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Wirtschaftsgeschichte Das Jahrhundert des Managements

Die moderne Wirtschaft wäre ohne die Entwicklung fundierter Managementmethoden nicht denkbar. Dass Führungskräfte überall auf der Welt Unternehmen nach allgemein anerkannten Prinzipien leiten, ist einer Reihe von revolutionären Denkern zu verdanken.
aus Harvard Business manager 1/2013

Illustration: Patrick Mariathasan für Harvard Business Manager

Wenn Sie die Frage beantworten müssten, wann und wo die ersten Anzeichen für das Jahrhundert des Managements zu erkennen waren, gäbe es schlechtere Antworten als "in Chicago, im Mai 1886". Dort sprach Henry R. Towne, Mitgründer der Yale Lock Manufacturing Company, vor der damals kurz zuvor gegründeten American Society of Mechanical Engineers. Der Titel seiner Rede: "Der Ingenieur als Ökonom". Es gebe gute Ingenieure und es gebe gute Geschäftsleute, argumentierte Towne, aber selten komme beides in einer Person zusammen. "Die Steuerung von Arbeit ist eine Angelegenheit von so großer und weitreichender Bedeutung geworden, dass es möglicherweise gerechtfertigt ist, sie als eine moderne Wissenschaft anzusehen", sagte er.

Die Rede läutete in mindestens dreierlei Hinsicht eine neue Realität ein. Zunächst schuf Towne ein verändertes Bewusstsein: Er beschrieb Management als eine Ansammlung von Methoden, die analysiert und verbessert werden könnten.

Dann verortete er diese in der Ökonomie, was für seine Zuhörer bedeutete, die zur Verfügung stehenden Ressourcen mit maximaler Effizienz einzusetzen. Das Publikum bestand aus Ingenieuren - und in den Jahrzehnten darauf sollten einige dieser Meister der Technik, darunter Frederick Winslow Taylor, Michael Porter, Tom Peters und Michael Hammer, die Geschichte des Managements maßgeblich beeinflussen.

Towne hatte den richtigen Zeitpunkt erwischt. Im folgenden Jahrhundert bildete sich die Disziplin des Managements heraus, wie wir sie heute kennen. Sie hat es geschafft, die Arbeitswelt deutlich zu verändern. Die Zeit von 1880 bis heute lässt sich in drei Phasen einteilen. Die erste Periode dauerte bis zum Zweiten Weltkrieg. In ihr entstand eine selbst ernannte, ambitionierte Managementelite, die nach wissenschaftlicher Genauigkeit strebte.

Die zweite Phase, von den späten 40ern bis 1980, war für das Management eine Wohlfühlzeit: Das eigene Selbstbewusstsein und die Unterstützung der Öffentlichkeit erreichten ihren Höhepunkt. Die dritte Phase hält bis heute an und ist von Rückzug geprägt - hin zu Spezialisierung, zu mehr Demut gegenüber den Marktkräften, aber auch zu niedrigeren moralischen Ansprüchen. Zugleich aber ist es eine Zeit des globalen Triumphs. Das lässt sich nicht nur an der steigenden Produktivität messen, sondern auch daran, dass MBA-Abschlüsse weltweit auf dem Vormarsch sind und dass die Erwartungen an den Umgang mit Arbeitskräften gestiegen sind. Über viele grundlegende Konzepte herrscht nun Einigkeit.

Kompakt

Wissenschaft
In den Anfangsjahren des vergangenen Jahrhunderts wandten Forscher erstmals wissenschaftliche Methoden an, um bessere Praktiken der Unternehmensführung zu finden. Sie beobachteten, unter welchen Bedingungen Arbeiter mehr leisteten. Die Erkenntnisse halfen Managern, die Produktivität ihrer Firmen zu steigern. Nach dem Zweiten Weltkrieg verbreitete sich dann der Humanismus – Führungskräfte betrachteten ihre Unternehmen zunehmend als soziale Institutionen.

Strategie
Erst seit den 60er Jahren entwickeln Firmen explizit Strategien – eine Vorgehensweise, die zuvor vor allem aus der Kriegsführung bekannt war. Seitdem sind die Herausforderungen in der Geschäftswelt enorm gestiegen: Der intensive Welthandel und der Aufstieg neuer Konkurrenz aus den Schwellenländern haben den Wettbewerbsdruck ebenso erhöht wie der technologische Wandel. Viele Vordenker versuchen derzeit, den veränderten Umständen Rechnung zu tragen. Noch fehlt allerdings ein Konsens darüber, was gutes Management ausmacht.

In den Anfangsjahren des Managements fanden die Ideen der Amerikaner und einiger weniger anderer Angelsachsen die weiteste Verbreitung. Doch es gab Ausnahmen: 1908 veröffentlichte Henri Fayol, ein Ingenieur, der eines der größten Minenunternehmen Frankreichs geleitet hatte, eine Liste von Managementprinzipien. Darin enthalten waren eine hierarchische Befehlskette, eine Trennung nach Funktionen und die Betonung von Planung und Budgetierung. Trotzdem dauerte es Jahrzehnte, bis Fayols 1916 erschienenes Hauptwerk "Administration Industrielle et Générale" übersetzt wurde und Einfluss über Frankreichs Grenzen hinaus bekam. Für die Zukunft verspricht die Globalisierung eine bessere geografische Verteilung der Beiträge zum Managementdenken. Die bisherige Geschichte spielte sich weitgehend in den USA ab (siehe Kasten "So retten wir uns vor dem globalen Provinzialismus") .

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In den letzten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts veränderten sich die USA dramatisch: Aus einer lose zusammenhängenden Welt aus Dörfern, Bauernhöfen und kleinen Geschäften wurde ein durch Bahnlinien verbundenes industrialisiertes Netz aus Städten, Fabriken und Großunternehmen. Eine aufstrebende Mittelschicht professionalisierte sich - es entstanden die Vorläufer der American Medical Association und der American Bar Association - und nahm den Kampf auf gegen korrupte Politiker und Finanzkapitalisten, die in bester Räuberbaronmanier ganze Wirtschaftszweige wie die Öl- oder Stahlbranche unter sich aufgeteilt hatten.

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