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Selbstmanagement "Glücklich sein im Job"

Warum sind so viele von uns unzufrieden mit der Arbeit? Meistens liegt die Ursache bei uns selbst: Wir stecken in drei typischen Glücksfallen fest. Was Sie tun müssen, um sich aus ihnen zu befreien.
aus Harvard Business manager 1/2018
Foto: Ezra Bailey / Getty Images

Das Leben ist zu kurz, um im Beruf unglücklich zu sein. Und doch sind viele Fach- und Führungskräfte, die ihre Karriere selbst in der Hand haben, genau das: demotiviert, unerfüllt und unglücklich. So wie Sharon, Vice President eines internationalen Energieunternehmens und eine meiner Klientinnen in der Beratung. Sie ist intelligent, arbeitet hart und hat es nach oben geschafft, weil sie sich an die Regeln gehalten hat. Sie verdient eine Menge Geld, liebt ihren Mann und ist stolz auf ihre Kinder. Obwohl sie alles hatte, was sie sich wünschte, war sie nicht glücklich.

Die Situation zu Hause war angespannt, und die Arbeit erfüllte sie nicht mehr mit Zufriedenheit. Sie war das Taktieren am Arbeitsplatz leid, und die ständigen Anstrengungen, in jedem Quartal ausgleichen zu müssen, was im Unternehmen gerade schieflief, machten sie zynisch. Sie stöhnte über die vielen Überstunden, die von ihr erwartet wurden. Auch die nächste Beförderung und die Bonuszahlungen waren nicht mehr so verlockend wie früher. Dennoch arbeitete Sharon genauso hart wie immer: sich anzustrengen war für sie zur Gewohnheit geworden.

Sharon machte andere für ihre Lustlosigkeit verantwortlich. Das Führungsteam habe keine Beziehung zum Tagesgeschäft, erklärte sie. Bei Freunden und Kollegen beklagte sie sich über Fehlentscheidungen des Managements, über die Unternehmensstrategie und das, was sie als mangelnden Weitblick aufseiten der höchsten Führungsebene wahrnahm. Ihr gesamtes Team erschien ihr nachlässig.

Sharon war schon einige Monate lang zum Coaching zu mir gekommen, und sie war mir sympathisch geworden. Doch selbst ich fand ihre Vorwürfe ermüdend. Wie ihre Kollegen darauf reagierten, kann ich mir nur vorstellen. Als wir endlich damit durch waren, warum alle anderen an ihrer Unzufriedenheit schuld waren, sagte sie: "Ich weiß ja, dass ich vielleicht selbst etwas ändern könnte. Aber ich habe einfach zu viel zu tun. Außerdem spielt es keine Rolle, ob ich glücklich bin oder nicht. Wichtig ist nur, dass ich meine Zielvorgaben erreiche." In nachdenklicheren Momenten gestand Sharon durchaus ein, dass ihre Anspannung und ihre Unzufriedenheit sich negativ auf ihre Arbeitsbeziehungen, ihre Familie und ihre Gesundheit auswirkten. Sie musste sogar feststellen, dass sie hier und da angefangen hatte, bei Kleinigkeiten gegen ihr Gewissen zu handeln. Was sie aber nicht bemerkte, war: Je unglücklicher sie wurde, desto mehr schwand auch ihre Leistungsfähigkeit im Job.

Sharon ist kein Einzelfall. Seit Jahren lesen wir davon, dass bei Umfragen die Werte über das Engagement von Mitarbeitern im Keller sind. Zahlreiche Studien belegen, dass beinahe zwei Drittel der US-Angestellten sich an ihrem Arbeitsplatz langweilen, den inneren Rückzug angetreten haben oder erschöpft sind - und dass sie dazu bereit sind, Pläne, Projekte und ihre Mitmenschen zu sabotieren. Das ist schwer zu verstehen. Warum nehmen so viele von uns unbefriedigende Arbeit, großen Stress, drohenden Burn-out und chronische Unzufriedenheit in Kauf? Warum kämpfen wir nicht dagegen an?

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Mehrere Faktoren tragen zu dem Missstand bei. Der US-Verband American Psychological Association berichtete Anfang 2017, dass sich die Amerikaner gestresster fühlten als je zuvor. Ursachen seien die Politik, der schnelle Wandel der Lebensumstände und die Unsicherheit in der Welt. Aber es sind nicht immer nur äußere Gründe, die unserem persönlichen Glück im Wege stehen. Manchmal sind wir es auch selbst. In meiner über 30-jährigen Tätigkeit als Beraterin von Führungskräften in Konzernen, der Regierung und bei NGOs weltweit habe ich herausgefunden, dass viele von uns in typische Glücksfallen geraten – destruktive Einstellungen und Arbeitsweisen, durch die wir festgefahren, unglücklich und langfristig weniger erfolgreich sind. Drei weit verbreitete Glücksfallen – Ehrgeiz, das Erfüllen von Erwartungen und Überarbeitung – scheinen, oberflächlich gesehen, produktiv zu sein, richten jedoch im Übermaß großen Schaden an.

Die Ehrgeizfalle

Durch den Antrieb, Ziele zu erreichen und die eigene Karriere voranzutreiben, holen wir das Beste aus uns heraus. Doch wenn dies mit übertriebenem Konkurrenzdenken und verbissenem Gewinnstreben gepaart ist, geraten wir in Schwierigkeiten. Wir sehen nicht mehr, welchen Einfluss unser Handeln auf uns selbst und andere hat, Beziehungen gehen in die Brüche, und die Zusammenarbeit mit den Kollegen leidet. Wir jagen unseren Zielen nur noch um ihrer selbst willen hinterher. Die Arbeit verliert darüber ihren Sinn.

Genau das hat Sharon erlebt. Während ihres ganzen bisherigen Lebens hatten ihre Eltern, ihre Lehrer und ihre Trainer sie dazu angehalten, sich anzustrengen, und so erreichte sie eine Menge. Sie bekam gute Noten, belegte Spitzenplätze im Sport und erhielt akademische Auszeichnungen. Zu Beginn ihres Berufslebens beeindruckte sie mit ihrem Ehrgeiz ihre Vorgesetzten: Sie lieferte zuverlässig, immer im Zeitplan und in guter Qualität.

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