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Studie Cannabis macht nicht kreativer

Unternehmenschefs wie Richard Branson und der verstorbene Steve Jobs konsumierten Cannabis, um ihre Kreativität anzukurbeln. Eine Studie zeigt aber jetzt: Joints machen nicht kreativer. Sie vernebeln nur das Urteilsvermögen.
aus Harvard Business manager 1/2023
Bekifft an den Schreibtisch? Bessere Ideen entstehen nicht, aber die Konsumenten sind glücklicher

Bekifft an den Schreibtisch? Bessere Ideen entstehen nicht, aber die Konsumenten sind glücklicher

Foto: 24K-Production / iStockphoto / Getty Images

Cannabis hat den Ruf, kreativ zu machen – auch am Arbeitsplatz. Auf die Inspiration durch das Rauschmittel vertrauten bisher nicht nur Künstlerinnen und Künstler, sondern auch prominente Unternehmenschefs wie Richard Branson und der verstorbene Steve Jobs. Mit der geplanten Legalisierung 2024 stellt sich nun auch für Führungskräfte in Deutschland die Frage: Sollten wir unseren Leuten erlauben, bekifft zur Arbeit zu kommen – wenn es sie doch kreativ macht?

Diskutieren müssen Personalabteilungen das sicherlich. Aber das Argument vom Kreativitätsschub durch Gras können sie nun entkräften. Eine Studie  unter mehr als 300 regelmäßigen Konsumentinnen und Konsumenten im US-Bundesstaat Washington hat jetzt enthüllt: Die angeblich kreativitätssteigernde Wirkung von Cannabis ist nichts weiter als eine schöne Illusion.

Cannabis lässt Sie glauben, dass Ihre eigenen Ideen und die anderer Leute kreativer sind als in Wirklichkeit.

Für die Studie mussten die Probanden, die ohnehin mehrmals in der Woche kifften (im Bundesstaat Washington ist das legal), zwei verschiedene kreative Aufgaben unter dem Einfluss ihrer üblichen Sorte und Menge an Cannabis erledigen. Eine der Aufgaben: Sie sollten möglichst viele Einsatzmöglichkeiten für einen Ziegelstein finden oder Ideen entwickeln, wie sich die Einnahmen einer lokalen Band steigern lassen. Eine Kontrollgruppe durfte nichts konsumieren und bekam die gleichen Aufgaben zugeteilt. Anschließend bat das Forschungsteam aus Washington und Singapur sowohl die Studienteilnehmer selbst als auch Externe, die Kreativität der Ideen zu bewerten.

Es zeigte sich, dass die Cannabisnutzer im Schnitt glücklicher, heiterer und grundsätzlich besser gelaunt waren als die nüchternen Probanden. Deshalb hielten sie ihre eigenen Ideen – und die anderer Studienteilnehmer – auch für kreativer als die Menschen in der Kontrollgruppe. Die außenstehenden Beurteiler dagegen erkannten keinen Unterschied in der Kreativität beider Gruppen. "Mit anderen Worten: Cannabis hat keinen Einfluss auf Ihre tatsächliche Kreativität", schreibt das Autorenteam. "Aber es steigert Ihre Stimmung und lässt Sie glauben, dass sowohl Ihre eigenen Ideen als auch die anderer Leute kreativer sind als in Wirklichkeit."

Quelle: "Cannabis use does not increase actual creativity but biases evaluations of creativity", Journal of Applied Psychology, im Druck

Ausgabe Januar 2023

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