Karriere Was tun, wenn sich Vorgesetzte streiten?

Natürlich ist es prima, wenn Sie sich mit dem Chef Ihres Chefs gut verstehen. Es kann Sie jedoch in die Bredouille bringen: Etwa, wenn es zwischen den beiden Ärger gibt – und Sie sich mittendrin befinden. Diese Tipps helfen Ihnen dabei, sich richtig zu verhalten.
Foto: FatCamera / Getty Images

Eine gute Beziehung zu Ihrem Chef und dessen Chef zu pflegen, ist sicherlich eine gute Sache. Doch was tun, wenn es zwischen den beiden zu einem Konflikt kommt? Sollten Sie sich dann mit demjenigen verbünden, der mutmaßlich den größten Einfluss auf Ihre Karriere hat? Oder bleiben Sie besser neutral? Und: Was können Sie tun, um möglichst keine der Beziehungen zu gefährden?

Was die Experten sagen

So viel steht fest: Es ist höchst unangenehm, zwischen zwei rivalisierenden Vorgesetzten zu stehen. Priscilla Claman, Präsidentin einer Bostoner Coachingfirma, vergleicht die Situation mit Szenen aus der Kindheit, in denen der Nachwuchs zwischen den streitenden Eltern hin und her schaut und sich hilflos fühlt. Nancy Rothbard, Professorin für Management an der Wharton School, beschreibt das Dilemma im Büro so: "Sie müssen mit beiden Parteien zurechtkommen und wollen deshalb keine verärgern. Das ist purer Stress."
Vielleicht kommen Ihnen die folgenden drei Szenarien bekannt vor. Doch selbst, wenn das nicht so ist: Sie können Ihnen im Fall des Falles helfen, besser mit Ihren Gefühlen umzugehen und sich der Situation angemessen zu verhalten.

Szenario 1: Ihr Vorgesetzter wird übergangen

"Wenn der Chef Ihres Chefs möchte, dass Sie ein Projekt übernehmen, sollte er dies zunächst mit Ihrem Vorgesetzten besprechen", sagt Coachin Claman. In der Theorie ist das eine Selbstverständlichkeit, in der Praxis oft nicht. Wenn der Chefchef sich nicht an die Regeln hält und Sie direkt anspricht, sollten Sie Ihr Dilemma adressieren. Versuchen Sie es mit: "Ihre Bitte bringt mich gegenüber meinem Vorgesetzten in eine unangenehme Lage. Was empfehlen Sie mir zu tun?", schlägt Professorin Rothbard vor. Je nachdem, wie Ihr Verhältnis zum Vorgesetzten Ihres Chefs ist, können Sie ihn jedoch auch bitten, selbst mit Ihrem Chef zu sprechen – oder ihm den Vorschlag machen, Ihr Team kurzzeitig zu verstärken, damit Sie die Aufgabe übernehmen können.

Szenario 2: Nur Sie kennen persönliche Informationen

Es gilt: Wenn Sie persönliche Informationen bekommen, sollten Sie sie erst einmal für sich behalten. Zum Beispiel, wenn Ihnen Ihre Chefin erzählt, dass sie schwanger ist oder kündigen wird. Deutlich schwieriger wird es, wenn Ihnen die Vorgesetzte Ihrer Chefin etwas erzählt, was Ihre Chefin eigentlich wissen müsste. Vielleicht spricht sie mit Ihnen auch über Dinge, die Sie am liebsten öffentlich machen würden. Etwa, weil sie das Unternehmen betreffen.

In einem solchen Fall ist es oft besser, Fragen zu stellen, anstatt eine Meinung zu äußern. Etwa: "Glauben Sie, dass jemand anders diese Informationen vielleicht auch gut gebrauchen könnte?" Oder: "Ergeben sich Risiken, wenn diese Informationen erst einmal zurückgehalten werden?" Durch diese Art von Fragen können Sie Ihre Chefin oder auch deren Vorgesetzte im Entscheidungsprozess unterstützen.

