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Interne Diskussion disziplinieren

Wissenschaft: Auf die Prozesse kommt es an (HBm 10/2004)
aus Harvard Business manager 12/2004

Ein wirklicher Leckerbissen ist die Jubiläumsausgabe. Das Titelthema war klug gewählt. Die Frage nach der "richtigen" Strategie sollten wir uns stets stellen, wenn wir unser Unternehmen weiterentwickeln wollen. Aber Müller-Stewens stellt in seinem Beitrag fest, dass der Zusammenhang zwischen Methodeneinsatz und Erfolg von Unternehmen schwierig zu messen ist.

In der Tat überrollt uns eine Flut von Publikationen, in denen unzählige Ansätze zur Neu- oder Umorganisation von Unternehmen diskutiert werden. Der interessierte oder gar unter Druck seiner Stakeholder stehende Manager steht angesichts der vielen Konzepte vor der Frage, welcher Methode er den Vorzug geben soll.

Die Wissenschaft steht vielen Konzepten, die uns heute präsentiert werden, ohnehin skeptisch gegenüber. So lautet ein Vorwurf, häufig handele es sich bei neuen Methoden um pauschalisierende Ansätze, die ihre Vorzüge lediglich mit Hinweisen auf andere Schlagworte wie Verschlankung, Konzentration auf die Kernkompetenzen, Marktdruck, Globalisierung et cetera begründen. Besonders bedenklich seien Darstellungen über Erfolgsbeispiele aus laufenden oder gerade erst abgeschlossenen Reorganisationen, die eine kritische Bewertung bereits aus zeitlichen Gründen verbieten. Insbesondere die praktische Literatur arbeite gern mit erfolgreichen Fallbeispielen. Die intersubjektive Nachvollziehbarkeit bleibe aber so häufig ausgeschlossen, und der Methodenerfinder kann sich somit einer kritischen Betrachtung entziehen.

Aber sollen wir erst warten, bis die Wissenschaft einen gesicherten Beweis für eine Methode hat? Nein, denn bis dahin hat uns der Wettbewerb längst aus dem Markt gekickt. Müller-Stewens fällt zu Recht auf, dass sich gerade die einfachen Methoden am Markt durchgesetzt haben, weil sie helfen, die interne Diskussion über die Strategie zu systematisieren und vor allem zu disziplinieren. Sie haben sich nicht deswegen durchgesetzt, weil die Wissenschaft ihnen eine empirische Erfolgsrelevanz bescheinigt, sondern weil sie dazu beitragen, ein häufig in der Praxis anzutreffendes "management by muddling through" beziehungsweise "management by personal interest" zu strukturieren.

Von der Agency-Theorie haben wir gelernt, dass die von Adam Smith geforderte Nutzenmaximierung nicht immer einhergeht mit dem Unternehmensinteresse und Manager auch gern an sich persönlich denken. Dieser Typus mag daher nicht die Struktur von Methoden, weil sich eigene Interessen nicht mehr hinter Managementfloskeln verbergen lassen. Mit der Konzeptvielfalt ist es mittlerweile nämlich einfach geworden, für jede noch so fragwürdige Entscheidung eine passende Aussage zu finden, mit der sich Handlungen rechtfertigen lassen.

Damit besteht ein entscheidendes Fundament für den Methodenerfolg in der Kompetenz des Topmanagements, eine Methode nicht nur konsistent einzuführen und sie nachzuhalten, sondern sich auch daran messen zu lassen. Es nützt wenig, wenn - wie häufig in der Praxis zu beobachten ist - die Garde unterhalb der Unternehmensführung ein neues Konzept einführen will. Wenn der Vorstand nicht will, dann steht jede Methode still.

Dirk Elsner, Bereichsleiter TxB Transaktionsbank, Frankfurt

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