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Diversity Die größten Irrtümer über Männer und Frauen

Auf dem Weg an die Spitze gehen in vielen Unternehmen die weiblichen Manager verloren. Oft heißt es dann, Unterschiede zwischen den Geschlechtern seien schuld. Doch die Forschung zeigt: Diese Annahmen sind falsch. Entscheidend für den Erfolg im Beruf sind vielmehr die Strukturen und Gepflogenheiten in den Organisationen.
aus Harvard Business manager 10/2018
Foto: oatawa / iStockphoto / Getty Images

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Wie Frauen am Arbeitsplatz behandelt werden, ist in jüngster Zeit zunehmend zum Gesprächsthema geworden. Führungskräfte – Frauen wie Männer – erklären immer vernehmlicher, wie wichtig ihnen die Gleichbehandlung der Geschlechter ist. Das alles ist gut und richtig, doch die Sache hat einen entscheidenden Haken.

Die Debatten – und viele der Initiativen, die Unternehmen zu diesem Thema gestartet haben – spiegeln allzu oft eine irrige Überzeugung wider: dass Frauen und Männer grundlegend verschieden seien, durch ihre Gene, durch ihre Erziehung oder durch beides. Natürlich gibt es biologische Unterschiede, doch darum geht es dabei meistens nicht. Vielmehr ist häufig davon die Rede, dass Frauen sich in ihrer Anlage, ihren Einstellungen und ihren Verhaltensweisen von Männern unterscheiden (denken Sie nur an Schlagzeilen wie "Warum Frauen im Büro immer X sind" oder "Frauen, die arbeiten, sind nicht Y").

Häufig dienen ganz bestimmte Annahmen, worin Frauen sich angeblich von Männern unterscheiden, als Erklärung dafür, warum sie in beruflicher Hinsicht nicht mit den Männern gleichziehen: Frauen verhandeln demnach schlecht, es mangelt ihnen an Selbstvertrauen, sie sind zu risikoscheu, oder sie investieren nicht die nötige Zeit in ihre Arbeit, weil ihnen die Familie wichtiger ist als ihre Karriere.

Kompakt

Das Problem

Oft wird angenommen, dass Männer und Frauen in vielerlei Hinsicht verschieden sind - nicht nur was die Biologie betrifft. Diese Unterschiede werden immer wieder angeführt, um zu erklären, warum Frauen beruflich nicht so weit kommen wie Männer. Zahl - reiche Metaanalysen von Studien zeigen jedoch, dass Männer und Frauen sich im Hinblick auf wichtige Eigenschaften wie Selbstvertrauen, Risikobereitschaft und Verhandlungsgeschick entgegen landläufigen Annahmen sehr ähnlich sind.

Die Lösung

Allzu oft versuchen Manager, Frauen "zu reparieren" oder Rücksicht auf die ihnen unterstellten Eigenschaften zu nehmen – und das funktioniert nicht. Stattdessen müssen Unternehmen bei Organisationsstrukturen ansetzen, die dazu führen, dass Frauen seltener gehalten oder befördert werden.

Zugleich gelten andere Eigenschaften, die Frauen zugeschrieben werden – dass sie fürsorglicher, kooperativer oder engagierter seien –, in Unternehmen als Begründung dafür, warum man in den Erfolg von Frauen investiert. Aber ganz gleich ob sie nun als Hindernis oder als Vorteil dargestellt werden – all diese Annahmen bremsen Frauen aus. Wir werden keine gleichen Voraussetzungen schaffen können, solange diese Voraussetzungen von unseren Vorstellungen darüber ausgehen, wie sich die Geschlechter voneinander unterscheiden.

Der Grund dafür ist einfach: Die Wissenschaft findet im Großen und Ganzen keinerlei Anhaltspunkte für diese Behauptungen. Sowohl unter Frauen als auch unter Männern gibt es viele unterschiedliche Typen, und Metaanalysen zeigen, dass sich die Geschlechter in ihren Vorlieben, Einstellungen und Fähigkeiten im Durchschnitt weitaus ähnlicher sind, als die gängige Meinung uns glauben machen will. Wir finden an vielen Stellen Unterschiede zwischen den Geschlechtern, unter anderem auch am Arbeitsplatz, doch diese Unterschiede sind keineswegs in festen geschlechtsbedingten Eigenschaften begründet. Vielmehr entstehen sie durch organisatorische Strukturen, durch Gepflogenheiten innerhalb eines Unternehmens und durch Interaktionsmuster, die Männer und Frauen in unterschiedliche Positionen versetzen, mit der Folge, dass ihre Erlebnisse und Erfahrungen am Arbeitsplatz sich systematisch unterscheiden. Sind die Umstände unterschiedlich, reagieren Menschen auch unterschiedlich – nicht aufgrund ihres Geschlechts, sondern aufgrund der Situation, in der sie sich befinden.

Geschlechtsbedingte Unterschiede zu betonen birgt die Gefahr, dass diese Unterschiede als naturgegeben erscheinen. Wenn Anekdoten, die Stereotype bedienen, wieder und wieder erzählt werden, ohne dass man fragt, warum und wann stereotype Verhaltensweisen auftreten, erscheinen Unterschiede zwischen den Geschlechtern übertrieben groß und geradezu dominierend. Gut gemeinte, aber meist wenig wirksame Interventionen konzentrieren sich darauf, Frauen "zu reparieren" oder ihnen entgegenzukommen, anstatt zunächst die Umstände zu verändern, durch die unterschiedliche Verhaltensweisen überhaupt erst entstanden sind.

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