Zur Ausgabe
Artikel 1 / 13
Nächster Artikel

in summa

aus Harvard Business manager 3/1980

Eigentlich ist Fritz Peter Oelker ein vielbeschäftigter Berater in der Hamburger Werbeagentur Wilkens; sein Arbeitstag hat allemal mehr als acht Stunden. So kann man verstehen, daß die 120 Mitarbeiter der Agentur aufhorchten, als die Haussprechanlage vor einigen Monaten nicht "Herrn Oelker", sondern "Herrn Dr. Oelker" ausrief. Der 39-jährige Manager hatte neben seiner umfangreichen Arbeit noch promoviert - an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Hamburg. Nicht nur in seiner Dissertation beschäftigte er sich mit dem "Multi¬ Attribute Attitüde Model" des Amerikaners Martin Fishbein, sondern er wendet es auch praktisch in der Agenturarbeit an. Seine Vorgehensweise beschreibt er in einem Beitrag für HARVARDmanager (Seite 98 bis 102). Ebenfalls aus einer Werbeagentur, nämlich TBWA, kommen zwei unterschiedliche Naturelle: Der engagierte Texter Rainer Baginski, der heute eine Agentur in München leitet, und der introvertierte Tester Armin Münch, der jetzt ein Institut in Frankfurt führt, das vorwiegend qualitative Forschung betreibt. Beide sind sich völlig einig im Thema Minderheiten-Denken: Die Huldigung an das Gesetz der großen Zahl, der breiten Zielgruppe, ist passé. Und weil Zielgruppen-Definitionen zu global sind, auch wenn es um das Testen von Kommunikation geht, entlarven Baginski und Münch in einem Gespräch (Seite 103 bis 109) die Marktforschungs-Modelle, die alltäglich angewendet werden, als kreativitätsbremsend und eigentlich völlig sinnlos. Auch Peter Jacobi, Trainingsleiter bei der Deutschen BP, plagen Zweifel an der tradierten Forschung, genauer: Am generellen Einsatz naturwissenschaftlicher Modelle, die nicht in der Lage sind, moralische Fragen zu beantworten; ohne moralische Auseinandersetzung jedoch ist eine soziale Organisation - gleich welcher Art - nicht lebensfähig, meint Jacobi (Seite 36 bis 42). Was Jacobi anzweifelt, versucht Thomas Laukamm, Mitarbeiter der Unternehmensberatung Arthur D. Little, positiv zu nutzen: das Modell. Er schrieb eine Dissertation über "Kollektiventscheidung bei mehrfacher Zielsetzung" und entwickelte dazu ein computergestütztes Entscheidungssystem, das er in einem Beitrag für HARVARDmanager darstellt (Seite 92 bis 97). Sein Fazit: Konflikte dürfen nicht als gegeben hingenommen, sondern sollen konstruktiv ausgetragen und überwunden werden. Und damit bezieht auch Laukamm den moralischen Aspekt in seine Arbeit mit ein.

Zur Ausgabe
Artikel 1 / 13
Nächster Artikel