Zur Ausgabe
Artikel 14 / 19
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Wenn Führungskräften gekündigt wird "Manche werden einfach vom Hof gejagt"

Eine Kündigung ist für Topmanager oft ein traumatisches Erlebnis, sagt Claus Verfürth von der Karriereberatung The Boardroom. Im Interview spricht er über psychologische Kränkung, die Wiedereinstiegsillusion der Manager und darüber, was passiert, wenn diese plötzlich jeden Tag zu Hause sind.
Das Interview führte Britta Domke
aus Harvard Business manager 1/2017
Foto:

John Shepherd / E+ / Getty Images

Harvard Business manager: Herr Verfürth, wie fühlt es sich an, wenn man als Topmanager ohne Vorwarnung gekündigt wird?

Claus Verfürth: Eine solche Kündigung ist im Topmanagement sicher nicht die Regel. In den allermeisten Fällen trennen sich Unternehmen über einvernehmliche Ausstiegsregelungen von ihren Managern oder lassen einfach den Vertrag auslaufen. Aus eigener Erfahrung kann ich aber sagen, dass mich meine Kündigung 2010 sehr überrascht und getroffen hat. Ich fühlte mich erst mal hilflos, wusste nicht genau, wie ich mit dieser Situation umgehen sollte. Nach dem ersten Schock, als das Bewusstsein einsetzte, ich bin nicht mehr für dieses Unternehmen tätig, habe ich mich aber recht schnell gefragt: Wie kann ich das, was mich ausmacht, in einem Profil zusammenfassen, um es am Markt zu präsentieren?

Profil

Die Karriereberatung

Seit fast zehn Jahren berät die Talent- und Karriereberatung von Rundstedt Topmanager in ihrer Karriereentwicklung. Seit Anfang 2016 hat sie eine eigene Marke für Senior Executives: "The Boardroom" unterstützt Topmanager in - selbst gewählten oder von außen herbeigeführten – beruflichen Veränderungssituationen. Die Unternehmensmutter wurde 1985 von Eberhard von Rundstedt als Outplacement-Beratung gegründet. Heute führt seine Tochter Sophia rund 300 Mitarbeiter an 20 Standorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie über das internationale Netzwerk Career StarGroup an 770 Standorten weltweit.

Der Manager

Claus Verfürth ist Partner bei von Rundstedt und leitet The Boardroom. Zuvor war er mehrere Jahre lang Mitglied der Geschäftsleitung bei von Rundstedt. Nach seinem Studium arbeitete sich der Bankkaufmann und diplomierte Betriebswirt bei der Apotheker- und Ärztebank bis zum Vertriebsvorstand hoch. Als 2010 Korruptionsvorwürfe gegen einige seiner Mitarbeiter laut wurden, musste er das Unternehmen verlassen. Bei von Rundstedt startete er seine zweite Karriere.

Sie waren damals Vertriebsvorstand der Apotheker- und Ärztebank. Im Zuge einer vermeintlichen Korruptionsaffäre mussten Sie die politische Verantwortung übernehmen und wurden vom Aufsichtsrat freigestellt, obwohl Ihnen persönlich nichts vorzuwerfen war. Heute unterstützen Sie unter anderem gekündigte Topführungskräfte bei der Suche nach einer neuen Position. Werden die von ihrer Entlassung genauso überrascht wie Sie damals?

Oft gibt es schon frühzeitige Anzeichen dafür, die viele Manager aber gar nicht als solche wahrnehmen. Dazu gehört, dass sie vor wichtigen Entscheidungen nicht mehr vollständig informiert werden und zunehmend in Streitgespräche mit ihren Vorgesetzten geraten. Viele nehmen das nicht so richtig ernst und denken, der Sturm zieht irgendwann wieder vorüber – es gibt ja solche Phasen. Aber wenn sie später darüber nachdenken, wird ihnen klar, dass dies die ersten Vorboten der Trennung waren.

Wie lässt sich unterscheiden, ob es nur ein vorübergehender Sturm ist oder ob sich da etwas Schlimmeres zusammenbraut?

Zu Anfang lässt sich das meist gar nicht unterscheiden. Deshalb sollten Manager sich frühzeitig auf die Möglichkeit einstellen, dass sie über kurz oder lang vielleicht das Unternehmen verlassen müssen. Welche Optionen gibt es außerhalb meines Arbeitgebers? Kann ich Kontakte aus der Vergangenheit reaktivieren? Wie positioniere ich mein Profil am Arbeitsmarkt, ohne allzu sehr damit in die Öffentlichkeit zu treten? Der letzte Punkt ist entscheidend, denn ich kann ja oft noch nicht einschätzen, in welche Richtung sich die Situation im Unternehmen entwickelt. Aber frühzeitig die Fühler auszustrecken, etwa zu Personalberatern, zu denen man schon länger keinen Kontakt mehr hatte, ist sicher sinnvoll.

Harvard Business manager plus

Jetzt weiterlesen. Mit dem passenden manager Abo.

Einen Monat für € 0,99 testen. Jederzeit kündbar.

Ihre Vorteile:

  • manager magazin+ und Harvard Business manager+ im Paket
  • Alle Inhalte von m+ und HBm+ auf der Seite manager-magazin.de und in der manager-Nachrichten-App
  • Der Inhalt der gedruckten Magazine inkl. E-Paper (PDF)
Jetzt für € 0,99 testen

Sie sind bereits Digital-Abonnentin oder -Abonnent? Hier anmelden

Weiterlesen mit manager+

Immer einen Einblick voraus

Ihre Vorteile mit manager+

  • manager magazin+

    in der App

  • Harvard Business manager+

    in der App

  • Das manager magazin und den Harvard Business manager lesen

    als E-Paper in der App

  • Alle Artikel in der manager-App

    für nur € 24,99 pro Monat

Sie haben bereits ein Digital-Abonnement?

manager+ wird über Ihren iTunes-Account abgewickelt und mit Kaufbestätigung bezahlt. 24 Stunden vor Ablauf verlängert sich das Abo automatisch um einen Monat zum Preis von zurzeit 24,99€. In den Einstellungen Ihres iTunes-Accounts können Sie das Abo jederzeit kündigen. Um manager+ außerhalb dieser App zu nutzen, müssen Sie das Abo direkt nach dem Kauf mit einem manager-ID-Konto verknüpfen. Mit dem Kauf akzeptieren Sie unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzerklärung .

Zur Ausgabe
Artikel 14 / 19
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.