Antonia Götsch

Newsletter Lead Forward Wie gut können Sie sich selbst beruhigen?

Um seinen Puls nach oben zu jagen, reicht ein Sprint. Sich selbst zu beruhigen, ist ungleich schwieriger. Die Rahmenbedingungen bieten uns gerade ein Intensivtrainingslager.

"Es ist leicht, sich in Bewegung und Aufruhr zu bringen", sagte mein Yogalehrer, während ich auf einem Bein balancierte und versuchte, nicht umzufallen. "Die wahre Kunst ist es, sich selbst beruhigen zu können."

Je länger ich darüber nachdenke, desto wichtiger finde ich seinen Punkt. Um den Puls auf 180 zu jagen, reicht es, dreimal die Treppe rauf und runter zu rennen. Nach einem Tag voller Meetings abzuschalten oder während eines Konflikts gelassen zu bleiben, finde ich ungleich schwieriger.

Um es mit meinem verbliebenen Rest Humor zu formulieren: Die Rahmenbedingungen bieten uns gerade ein Intensivtrainingslager für die Kunst der Selbstberuhigung. Dieser Newsletter entsteht, während mein Kind fiebernd neben mir auf der Couch liegt. Ich mache Wadenwickel und versuche gleichzeitig alles vorzubereiten, falls ich mit ihm in Quarantäne muss oder selbst erkranke. Den Kolleginnen und Kollegen, denen ich meist virtuell begegne, geht es ähnlich. Zoom-Fatigue, Corona-Fatigue, grauer-Himmel-Fatigue.

Arbeit in der Überlebenszone

In einem klugen Text las ich gerade über vier Energiequadranten, in denen wir uns bewegen: die Leistungs-, Überlebens-, Burn-out- und die Erneuerungszone.

In der Leistungszone ist unsere Energie hoch und positiv. Hier arbeiten wir an einem Projekt, das richtig gut läuft. Wir fühlen uns engagiert, herausgefordert, optimistisch.

Die Überlebenszone ist ebenfalls mit viel Energie verbunden, aber mit negativer Energie. In Momenten, in denen wir uns bedroht, angegriffen oder abgewertet fühlen, verlagert sich die Kontrolle über unser Nervensystem auf den Sympathikus. Wir gehen in den Kampf-oder-Flucht-Modus über, reagieren ängstlich, ungeduldig, reizbar oder wütend.

In der Burnout-Zone liegt unsere Energie niedrig, die Emotionen sind negativ. Wir fühlen uns hilflos, leer und erschöpft.

Im Moment ist es schwer, den Überlebensmodus abzuschütteln und die Leistungszone zu erreichen. Wir vermissen unsere Teams, sind angespannt, schultern Care-Arbeit. Kurzum: Seien Sie nachsichtig mit sich selbst, wenn Sie sich gerade mit Reservebatterie durch den Arbeitstag schleppen.

Zweitens, sollten wir unsere Energie sehr bewusst einsetzen. Wenn wir die Pandemie als Trainingslager betrachten, ist die Erneuerungszone so etwas wie die Höhenkammer oder der geheime Kraftraum. In diesem Quadranten ist das Energielevel zwar niedrig, aber positiv. Hier bauen wir Spannungen ab und schöpfen Kraft. Die Erneuerungszone ist der Quadrant, der auf direktem Wege wieder in die Leistungszone führt. Im besten Fall bewegen wir uns zwischen Leistungs- und Erneuerungszone - und lassen die anderen Quadranten aus.

Der Yoga-Effekt

Ohne Erneuerung keine Leistung. Ich spüre diesen Effekt am deutlichsten, wenn ich mittwochmorgens von der Yogamatte aufstehe. Manchmal fühle ich mich unter Druck, den Termin auf- und freizugeben, vor allem, wenn mein Kalender voll ist und unsere Assistentin händeringend einen Platz für ein wichtiges Meeting sucht. Doch gerade in den Wochen, in denen mein Kalender aus allen Nähten Platz, brauche ich diese eineinhalb Stunden für mich.

Ich bin überzeugt, an meiner Yogastunde festzuhalten, zahlt sich auch fürs Unternehmen aus. An wenigen Tagen arbeite ich effektiver und mit besserer Laune als mittwochs nach meiner Yoga-Session.

Was bringt Sie in die Erneuerungszone?

Tipp: Sozusagen aus aktuellem Anlass moderiere ich nächste Woche zwei kostenlose Webinare zum Thema Resilienz mit Coach Karsten Drath. Er teilt konkrete Tipps, wie wir Denkfallen vermeiden und in den gesunden Zonen bleiben. Ich glaube, das können wir alle brauchen. Die Termine: Dienstag, 15. Februar, 18 Uhr und Mittwoch, 16. Februar, 14 Uhr. Anmeldung kostenlos hier.