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Innovation Pendeln macht unkreativ

Für Wissensarbeiter wie Erfinder kann sich ein längerer Arbeitsweg negativ auf ihre Kreativität auswirken. Dieses Studienergebnis zeigt Unternehmen, dass der Wohnort ihrer Mitarbeiter keine reine Privatsache mehr ist - sie können gegensteuern.

aus Harvard Business manager 7/2021
Foto: Todd Heisler / The New York Times / Redux / laif

Dass lange Fahrten zur Arbeit nicht gesund sind, ist hinlänglich bekannt. Doch die tägliche Pendelei kann auch fatale Folgen für die Innovationsfähigkeit von Unternehmen haben, wie ein Forscherteam der Business Schools aus Wharton und Harvard herausgefunden hat.

Für ihre Studie analysierten sie eine Stichprobe von 3445 erfinderisch tätigen Menschen und 1180 Unternehmen in Kalifornien und New England, deren Daten beim US-Patentamt gespeichert waren. Die Wissenschaftler erfassten Zahl und Qualität der patentierten Hightecherfindungen dieser Mitarbeiter. Dabei stellte sich heraus, dass die Unternehmen pro 10 Kilometer zusätzlicher Pendeldistanz ihrer angestellten Erfinder 5 Prozent weniger Patente angemeldet hatten. Auf die Qualität der Patente wirkte sich eine lange Fahrtzeit sogar noch schädlicher aus: Pro 10 Kilometer Distanz sank sie um 7 Prozent.

Die größten Produktivitätsverluste gab es bei den 10 Prozent leistungsstärksten Erfindern. Die Studie führt Unternehmen vor Augen, dass der Wohnort ihrer Mitarbeiter keine reine Privatsache ist, wie Studien-Co-Autor Andy Wu betont: "Wenn Unternehmen sicherstellen wollen, dass ihre besten Wissensarbeiter so innovativ wie möglich arbeiten, sollten sie sie näher an ihren Arbeitsplatz holen" – entweder indem sie ihnen mobiles Arbeiten erlaubten oder indem sie Anreize böten, in unmittelbare Nähe des Firmensitzes zu ziehen.

Die Studienergebnisse seien auch auf andere Fach- und Kreativkräfte anwendbar, sagt Andy Wu. "Die Gesamt-Opportunitätskosten des Pendelns können den Stundenlohn eines Mitarbeiters durchaus übersteigen und sich auf Tausende Dollar pro Jahr summieren", heißt es in der Studie. Und darin seien noch nicht einmal die potenziellen Kosten für das subjektive Wohlergehen des Mitarbeiters berücksichtigt.

Quelle: Hongyu Xiao et al.: "Commuting and innovation: Are closer inventors more productive?", Journal of Urban Economics, Januar 2021

Ausgabe Juli 2021

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Dieser Artikel erschien in der Juli-Ausgabe 2021 des Harvard Business managers.

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