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Vordenker-Serie: Stephen R. Covey Die Kunst, wirklich zuzuhören

Stephen R. Covey füllte mit seinen Vorträgen riesige Hallen. Er galt als einer der großen Managementgurus - auch weil er mit leicht zugänglichen Thesen sein Publikum beeindruckte. Er predigte Effektivität als Motor für das Wachstum von Individuen und Unternehmen. Und er forderte Manager auf, sich bewusst dafür zu entscheiden, Führungskraft zu sein. Denn nur wer gern führt, kann ein guter Chef sein.
aus Harvard Business manager 2/2011
Foto: Luis Tejido / picture alliance / dpa

Werk und Wirkung

Stephen R. Covey liebte die bildhafte Sprache. Zu manchen seiner Vorträge brachte er Gegenstände mit, um seine Worte zu unterstreichen. Der Redestab, den ihm Indianer in Nordamerika gegeben hatten, ist ein solches Utensil. Wer das Wort ergreifen möchte, sollte den mit Schnitzereien verzierten Holzstock in der Hand halten. Wer ihn nicht hat, der hört zu, so die Idee dahinter.

"Er regelt die Kommunikation auf die wirkungsvollste Weise, die ich je kennengelernt habe", sagte der Berater. Weil er die Menschen zwinge, mit Empathie zuzuhören und den anderen genau zu verstehen. So wird destruktive Energie - die es häufig beim Kampf um die längste Redezeit oder bei Unterbrechungen im Gespräch gebe -, umgewandelt in positive Stimmung und Kreativität, da jeder ausreden dürfe und sich verstanden fühle.

Profil

Leidenschaftlicher Lehrer
"Covey's Little America", ein Hotel, das sein Großvater gegründet hatte und das sich gut entwickelte, wollte Covey nicht übernehmen. Er setzte seinen Willen durch - und wurde Dozent. Nach seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre, einem MBA in Harvard und mehreren Jahren als Missionar in England unterrichtete er lange an der Brigham Young University in Provo (Utah), wo er auch promovierte. Thema seiner Arbeit: amerikanische Literatur über Erfolg seit 1776.

Familienorientierter Berater

1984 gründete er das Covey Leadership Center. Seine Thesen schrieb er in zahlreichen Werken nieder. Er arbeitete noch lange als Redner und Trainer. Zusammen mit seiner Frau Sandra hat Covey 9 Kinder und 51 Enkel. Etliche Mitglieder der Familie arbeiten für Franklin Covey. Stephen R. Covey verstarb im Juli 2012 in Idaho, USA.

Lebensnahe Thesen

Covey war einer der einflussreichsten Managementvordenker unserer Zeit. Er hat als Berater ein erfolgreiches Unternehmen gegründet. Bekannt geworden ist er als Buchautor und Redner. Führung, Führungsstil und Führungsverhalten sind seine wichtigsten Themen. Auch vor großem Publikum sprach der kahlköpfige Harvard-Absolvent mit der charismatisch kratzigen Stimme ohne Skript.

Immer wieder ging es um Kommunikation und Achtung, Effektivität und Vertrauen. Nicht selten verdeutlichte er seine leicht zugänglichen Themen mit Beispielen aus Alltag und Familienleben. Bei seinen Ausführungen schwangen stets Themen wie Leidenschaft, Hingabe und Spiritualität mit. Kritiker bringen seine Werke - Covey stammt aus einer Mormonen-Familie - daher mit seiner Religion in Verbindung. Dagegen wehrt er sich: "Ich sage nichts, das sich auf meine Kirche beschränkt."

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Das amerikanische "Time"-Magazin zählte Covey 1996 zu den 25 einflussreichsten Menschen in Amerika. Mehr als 20 Millionen Bücher hat der Berater verkauft, sie wurden in 38 Sprachen übersetzt. Kernthema seiner Werke war: "Effektiv arbeiten und leben". Hierauf basierte auch die Arbeit des Franklin-Covey-Instituts, das 1997 aus dem Zusammenschluss seiner Beratung mit Franklin Quest, einem Zeitmanagementanbieter, hervorging.

Coveys Thesen sind so simpel wie effektiv: "Eine Strategie muss von allen Menschen getragen werden, damit sie zum Ziel führt", ist eine zentrale Aussage. Firmen wie Deloitte & Touche, Ford  oder Merck  gehörten zu seinen Kunden, aber auch Behörden und Firmengründer.

