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Diversity Geschlechtersache

Es ist vielfach nachgewiesen: Menschen, die sich im Unternehmen wohlfühlen, sind loyaler und engagierter als jene, die es nicht tun. Trotzdem herrscht in den meisten Unternehmen Ratlosigkeit, wenn es darum geht, Transgender-Teammitgliedern ein Umfeld zu bieten, in dem sie sich wertgeschätzt fühlen und sich darauf konzentrieren können, einen guten Job zu machen.

aus Harvard Business manager 2/2021

ILLUSTRATION: KIRSTEN ULVE

Für die meisten von uns ist es schon anstrengend genug, ihr tägliches Arbeitspensum zu erfüllen. Können Sie sich vorstellen, wie schwer es ist, dazu auch noch die eigene Geschlechtszugehörigkeit zu verbergen, weil sie nicht den gesellschaftlichen Normen entspricht?

Und wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie den Menschen, mit denen Sie zusammenarbeiten, Ihr wahres Ich enthüllten und diese Menschen Sie fortan zurückweisen, ausgrenzen oder ignorieren würden? (Vielleicht müssen Sie sich all dies gar nicht vorstellen.)

Mit Themen wie diesen sind transgeschlechtliche Menschen häufig konfrontiert. Stigmatisierung, Diskriminierung und Anfeindungen gehören für viele zum Alltag. Gerade im beruflichen Umfeld wird ihnen meist abverlangt, ihre Identität den traditionellen Erwartungen anzupassen. Anforderungen wie diese können verheerende Auswirkungen auf das seelische Wohlbefinden haben. Zudem gehen sie fast immer zulasten der Arbeitszufriedenheit und verringern die Bereitschaft, länger in einem solchen Umfeld tätig zu sein.

In den vergangenen Jahren ist zwar das Bewusstsein für die Schwierigkeiten, denen transidente Menschen ausgesetzt sind, fast überall auf der Welt gewachsen. Dennoch sind viele Arbeitgeber nicht ausreichend darauf vorbereitet, für eine Unternehmenskultur zu sorgen, die Transgender-Teammitglieder unterstützt. Teil des Problems ist mangelndes Wissen. De facto konzentrieren sich selbst Unternehmen, die ausdrücklich um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der LGBTQ+-Community werben, gewöhnlich mehr auf LGB als auf TQ. (Alle Kürzel werden im Glossar erläutert.)

Kompakt

Das Problem
Transidente Menschen sind häufig Stigmatisierung und Diskriminierung ausgesetzt. Gerade am Arbeitsplatz wird oft von ihnen erwartet, dass sie sich an traditionelle Geschlechtervorstellungen anpassen. Das setzt sie unter Druck und senkt ihre Arbeitszufriedenheit.

Stand der Dinge
Nach wie vor sind viele Arbeitgeber nicht ausreichend darauf vorbereitet, Regelungen und eine Arbeitsplatzkultur zu schaffen, die Transmitarbeiterinnen und -mitarbeiter angemessen unterstützt.

Was Hilft
Vier Ansätze haben sich in der Praxis bewährt: Richtlinien, die etwa die Anrede regeln, auf Wunsch Unterstützung bei Geschlechtsangleichungen, spezifische Diversity-Trainings sowie Maßnahmen, die die Resilienz stärken.

Warum dieses Thema unbedingt angesprochen werden muss? Weil es höchste Zeit dafür ist. Niemand, der hart arbeitet und zum Erfolg eines Unternehmens beiträgt, sollte sich stigmatisiert fühlen und Angst haben, zur Arbeit zu gehen. Das ist jedoch nicht der einzige Grund, sich dem Thema endlich zu widmen. Unternehmen, die keine transgenderspezifischen Leitlinien haben, müssen damit rechnen, teuer dafür zu bezahlen: in Form von erhöhter Mitarbeiterfluktuation, verminderter Einsatzfreude, niedrigerer Produktivität und potenziellen Rechtsstreitigkeiten. Zudem beschädigt diskriminierendes Verhalten das Image oft sehr nachhaltig.

Zum Glück gibt es inzwischen immer mehr Untersuchungen, die zeigen, wie Arbeitgeber Transgender-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter anwerben, binden und deren Wohlbefinden und Erfolg fördern können. Keiner aus unserem Autorenteam gehört zur Trans-Community. Im Rahmen unserer wissenschaftlichen Arbeiten, in denen wir uns als Organisationspsychologen mit Genderfragen beschäftigen, haben wir jedoch eine Menge gelernt.

Für unsere Studien haben wir in den vergangenen sieben Jahren über 1000 transidente Beschäftigte aus verschiedenen Branchen und Berufssparten in ganz Nordamerika interviewt. In diesem Artikel möchten wir deren Meinungen und Erfahrungen mit Ihnen teilen. Darüber hinaus wollen wir auch unsere eigenen Erkenntnisse beschreiben.

Die Wurzeln von Stigmatisierung

Warum werden transgeschlechtliche Menschen so oft stigmatisiert und diskriminiert? Die Antwort auf diese Frage liegt in der Art und Weise, wie Menschen sozialisiert sind und gelernt haben, mit Genderfragen umzugehen. Zahlreiche wissenschaftliche Studien im Bereich Sozial- und Entwicklungspsychologie deuten darauf hin, dass geschlechtsspezifisches Verhalten erlernt ist: Von frühester Kindheit an werden Jungen und Mädchen ermuntert, sich stereotype Verhaltensweisen anzueignen. Wenn sie sich anders verhalten als erwartet, werden sie häufig auf die eine oder andere Weise dafür bestraft.

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