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in summa

aus Harvard Business manager 2/1982

"Die Öffentlichkeit mag eine bestimmte Handlungsweise eines Unternehmens billigen oder verdammen; wenn ihr jedoch bekannt ist, welche Art von Mensch hinter der Unternehmenspolitik steht und an welche Wertvorstellungen dieser Mensch glaubt, ist es möglich, auf dessen Entscheidungen zu reagieren. Statt anonyme Instrumente unpersönlicher Unternehmensinteressen zu sein, könnten Manager auch als gewissenhafte Individuen angesehen werden, die ihr Bestes tun, um ihrer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft gerecht zu werden, die sie selbst für außerordentlich wichtig halten." Mit diesen mahnenden, aber zugleich ermunternden Worten schließt David Finn seinen Beitrag "Die Scheu der Unternehmer vor der Öffentlichkeit" (Seiten 82 bis 90), in dem er der Frage nachgeht, warum so viele Spitzenkräfte der Wirtschaft ihre menschlichen Qualitäten hinter der Maske der Unternehmensanonymität verbergen. Finn postuliert dagegen die These: Wenn Führungskräfte wirklich als "Führer" akzeptiert werden wollen, dann haben sie auch das Recht - und die Pflicht -, sich als das darzustellen, was sie sind: Menschliche Wesen mit Loyalitäten, Leidenschaften, Lieblingsprojekten, Ängsten und Ambitionen, die ihren Ursprung weder in der wirtschaftlichen Analyse noch im Renditebewußtsein haben, sondern in einer umfassenden sozialen Verbundenheit mit der Gesellschaft. "Wo sind die Führer?" Diese provozierende Frage stellt H. Justin Davidson in seinem Beitrag "Die Spitze der Welt ist flach" (Seiten 72 bis 81) und kommt zu der Antwort, daß es mit unserer Wirtschaft und Gesellschaft weiter bergab gehen wird, solange sich Manager nicht wie Führer verhalten: "Die Wirtschaft hat zwar viele Lenker großer Unternehmen, aber sie hat wenige, die sich den Problemen der Wirtschaft und Gesellschaft zuwenden. Es wäre zwar anmaßend und unfair, von jedem Wirtschaftsführer zu verlangen, daß er ein Experte für gesellschaftliche Probleme sein sollte, aber man erwartet doch ein Verständnis für das Zusammenspiel von Wirtschaft und Gesellschaft. Heutzutage schweigt sich der typische Wirtschaftsführer aus. Wenn er aber doch einmal spricht, sind seine Worte zu oft aufgeblähte Prosa, durch konventionelle und nichtkontroverse Ideen ausgeschmückt. Führung besteht zumindest teilweise darin, Anhänger zu haben. Man kann aber heute nicht viele Wirtschaftsführer finden, die über eine Anhängerschaft verfügen."

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