Szenario 3: Handeln in einer Patt-Situation

Manchmal landen zwei Kontrahenten in einer Sackgasse. "Wenn Sie beiden Parteien nahe stehen und ihre Interessen genau kennen, können Sie dazu beitragen, die Situation zu entschärfen oder den Streit sogar beizulegen", sagt Professorin Nancy Rothbard. Um in verfahrenen Situationen leichter zu einem Konsens zu finden empfiehlt Coachin Priscilla Claman, die Parteien an einen Tisch zu bringen. Allerdings nicht allein. Eine Einladung dazu könnte sich wie folgt anhören: "Ich glaube nicht, dass wir bislang wirklich weitergekommen sind. Wollen wir uns einmal alle Drei zusammensetzen – und noch Lucy und Eduardo hinzuziehen, damit wir unsere Prioritäten klären können?" Warum noch andere mit dabei sein sollten? "Zusätzliche Teilnehmer sorgen in der Regel dafür, dass strittige Themen offener diskutiert werden. Hinzu kommt, dass die Atmosphäre so oft deutlich entspannter wird und Animositäten leichter überbrückt werden können", so Claman.

Unabhängig davon, in welchem Szenario Sie sich befinden:

Ergreifen Sie niemals Partei

"Wenn Sie es mit zwei Menschen zu tun haben, ist es nur natürlich, dass Ihnen einer näher ist der andere", sagt Priscilla Claman. Ein Grund dafür kann beispielsweise sein, dass Sie schon lange Zeit erfolgreich mit ihrem direkten Chef zusammenarbeiten. Aber genauso, dass Sie sich mit dem Chef Ihres Chefs einfach besser verstehen. Solcherlei Bindung birgt Risiken: Sie könnte nämlich dazu führen, dass Sie Partei ergreifen, obwohl es besser wäre, neutral zu bleiben. Nancy Rothbard rät jedenfalls, sich mit Kommentaren bei Meinungsverschiedenheiten zurückzuhalten: Eine zu starke Einmischung in die Machtdynamik  von Vorgesetzten könnte Ihrer Karriere schaden, warnt sie.

Sichern Sie sich ab, wenn Sie Partei ergreifen müssen

Wenn Sie gezwungen sind, sich für eine Seite zu entscheiden – welche würden Sie wählen? Beide Expertinnen raten dazu, die der direkten Vorgesetzten zu wählen – jedenfalls, wenn kein gewichtiger Grund dagegen spricht. "Die Beziehung zu Ihrer Chefin ist für Ihren Arbeitsalltag von enormer Bedeutung. Sie entscheidet schließlich über Gehaltserhöhungen, Beförderungen und Ihre Aufgaben. Schon deshalb sollten Sie Ihr nicht in den Rücken fallen", sagt Nancy Rothbard von der Wharton School. Sollten Sie dennoch Partei für den Chef Ihrer Chefin ergreifen, sollten Sie Vorsichtsmaßnahmen treffen. Dazu gehört etwa, dass Sie sicherstellen, dass Ihnen der Chef Ihrer Chefin im Fall des Falles eine attraktive Stelle anbieten wird. "In einer solchen Situation brauchen Sie unbedingt Wahlmöglichkeiten", so die Professorin.

Kennen Sie Ihre Grenzen

Dramen im Büro sind kräftezehrend und ermüdend. Deshalb sollten Sie sich nicht von den Machtkämpfen Ihrer Vorgesetzten vereinnahmen lassen. Wenn Sie es doch tun, schaden Sie womöglich nicht nur Ihrem persönlichen Wohlbefinden, Sie machen sich auch leichter angreifbar. Denken Sie immer daran: Ihr Job ist Ihr Job und nicht Ihr Privatleben. Die Beziehungen zu Ihren Kollegen sind Arbeitsbeziehungen. Ihre Chefin ist weder Teil Ihrer Familie, noch zählt sie zu Ihrem engsten Freundeskreis. Das ist gut so und sollte so bleiben. Nur so schaffen Sie es, Kraft zu schöpfen und genügend Abstand von Konflikten im Büro zu behalten.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.