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Klimaforscher Markus Rex über Zusammenarbeit Gemeinsame Erfahrungen schaffen Nähe

Kälte, Dunkelheit und eine Drift mit dem Eis über die Polkappe – das Forschungsschiff "Polarstern" war mit Hunderten Wissenschaftlern 389 Tage in der Arktis unterwegs. Klimaforscher Markus Rex vom Alfred-Wegener-Institut leitete die Jahrhundertexpedition.
aus Harvard Business manager Spezial 1/2021
Klimaforscher Markus Rex vom Alfred-Wegener-Institut auf der Brücke des Forschungsschiffs „Polarstern“

Klimaforscher Markus Rex vom Alfred-Wegener-Institut auf der Brücke des Forschungsschiffs „Polarstern“

Foto: Mohssen Assanimoghaddam / dpa / picture alliance

Wer – wie wir auf der "Polarstern" – mit einem Team in die Arktis aufbricht oder in andere von der Außenwelt abgeschnittene Regionen, der probt und trainiert vorher am besten den Teamgeist und Zusammenhalt. Bei unserer "Mosaic"-Mission ging dies leider nicht gleichzeitig mit 500 Teilnehmern aus aller Herren Länder, die während der verschiedenen Expeditionsphasen nacheinander auf der "Polarstern" eingesetzt sind.

Daher haben wir uns in kleineren Gruppen vorbereitet. Unser Team, das die Atmosphäre erforscht, haben wir zum Beispiel ein halbes Jahr vor seinem Einsatz im arktischen Spitzbergen-Archipel trainiert.

Neben diesen Aspekten ist es wichtig, dass alle Teammitglieder füreinander da sind und so an überlebenswich-tigen Sicherheitskonzepten mitarbeiten. Gefahren wie Eisbären, die uns im Alltag begegnen, lassen sich am besten durch mehrstufige Gegenmaßnahmen minimieren, von denen meist keine einzelne hundertprozentige Sicherheit liefert.

Viele alltägliche Szenen an Bord sind heute noch die gleichen wie zu Zeiten von Amundsen, Nansen, Scott und anderen Polarpionieren. Anderes hat sich zum Glück verändert. So sind wir auf einem absolut sicheren Forschungsschiff unterwegs und können jederzeit nach Hause kommunizieren. Diese kollektive Sicherheit stärkt auch das Wirgefühl.

Am wichtigsten ist jedoch eine ausgewogene Balance zwischen der täglich harten Arbeit auf dem Eis und gemeinsamen Freizeitaktivitäten. Bei uns sind das etwa Wasserballspiele im Bordpool, Filmabende und gelegentliche Partys, etwa zu Geburtstagen. All dies kommt der Stimmung zugute und schafft das nötige Vertrauen, um eine anspruchsvolle Mission durchzuhalten.

Die faszinierenden neuen Eindrücke, die man während der Expeditionsmonate miteinander teilt, schaffen eine große Nähe. Wer gemeinsam in der froststarren schwarzen Umgebung einer Polarnacht unter unzähligen Sternen zwischen skurrilen Eisformationen gestanden und diese Stimmung mit anderen geteilt hat, fühlt sich oft ein Leben lang verbunden. Ich kenne einige Familien, die ihren Anfang auf einer gemeinsamen Expedition genommen haben.

Für den Leiter einer Arktisexpedition sind Organisations- und Improvisationsfähigkeit die wichtigen Qualifikationen. Hinzu kommt der unerlässliche Faktor der Erfahrung. Ich habe bereits an vielen Expeditionen in die Polargebiete und andere entlegene Regionen teilgenommen und große Feldkampagnen geleitet. Bei Herausforderungen am Rande des Machbaren lässt sich wenig im Voraus planen, man muss ständig auf Situationen reagieren, die einem die Natur vorsetzt. Dazu muss man Unsicherheit akzeptieren, Pläne besonders robust gestalten und ständig Alternativszenarien mitdenken.

Zusammenarbeit

Die Mehrheit aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer weltweit erledigt den größten Teil ihrer Tätigkeit in Teams. Dabei kann Großes entstehen oder es scheitert an den kleinsten Dingen. Gutes Teamwork ist kein Selbstzweck, sondern ein fragiles Konstrukt, um das man sich kümmern muss.

Wir haben alles Wichtige für Sie zu diesem Thema zusammengestellt.

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Seminare, Kurse und andere Ausbildungsangebote können die Herausforderungen, denen man sich auf so einer Expedition stellen muss, nur bedingt abbilden. Ich habe im Laufe meiner Karriere Managementstrategien in Führungsakademien gelernt. Aber meist fiel es mir schwer, die Realität meiner speziellen Führungsaufgaben in solchen Kursen wiederzufinden. Und will man das Gelernte eins zu eins umsetzen, kann dies auf Kosten der Authentizität und Glaubwürdigkeit gehen. Die sind aber das Fundament jeder Führung, vor allem unter extremen Bedingungen, wo es um die Sicherheit und das Leben der Teilnehmer geht.

Ich setze für die Vorbereitung eher auf das sorgfältige Lesen der Berichte meiner Vorgänger und lerne von Menschen, die bereits Ähnliches unternommen haben. Die Expeditionsberichte des Norwegers Fridtjof Nansen habe ich jederzeit zur Hand.

Spezial 2021

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Dieser Artikel erschien im Spezial 2021 des Harvard Business manager.

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