Antonia Götsch

Newsletter Lead Forward Wieso Nein sagen kreativ macht

Ideen zu finden fällt den meisten Menschen leicht. Kurs zu halten und eine Strategie zum Erfolg zu führen ist das, was wirklich Kraft und Disziplin kostet - und gute Führungskräfte auszeichnet.

Nein sagen – für mich ist das die vielleicht größte Herausforderung als Führungskraft. In meinen Postfächern laufen fast täglich Anfragen von Menschen ein, die großartige Projekte mit uns auf die Beine stellen möchten. Hinzu kommen Ideen meiner Kolleginnen und Kollegen; und nicht zu vergessen, was ich selbst gern alles ausprobieren würde.

Ideen zu finden fällt den meisten Menschen leicht. Kurs zu halten und eine Strategie zum Erfolg zu führen ist meiner Erfahrung nach das, was wirklich Kraft und Disziplin kostet - und erfolgreiche Führungskräfte auszeichnet. Was nutzt es, kreativ zu brainstormen oder jedem Trend hinterher zu jagen, wenn wir nichts zu Ende bringen?

Wie häufig habe ich erlebt, dass sich Teams verzetteln, weil das Unternehmen gleichzeitig eine Social-Media- und eine Innovationsstrategie startet, eine Digitalinitiative beschließt und "nebenbei" neue Produkte strategisch platzieren will. Alle wirbeln und leisten Überstunden, gleichzeitig fühlt es sich an, als stecke man mit den Füßen in Beton. Es geht einfach nicht voran, weil sich die Energie verteilt und nirgendwo so richtig Schlagkraft entfaltet – eigentlich haben wir das ja schon im Physikunterricht gelernt.

Weniger tun - mehr schaffen

So gut gemeint viele strategische Initiativen auch sind, erschreckend oft führen sie nicht zum unternehmerischen Erfolg, schreibt Harvard-Professor Felix Oberholzer-Gee in unserer Titelgeschichte . "Strategisches Management muss sich auf das Wesentliche besinnen." Unternehmen und Führungskräfte sollten ihre Strategie radikal vereinfachen.

Im Mittelpunkt seines Modells steht folgende Frage: Welchen Wert stiftet das Unternehmen (oder mein Team)? Wie verändert mein Angebot zum Beispiel den Alltag meiner Kunden - und bietet ihnen einen Mehrwert?

Zahlen wie Umsatz und Wachstum geben darüber nur sehr begrenzt Antwort. In seinem Artikel  zeigt Oberholzer-Gee wie Unternehmen wie GAP oder Apple ihr Geschäft neu erfanden. Noch einfacher erklärt sich sein strategischer Ansatz aber am Beispiel einer Blumenverkäuferin.

Welchen Wert bieten wir?

Vor einigen Jahren wollte der Professor einer Freundin zum Geburtstag nachträglich einen Blumenstrauß schicken. Er hatte vergessen, ihr zu gratulieren. "Sollen wir die Verantwortung für die verspätete Zustellung übernehmen?", fragte die Verkäuferin. Ob man so eine Lüge annehmen will oder nicht, muss jeder selbst wissen. Fest steht: Diese Frau sah ihre Aufgabe nicht einfach nur darin, Blumen zu verkaufen. Ihr ging es um bestmöglichen Service für ihre Kundinnen und Kunden.

Ich habe aus der Lektüre einen wichtigen Anstoß mitgenommen: 'Nein' zu sagen, sorgt nicht nur für Fokus und dass wir mehr schaffen. Es macht auch kreativ, wenn wir uns auf die eine Frage besinnen, zu der wir bei jeder Entscheidung immer wieder 'Ja' sagen: Welchen Wert bieten schaffen wir für andere?

Wie sieht es bei Ihnen im Unternehmens aus - verzetteln Sie sich mit vielen unterschiedlichen Initiativen oder haben Sie klare Leitplanken?

Persönlicher Austausch: Bei unserem monatlichen OPEN HOUSE ist am Dienstag, 28. September, Harvard-Professor Felix Oberholzer-Gee zu Gast. Melden Sie sich jetzt kostenlos an: Zur Anmeldung.