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Aus evolutionsbiologischer Sicht lohnt sich Feigheit in der Regel mehr als Mut.
aus Harvard Business manager 8/2008

Mut ist seit der Antike eine der vier Kardinaltugenden. Immer wieder wird von Politikern, Managern und Bürgern mehr Mut gefordert. Franz Wuketits sieht das ganz anders. Der Wiener Wissenschaftstheoretiker (mit dem Schwerpunkt Biowissenschaften) hat ein Lob der Feigheit veröffentlicht. Sein Motto: Wir haben zu viele tote Helden, aber zu wenige lebende Feiglinge! Er begründet, warum es aus evolutionsbiologischer Sicht wenig sinnvoll ist, mutig zu sein. Für den Erhalt einer Art sei es besser, ängstlich vor Gefahren zu fliehen - was selbst Raubtiere wie Haie und Löwen tun.

Wuketits plädiert auch beim Menschen für diese arterhaltende Vorsicht. So wünscht er sich mehr Soldaten, die feige sind, statt oft tödlichen Heldenmut zu zeigen. Mut verlangten nur ideologische Politiker, um ihre Ziele zu erreichen, oder lebensfeindliche Prinzipienethiker. Wuketits setzt dagegen auf moralische Individualisten, die leben wollen und andere leben lassen. Auf Alltagscourage verzichten will auch er nicht: Werde anderen Leid zugefügt, solle ein moralischer Individualist einschreiten - aber nur vorsichtig und besonnen.

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