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Editorial Bauen Sie eine Lösung oder ein Denkmal?

aus Harvard Business manager 2/2022
Antonia Götsch, Chefredakteurin

Antonia Götsch, Chefredakteurin

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Alexander Hagmann

Die U-Bahn-Stationen dieser Welt bieten weit mehr als dunkle Tunnel und Mäuse, die über Gleise flitzen. Sie erzählen uns etwas über Psychologie und die verschlungenen Pfade eines Projekts. Mächtige Männer setzten sich hier Denkmäler, scheuten keine Kosten, denken Sie nur an Josef Stalins unterirdische Paläste in Moskau – ich war jedenfalls ziemlich beeindruckt von all dem Marmor und den Kronleuchtern. Andere Strecken werden ewig geplant und gebaut – und immer wieder geändert, weil währenddessen ganz neue Stadtviertel entstehen. Die Welt steht eben nicht jahrzehntelang still und wartet auf eine Baustelle.

Das Problem bei vielen Projekten: Die Beteiligten wollen alles neu erfinden, etwas nie Dagewesenes kreieren. Staudämme, Flughäfen oder U-Bahnenzielen oft auf ein einzigartiges, individuelles Ergebnis ab. Ehrlich gesagt, auch bei kleineren Projekten sind wir wohl nicht frei davon, uns verewigen zu wollen, mit einer Büroausstattung, die so kein anderer hat, einer völlig neuen IT-Infrastruktur oder einer einmaligen Produktionsstraße. Ein Projekt quasi aus dem Nichts zu denken kostet jedoch enorm viel Zeit, Geld und Nerven. Das schicke neue Großraumbüro wirkt schon wieder gestrig, wenn es endlich eröffnet, die IT alt. Zudem entstehen so Fehler, die keiner kommen sieht.

Kluges Projektmanagement braucht Demut. Das habe ich aus unserem Schwerpunkt mitgenommen. Zum einen sollte das Design modular und damit reproduzierbar sein, schreibt Oxford-Professor Bent Flyvbjerg . Zum anderen müssen Projekte schnell vorankommen und sich so immer wieder an aktuelle Anforderungen anpassen. Kein Denkmal, sondern Fokus auf Kunden und Lösungen. Genau so wurde übrigens die U-Bahn von Madrid gebaut – binnen acht Jahren. Diese Metro ist ein Arbeitstier ohne extravagante Technologien und Kronleuchter. Das Wichtigste: Der Betrieb läuft.

Ausgabe Februar 2022

Das wird schon

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Dieser Artikel erschien in der Februar-Ausgabe 2022 des Harvard Business managers.

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