Politik im Büro Wie politisch dürfen Führungskräfte sein, Joe Kaeser?

Im Wahlkampf sei zu viel von Kontinuität und Stabilität die Rede, sagt der frühere Siemens-Chef Joe Kaeser. Er ist der Überzeugung: Manager sollten ihren Führungsanspruch nicht aufs Unternehmen beschränken, sondern die gesamte Gesellschaft in den Blick nehmen.

Eine Wahlempfehlung will er nicht aussprechen, dennoch findet Joe Kaeser, Aufsichtsrat von Simens Energy, deutliche Worte zur politischen Lage. "Ich höre im Wahlkampf sehr viel von Stabilität und Kontinuität, auf die es jetzt ankäme", sagt er. "Die Zukunft ist aber keine Verlängerung der Vergangenheit. Wir stehen vielmehr gesamtgesellschaftlich vor massiven disruptiven Transformationen, die neue Ideen und ihre glaubwürdige Umsetzung erfordern."

Der ehemalige Siemens-CEO, der auf dem Parteitag der Grünen eine Rede hielt, mischt sich in Debatten ein wie kaum ein anderer Topmanager. Im Podcast Team A spricht er darüber, wie politisch Top-Managerinnen und Manager sein könnten, wo die Risiken und Grenzen liegen.

Team A - Der ehrliche Führungspodcast

Astrid (Maier, Xing-Chefredakteurin) und Antonia (Götsch, Chefredakteurin des Harvard Business manager) - deshalb Team A - leiten seit Jahren Teams. Sie sprechen alle zwei Wochen mit Gästen aus Unternehmen und Universitäten offen über starke Führung und das, was Managerinnen und Manager umtreibt.

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"The business of business is business", mit dieser Doktrin Milton Friedmans sind viele Managerinnen und Manager groß geworden. Sich nur um den Shareholder Value  zu kümmern, reiche jedoch schon lange nicht mehr aus, sagt Kaeser. Die Welt habe sich seit den 1970er Jahren verändert. "Wir sehen eine Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich, Alt und Jung, in Entwicklungsländer und Industrieländer. Es gibt Verteilungskämpfe und System-Wettbewerbe zwischen Demokratien und absolutistisch geführten Ländern", sagt Kaeser. "Ich persönlich glaube, wenn eine Führungskraft, ein CEO oder eine Vorstandsvorsitzende den Anspruch hat, vieles besser als der Großteil der Menschen zu wissen, dann sollte man aus diesem Anspruch heraus auch ableiten, dass man sich an gesellschaftspolitischen Diskussionen beteiligt."

Welche Risiken politisches Engagement für Führungskräfte hat, wie groß der Druck in Ländern wie China ist und welche Folgen es hatte, als Kaeser die heutige AFD-Vorsitzende Alice Weidel auf Twitter angriff, hören Sie im Podcast Team A.