Antonia Götsch

Newsletter Lead Forward Was ist eine Stunde Antonia wert?

Bei klassischem Zeitmanagement wird Zeit wie ein Konsumgut betrachtet. Wir optimieren, sparen - und vergessen dabei, was uns wirklich wichtig ist.

"Bist du irre?", fragte eine Freundin, als ich ihr erzählte, dass ich mich als Mentorin für eine junge Frau gemeldet habe, die als Erste in ihrer Familie studiert. Auch ich hatte kurz überlegt, wie ich dieses Engagement für die Initiative Aufsteiger  in meine vollen Wochen quetschen sollte, neben meinem Job als Chefredakteurin, meiner Rolle als Mutter, Freundin, Partnerin und der Weiterbildung, an der ich jede Woche zwei Stunden teilnehme.

Ich gebe zu: Manchmal führt das zu hektischem Chaos, etwa als ich neulich im Stau aus dem Bus sprang und auf einem Elektroroller durch den Regen raste, um halbwegs pünktlich in meinem virtuellen Klassenzimmer zu erscheinen. Trotzdem hatte ich selbst in diesem Moment das Gefühl: alles richtig entschieden.

Zeitmanagement kann krank machen

Warum das so ist, wurde mir klar, als ich den sehr persönlichen Artikel über Zeitmanagement  von Managementprofessorin Abbie Shipp las. Sie habe bei ihrer Zeitplanung früher nur an den wirtschaftlichen Wert von Zeit gedacht, jede Minute wie ein Konsumgut betrachtet, schreibt sie. Sie optimierte, plante, hob Synergien, sparte – und war irgendwann völlig ausgelaugt, ja, regelrecht krank.

Zeit hat jedoch auch einen subjektiven Wert, der sich nicht so leicht quantifizieren lässt. Wenn ich Rechnungen abhake oder in öden Meetings sitze, dehnen sich die Minuten wie Gummi. Spreche ich hingegen mit meiner Mentee darüber, wie sie Praktikum und Studium unter einen Hut bekommt, verfliegt die Zeit.

"Der Sinn subjektiver Zeit ergibt sich daraus, dass man seine Stunden und Tage für bedeutsame und wichtige Aktivitäten nutzt", schreibt Shipp. "Wir verbringen dann Zeit mit etwas, das unserer Identität entspricht."

Mir geht es genauso: Obwohl ich für mein Ehrenamt etwas von meinem Zeitbudget abgebe, fühle ich mich hinterher reicher und habe an Energie gewonnen. Weil es mir Sinn schenkt, meine Erfahrungen zu teilen und einem anderen Menschen helfen zu können.

Wie viel Zeit investieren Sie für Dinge, die Ihnen wirklich wichtig sind? Und welche Dinge sind das? Ich wäre gespannt, davon zu lesen, wenn Sie mir antworten.

Unseren Schwerpunkt zum Thema Zeitmanagement und den Artikel von Abbie Shipp finden Sie hier .

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