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Gründer Gefährlicher Optimismus

Wer ein Unternehmen nach dem anderen aufbaut, muss nicht erfolgreich sein. Seriengründer zeigen eine bemerkenswerte Tendenz, aus Fehlern nicht zu lernen. Ein Risiko für Investoren.
Von Deniz Ucbasaran, Paul Westhead und Mike Wright
aus Harvard Business manager 6/2011

Jeder bewundert Seriengründer für ihren Mut und ihre Ausdauer. Aber sie stellen für diejenigen, die ihre Ideen finanzieren, ein großes Risiko dar. Unsere Untersuchungen zeigen, dass viele Serienunternehmer nach einem Fehler genauso anfällig für grenzenlosen Optimismus sind wie zuvor.

Wer überoptimistisch ist, neigt zu dem Glauben, mehr gute als schlechte Erfahrungen zu machen. Studien zeigen, dass Unternehmer unterschiedlichster Prägung für Überoptimismus anfälliger sind als der Durchschnittsbürger.

Obwohl diese Eigenschaft sehr nützlich ist, um ein Geschäft aufzubauen, kann sie auch dazu beitragen, dass das Vorhaben fehlschlägt. Dies liegt auch an der Bereitschaft, in riskante Projekte zu investieren, an der Abneigung, Vorgehensweisen für den Fall unerwartete Ereignisse festzulegen, und an der Tendenz, schlechtem Geld gutes hinterherzuwerfen. Die Erfahrung des Scheiterns kann bei manchen Unternehmern das Zuviel an Optimismus dämpfen - bei Seriengründern ist dies aber nicht der Fall.

Eine Studie mit großer Teilnehmerzahl ergab folgendes Bild: Wir haben 576 britischen Unternehmern aus unterschiedlichen Branchen einen Fragebogen vorgelegt, um etwas über ihre Erfolge, Fehler und Haltung zu erfahren. Wir fanden heraus, dass diejenigen, die mehrere Unternehmen gleichzeitig führten (wir nennen sie Portfoliounternehmer) ihre Erwartungen entsprechend ihren Erfahrungen anpassen können. Hatten sie einen Flop gelandet, schätzten sie sich in der Regel realistischer ein als unerfahrene Gründer. Da sie aus ihren Rückschlägen gelernt hatten, könnten sie lohnende Kandidaten für ein Investment sein.

Doch Serienunternehmer, die sich immer ein Projekt nach dem anderen vornehmen, ticken anders. Selbst wenn manche bereits erfahren mussten, was funktioniert und was nicht, blieb ihr Überoptimismus trotz der erhaltenen Lektion ungetrübt. Andere weigerten sich sogar zu reflektieren, warum etwas schieflief. "Darüber nachzudenken, was passiert ist, ist der Fahrschein ins Grab", sagte uns einer der Studienteilnehmer.

Paradoxerweise könnte die Neigung zum unerschütterlichen Optimismus zumindest teilweise an dem großen Schmerz liegen, den sie empfinden, wenn eines ihrer Projekte scheitert. Ein Schmerz, der gerade deshalb so heftig ist, weil sie sich nur mit einem Projekt zur Zeit beschäftigen. Psychologen fanden heraus, dass starke Gefühle Menschen oft dazu bringen, die Schuld bei anderen zu suchen oder sie auf äußere Umstände zu schieben. Auf diese Weise können sie den Anschein von Selbstachtung und ein Gefühl von Kontrolle aufrechterhalten. Dieses Verhalten scheint Seriengründer daran zu hindern, aus ihren Fehlern zu lernen - im Gegensatz zu den Portfoliounternehmern, deren Aufmerksamkeit sich auf mehrere Projekte verteilt.

Einige Investoren sind sich der Abneigung von Seriengründern, über Fehler nachzudenken, durchaus bewusst. Sie befragen deshalb poten-zielle Kandidaten für ein Investment gezielt zu den Ursachen für ihre Erfolge und Misserfolge. Eine wissenschaftliche Studie, die der Berater Geoffrey H. Smart 1999 durchgeführt hat, zeigt, dass die Fähigkeit von Investoren, Gründer richtig einzuschätzen, davon abhängt, wie sehr sie sich auf diese Befragungen verlassen.

Diese Vorgehensweise findet sich jedoch nicht bei allen Investoren. Die Studie zeigte auch, dass die Investoren sich für das beschriebene Screening zwischen 0 und 100 Stunden je Investmentkandidat Zeit nahmen. Würden also mehr potenzielle Investoren diese Form der Due Diligence einsetzen, wären sie seltener dem Überoptimismus von Seriengründern ausgesetzt.

Service

HBM Online

Clark G. Gilbert, Matthew J. Eyring: Wie Gründer Risiken managen, in: Harvard Business Manager, August 2010, Seite 74, Nachdrucknummer 201008074.

Internet

Das Blog "Gründerszene" beobachtet die Gründung von Start-ups in Deutschland und deren Entwicklung: www.gruenderszene.de

Kontakt

Deniz.Ucbasaran@wbs.ac.uk paul.westhead@durham.ac.uk Mike.Wright@nottingham.ac.uk

Nachdruck

Nummer 201106014, siehe Seite 104 oder www.harvardbusinessmanager.de © 2011 Harvard Business Publishing

Deniz Ucbasaran

ist Professor für Entrepreneurship an der Warwick Business School in Coventry, Großbritannien.

Paul Westhead

ist Professor für Entrepreneurship an der Durham Business School in Großbritannien.

Mike Wright

ist Professor für Finanzanalyse an der Nottingham Business School in Großbritannien.

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