Religiöser Hintergrund

Covey stammte aus einfachen Verhältnissen, er wuchs auf einer Hühnerfarm nahe Salt Lake City auf. Nach seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre arbeitete er als Missionar in England. Dort fand er Gefallen am Referieren und Unterrichten, als er die Vorsteher neuer Mormonen-Gemeinden einwies. Sehr zum Kummer seines Vaters, der vom Lehrerberuf nicht viel hielt. Dessen Kommentar: "Wenn du etwas erreichen willst, mach es. Falls du es nicht schaffst, unterrichte es."

Covey lehrte BWL an der Brigham Young University im US-Bundesstaat Utah, einer kirchlich unterstützten Hochschule. Dort promovierte er in Religionserziehung. Mitte der 80er Jahre gründete er seine eigene Beratung. Sein Durchbruch gelang ihm kurz darauf mit seinem Werk "Sieben Wege zur Effektivität". Zahlreiche Bücher folgten.

Covey galt als einer der wenigen Managementgurus, die gegen stattliche Honorare ganze Säle füllen, Woche für Woche. Dennoch war er bescheiden geblieben.

Stärken und Schwächen

Simple Thesen

Coveys Thesen sind simpel und leicht nachzuvollziehen. Sie in die Tat umzusetzen, stellt eine Herausforderung dar. Der Berater wählte Foren, in denen er seine Erkenntnisse möglichst vielen einflussreichen Menschen bekannt machen konnte. Zudem war Covey ein eifriger Autor, im Frühjahr 2010 erschien eines seiner letzten Werke "Führen unter neuen Bedingungen".

Religiöse Erfahrungen

Teilnehmer seiner Seminare sprechen von nahezu "religiösen Erfahrungen", Kritiker rücken seine Werke in die Nähe der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Besonders sein Bestseller "Sieben Wege zur Effektivität" sei ein weltliches Abbild des Mormonen-Dogmas, heißt es.

Vordenker der Ökonomie, Management-Theorie und Psychologie

Clayton Christensen und seine disruptive Innovation, die "Five Forces" von Michael Porter und die Management-Tipps von Linda Hill – die Ideen und Konzepte zahlreicher Vordenkerinnen und Vordenker haben die Management-Theorien geprägt. Lesen Sie hier die wichtigsten Ideen und Beiträge von Vordenkern wie Joseph Schumpeter, John P. Kotter, Peter Drucker und Herminia Ibarra.

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Covey wehrte sich und schreibt im Buch: "Es gibt keinen Inhalt, der sich auf einen speziellen Glauben oder eine Religion bezieht. Die genannten Prinzipien sind Teil aller großen Religionen, sozialen Lebensanschauungen und ethnischen Systeme."

Das Magazin "Fortune" springt ihm zur Seite: Die Verbindung zwischen Geschäft und Tugendhaftigkeit lasse sich in vielen Quellen finden, etwa beim Philosophen Ralph Waldo Emerson, dem Soziologen Max Weber oder gar in der Bibel.

Ziele und Visionen

Die Vision des Leadership-Vordenkers war, dass Menschen durch bestmögliche Kommunikation und ein profundes Verständnis füreinander zu besseren Ergebnissen gelangen, für sich selbst und für ihre Unternehmen. Seine Ansätze sind in allen Bereichen anzuwenden, egal ob im Großkonzern, im Kreativbüro oder in der Behörde.

Auch für Familien gelten sie; mit seiner Frau und seinen neun Kindern formulierte er in jüngeren Jahren eine Familienmission, die stets im Wohnzimmer an der Wand hing. Eine solche Mission benötigt ein Unternehmen allemal. Daran hapere es aber in vielen Fällen, sagte Covey.

Um erfolgreich arbeiten zu können, müssen viele - fast banale - Dinge gegeben sein: Menschen müssen wissen, auf welches Ziel sie hinarbeiten. Sie müssen sich persönlich weiterentwickeln können, um einen Beitrag für ein Unternehmen leisten zu können. Sie müssen einander zuhören, um den Punkt des anderen zu verstehen.

Führungskräfte sollten all diese Punkte berücksichtigen, predigt Covey. Zuallererst sollten aber nur solche Menschen Mitarbeiter führen, die auch Lust dazu haben; und nicht nur aus Karrierewillen diese Aufgabe übernehmen.

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