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Bücher Für den ökonomischen Sonntagmorgen

Ein Lesebuch mit Vorschlägen für eine neue Sichtweise von Wirtschaft und Management.
aus Harvard Business manager 9/2007

Wer interessiert sich für die Entwicklung ökonomischer Gedanken, ausgebreitet auf 800 Seiten? Der Autor, der unter anderem an der Harvard Business School forschte, nennt handfeste Gründe, sich damit zu beschäftigen: Wirtschaftliche Entscheidungen wirkten sich auf das Leben jedes Einzelnen aus. Damit seien ökonomische Ideen wichtiger Bestandteil des intellektuellen Gewebes einer Gesellschaft.

Eric Beinhocker - Senior Fellow am McKinsey Global Institute - zeigt im ersten Abschnitt auf, welche Prinzipien die traditionelle Ökonomie verfolgte und welche Phänomene sie erklären kann. Wie entsteht Wohlstand? Welche Bedeutung hat das Denken in Gleichgewichten? Eine Tour d'Horizon hilft dem Leser, seine angerosteten Kenntnisse der Mikro- und Makroökonomie wieder aufzubügeln. Viele der Modelle helfen zwar, die Welt besser zu verstehen, sie reichen aber nicht aus, um die Komplexität der heutigen Wirtschaft abzubilden - ein Manko, das der Autor mit Erkenntnissen aus anderen Disziplinen illustriert.

Im zweiten Abschnitt widmet sich Beinhocker dem Phänomen Komplexität. Seiner Ansicht nach zeichnet sich ein Umbruch ab, was das Verständnis wirtschaftlicher Zusammenhänge angeht. Um den Leser nicht mit abstrakten Abhandlungen zu langweilen, verwendet er das ökonomische Planspiel Zuckerwelt, das Alltagsbeispiel von Duschwasserhähnen, die schlecht funktionieren, und den Vulkanier Mister Spock, um den Einfluss von Ungleichgewichten, Dynamik und Emotionalität zu veranschaulichen. Das Entstehen von Netzwerken und neuen Strukturen betrachtet der Autor als zentral für ein neues Verständnis der Ökonomie.

Im dritten Abschnitt bringt Beinhocker die Evolution als ergänzenden Erklärungsansatz ins Spiel. Dabei geht es ihm nicht nur um die Tatsache, dass die Evolution Gewinner und Verlierer produziert. Vielmehr interessieren ihn Kooperationen und Spitzenleistungen. Wie diese aussehen, veranschaulicht er an Beispielen aus der Natur, aber auch an technologischen Innovationen und der Entwicklung sozialer Systeme.

In den Abschnitten vier und fünf finden sich Beinhockers Vorschläge, Wohlstand neu zu definieren und die Erkenntnisse über den Paradigmenwechsel in Wirtschaft und Politik zu berücksichtigen.

Es wird einige Wochen in Anspruch nehmen, das vom Autor als Sonntagmorgenbuch qualifizierte Werk zu lesen. Da es didaktisch gut aufbereitet und angenehm geschrieben ist, bekommen Leser jedoch die Chance, bekannte Theorien, Fallbeispiele und Anekdoten in einen Kontext einzuordnen.

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