Service verbessern müssen, ohne von der Kostenführerschaft abrücken zu können.

Berater

Porters wohl bekanntestes Konzept ist das Fünf-Kräfte-Modell . Danach hängt der Wettbewerb eines jeden Unternehmens von fünf Faktoren ab: von der Rivalität unter bestehenden Wettbewerbern, dem Markteintritt neuer Player, der Gefahr von Ersatzprodukten sowie der Verhandlungsstärke von Kunden einerseits und Lieferanten andererseits.

Dieses Modell liefert Managern zwar keine allgemeingültigen Aussagen für jede Wettbewerbssituation, es definiert aber Einflussgrößen, die jeder Entscheider berücksichtigen muss, wenn er Erfolg haben will.

Neben seiner akademischen Karriere hat der Harvard-Professor 1983 sein eigenes Beratungsunternehmen mitgegründet, die Monitor-Gruppe (gehört heute zu Deloitte). Bis heute berät er Unternehmen, Organisationen und Institutionen.

Freunde und Wegbegleiter

Die Führungsriege der Monitor-Gruppe, Porters ehemaliger internationaler Beratungsfirma, bestand aus einer Reihe einflussreicher Denker. Hier eine kleine Auswahl:

Joseph Fuller, Mitbegründer von Monitor, ist ein angesehener Redner und Autor, dessen Arbeiten in renommierten Zeitungen und Magazinen erscheinen. Er forschte zusammen mit Porter in Harvard.

Mark Fuller, ein weiterer der sechs Gründer, hatte lange Zeit den Vorsitz der Geschäftsführung inne. Fuller war Assistenzprofessor an der Harvard Business School.

Chris Argyris gilt als Mitbegründer der Lehre der Organisationsentwicklung. Argyris, Jahrgang 1923, ist emeritierter HBS-Professor.

Diana McLain Smith beschäftigt sich seit 25 Jahren mit der Leistungsfähigkeit von Teams und Organisationen. Sie hat zahlreiche Bücher und Aufsätze herausgebracht, unter anderen mit Peter Senge ("Die lernende Organisation").

Vordenker der Ökonomie, Management-Theorie und Psychologie

Clayton Christensen und seine disruptive Innovation, die "Five Forces" von Michael Porter und die Management-Tipps von Linda Hill – die Ideen und Konzepte zahlreicher Vordenkerinnen und Vordenker haben die Management-Theorien geprägt. Lesen Sie hier die wichtigsten Ideen und Beiträge von Vordenkern wie Joseph Schumpeter, John P. Kotter, Peter Drucker und Herminia Ibarra.

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Ziele und Visionen

Shared Value

"Die Neuerfindung des Kapitalismus"  ist der Beitrag überschrieben, in dem Porter zusammen mit Mark Kramer im Harvard Business Manager seine Idee vom Konzept der geteilten Werte, dem sogenannten Shared Value, erläuterte. Dahinter verbirgt sich der Ansatz, die Konkurrenzfähigkeit eines Unternehmens zu erhöhen und zugleich die sozialen Bedingungen der Gemeinschaft, in der es tätig ist, zu verbessern. Firmen wie General Electric , Google , Nestlé  und Unilever seien bereits auf dem richtigen Weg, um Shared Value zu schaffen, sagt Porter.

Corporate-Social-Responsibility-Projekte, wie er sie häufig beobachtet, greifen allerdings zu kurz. Wichtig für die Neuerfindung des Kapitalismus seien drei Stellhebel: ein neues Verständnis von Produkten und Märkten (als Lösungsvorschlag nennt er gute Ernährung und intelligente Technik), ein neues Verständnis von Produktivität (es bestehe ein enger Zusammenhang zwischen gesellschaftlichem Fortschritt und Produktivität in der Wertschöpfungskette) und neue Ideen für den Aufbau lokaler Cluster.

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