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Fünf Minuten mit Brian Wilson, Beach Boys "In einer Band zu sein ist wie eine Beziehung zu haben"

Als Mitglied der Beach Boys wurde Brian Wilson bekannt, später trat er auch als Solokünstler auf. Ein Gespräch über Drogen, Lampenfieber und ob es eine gute Idee ist, mit seinen Brüdern eine Band zu gründen.
Das Interview führte Alison Beard
aus Harvard Business manager 5/2017
Brian Wilson

Brian Wilson

Foto:

Brian Bowen Smith

Harvard Business manager: Ihre Lieder waren wegweisend. Wie sind Sie auf Ihre Ideen gekommen?

Brian Wilson: Meine Inspiration kam aus vielen Quellen: von Künstlern aus dem Radio wie Chuck Berry, Rosemary Clooney oder den Four Freshmen. Auch Produzenten wie Phil Spector beeinflussten meine Kreativität. Genauso wie die Beatles – es gab keine Rivalität unter uns, wir haben uns gegenseitig bewundert. Mein Ziel war musikalisch zu wachsen, also habe ich experimentiert. Ich war nicht der Typ, dem es reicht, einfach nur rumzusitzen, am allerwenigsten im Studio. Und mir fielen ständig neue Sachen ein, zum Beispiel dass man Stimmen als Instrumente nutzen könnte und umgekehrt. Ich habe Geräusche kombiniert, um neue Klänge zu schaffen. Einiges hat nicht geklappt, weil es zu dieser Zeit einfach noch zu schwierig war. Aber meistens entstand etwas Gutes. Und dann habe ich mir gleich wieder das Nächste ausgedacht.

Wie hat dieser Schwung Ihr Verhältnis zu den Bandmitgliedern beeinflusst?

Sie haben an mich geglaubt und an das, was ich schaffen wollte. Da sie sich mit Musikproduktion nicht wirklich auskannten, habe ich mich darum gekümmert. Ich war ein echter Perfektionist. Aber wir haben es immer geschafft, mit einer Prise Humor die Situation zu entschärfen.

Wie schafft es eine Gruppe, gut zusammenzuarbeiten?

In einer Band zu sein ist wie eine Beziehung zu haben – und Beziehungen verändern sich mit der Zeit. Einige Leute führen, und jeder trägt auf seine Weise zum Gelingen bei. Die Beach Boys waren eine Familie – drei Brüder, ein Cousin, ein Freund –, und das schweißte uns zusammen. Aber ich glaube, unser Schlüssel zum Erfolg war der gegenseitige Respekt. Und die vielen Proben. Und dass wir immer alle mitgemacht haben. Jeder von uns hat seinen eigenen Part gesungen.

Bei Ihnen wurde eine Randpsychose diagnostiziert, eine Mischung aus bipolarer Störung und Schizophrenie. Wie haben Sie es geschafft, trotzdem so erfolgreich zu sein?

Ich bin im Laufe meines Lebens mit meinen psychischen Problemen unterschiedlich umgegangen. Drogen haben geholfen, aber der Konsum war auch riskant, also hörte ich damit auf. Ich begab mich in psychiatrische Behandlung bei Dr. Landy, der mich so mit Psychopharmaka vollpumpte, dass ich mich absolut ferngesteuert und antriebslos fühlte (dem Psychologen wurde wegen fahrlässiger Behandlung von Wilson später die Lizenz entzogen – Anm. d. Red.). Zum Glück half mir meine spätere Frau Melinda, diese Therapie zu beenden. Als ich mich von Dr. Landy befreit hatte, habe ich bei meinen Freunden Hilfe gefunden. Ich bin gern unter kreativen Menschen, habe viel nachgedacht und Klavier gespielt.

Wie haben Sie Ihr Lampenfieber in den Griff bekommen?

Schritt für Schritt, ein Konzert nach dem anderen. Es geht einige Stunden vor einem Auftritt los. Ich setze mich dann in einen großen, gemütlichen Sessel am Rand der Bühne und meditiere oder gehe in Gedanken die Show noch einmal durch. Doch sobald ich die Bühne betrete und die erste Note höre, sind alle Ängste weg. Immer.

Was halten Sie für Ihre größte Leistung?

Das Album "Pet Sounds" von 1966, weil es so zeitlos ist. Auch 50 Jahre später spiele ich es auf Konzerten weltweit, sehe, wie das Publikum mitgeht. Es hat Liebe in die Welt gebracht, und das schafft es immer noch – das war mein Wunsch, als ich die Stücke schrieb. Und ich liebe "Good Vibrations": Das ist und bleibt meine beste Single.

Dieser Artikel erschien in der Mai-Ausgabe 2017 des Harvard Business managers.

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