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Robert Langer Der Edison der Medizin

Forschung ist riskant – Fehlschläge sind an der Tagesordnung. Die gute Nachricht: Die Erfolgsaussichten lassen sich erheblich verbessern. Wie das gelingt, zeigt Robert Langer am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Er ist Gründer und Leiter der wohl erfolgreichsten und produktivsten Wissenschaftseinrichtung der Welt – und liefert mit dem Langer Lab eine Blaupause für wegweisende Forschung.

aus Harvard Business manager 6/2017
Robert Langer

Robert Langer

Foto:

Boston Globe / Boston Globe via Getty Images

Eines Morgens im vergangenen Jahr war es so weit: Der Moment des Abschieds war gekommen. James Dahlman machte sich auf den Weg, um Robert "Bob" Langer in seinem Büro am MIT Koch Institute for Integrative Cancer Research zu treffen. Langer und sein Kollege Dan Anderson hatten Dahlmans Doktorarbeit betreut und warteten schon auf ihn. Dahlman, 29 Jahre alt, stand kurz davor, seine erste Stelle in der biomedizinischen Abteilung am Georgia Institute of Technology anzutreten. Doch zuvor brauchte er einen Rat.

"Mach etwas wirklich Großes", riet Langer ihm. "Etwas, das die Welt richtig verändern kann. Nichts, was nur auf inkrementellen Fortschritt abzielt."

Es ist ganz sicher diese Philosophie, die das Langer Lab zu einem der erfolgreichsten und innovativsten Forschungsinstitute der Welt gemacht hat.

Unabhängig davon, ob es sich nun um Forschungseinrichtungen an Hochschulen, in Firmen oder von staatlichen Institutionen handelt – im Grunde können sie alle von Langer lernen. Langer hat eine fünfstufige Methode entwickelt, die das Tempo wissenschaftlicher Entdeckungen steigert und ihre Tauglichkeit in der Praxis sicherstellt. Damit stehen für die allermeisten Entdeckungen Langers die Chancen gut, auch tatsächlich in Produkte umgesetzt zu werden. Seine Methode verbindet einen klaren Fokus auf wirklich bahnbrechende Ideen mit Ansätzen, die dazu beitragen, das sprichwörtliche Tal des Todes zwischen Forschung und kommerzieller Anwendung erfolgreich zu überwinden. Darüber hinaus befördert sie die Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Fachbereichen, und sie schafft es, limitierte Projektlaufzeiten, begrenzte finanzielle Ressourcen und eine hohe Fluktuation beim Forschungspersonal vorteilhaft miteinander zu kombinieren. Zudem hilft sie, einen Führungsstil zu etablieren, der die richtige Balance zwischen Freiheit und Unterstützung bietet.

Kompakt

Das Problem

Weil Forschung vor allem in der frühen Phase überaus riskant ist, verzichten viele Unternehmen darauf. Allerdings entgehen ihnen dadurch etliche Chancen.

Die Lösung

Unternehmen, die ihre Forschung an großen gesellschaftlichen Herausforderungen ausrichten, können dadurch nicht nur die Welt verbessern. Sie eröffnen sich auch vielversprechende Einnahmequellen.

Das Modell

Robert Langer vom MIT hat eine Formel entwickelt, die nicht nur schneller zu Neuentdeckungen führt, sondern auch dafür sorgt, dass sie in der Praxis erfolgreich umgesetzt werden können. Das Beste daran: Sie lässt sich auch von anderen Unternehmen, Hochschulen und Institutionen anwenden.

Allein in den USA werden jährlich 500 Milliarden US-Dollar in die Forschung gesteckt. "Viele der Projekte sind jedoch eher banal", sagt H. Kent Bowen, emeritierter Professor der Harvard Business School. Kent hat über viele Jahre sowohl akademische als auch unternehmenseigene Forschungsabteilungen untersucht. "Würden die Institute sich wie das Langer Lab auf Kollaboration ausrichten und auf echte Innovationen konzentrieren, würden wir in den USA endlich begreifen, welch ungeheures Potenzial für Wohlstand darin steckt", so Bowen.

Langers Leistungen sind tatsächlich in vielfacher Hinsicht bemerkenswert. Kein Ingenieur hat zuvor einen so hohen Wert auf dem H-Index erreicht. Dieser gibt an, wie viele Fachpublikationen ein Wissenschaftler veröffentlicht hat und wie oft sie zitiert wurden. Mit 230 Punkten ist Langer eindeutig spitze. Auch was die Zahl seiner Forschungsergebnisse anbelangt, liegt sein Lab vorn: Mehr als 1100 seiner Resultate sind bereits patentiert oder zum Patent angemeldet. Insgesamt haben sich 300 Firmen aus den Bereichen Pharmazie, Chemie, Biotechnologie und Medizintechnik das Wissen aus dem Lab via Lizenzen oder Unterlizenzen gesichert. Nicht zuletzt deshalb trägt Langer in der Szene den Spitznamen "Edison of Medicine". Von den 40 Unternehmen, die im Umfeld des Langer Labs entstanden, existieren nach wie vor 39 – entweder als eigenständige Firmen oder als Zukäufe anderer Unternehmen. Alle zusammen haben mittlerweile einen Marktwert von rund 23 Milliarden US-Dollar. Und Living Proof, eine Firma für Haarpflegeprodukte, die Unilever für eine unbekannte Summe kaufte, ist dabei nicht eingerechnet.

Zu den wohl erfolgreichsten "Produkten" des Langer Labs gehören jedoch seine Leute. Rund 900 Wissenschaftler schlossen hier ihr Studium ab oder schrieben ihre Doktorarbeit. Das Lab ist eine echte Talentschmiede: Die allermeisten seiner ehemaligen Mitarbeiter starteten danach erfolgreich an anderen Hochschulen, in Unternehmen oder in Venture-Capital-Firmen durch. 14 von ihnen wurden in die hoch angesehene National Academy of Engineering aufgenommen, 12 in die nicht minder renommierte National Academy of Medicine der USA.

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