Nele Dirks

Lead Forward Hören Sie eigentlich zu?

Wenn Führungskräfte junge Kollegen oder Kolleginnen fördern wollen, ist das kein einseitiges Geschäft mit guten Ratschlägen. Es kommt viel mehr zurück als gedacht. Wie Sie davon profitieren.

"Was verstehst du eigentlich unter 'Die Führungskraft als Coach'?", fragte ich meine Mentee neulich bei einem unserer regelmäßigen Treffen. Mich beschäftigte das Konzept, weil wir im Führungsteam des Versorgers EWE gerade unsere Führungswerte definieren. Schöner Begriff, aber was bedeutet das genau für die Arbeit und den Umgang mit unseren Mitarbeitenden?

Ich nehme bereits zum zweiten Mal als Mentorin am Mentorenprogramm für Führungskräftenachwuchs von EWE teil, einem Versorgungsunternehmen für Energie, Telekommunikation und IT in Oldenburg. Mit meiner Mentee habe ich die regelmäßigen Videokonferenzen mittlerweile gegen Spaziergänge getauscht. Und festgestellt, dass dieses Programm nicht nur sehr viel Spaß macht, sondern ich auch selbst wahnsinnig viel lerne.

Nach einer kurzen Denkpause sagte die junge Kollegin zu mir: "Weißt du, Nele, eigentlich ist das für mich genau das, was du hier machst: Zuhören und Fragen stellen. Vor allem Fragen, die mir im Kopf bleiben und bei denen ich den Rest der Woche deine Stimme im Kopf habe, wenn ich immer mal wieder drüber nachdenke". Mit der Antwort hatte ich überhaupt nicht gerechnet.

Nach unserem Spaziergang hat mich dieser Gedanke noch eine Weile beschäftigt und mir ist klar geworden, dass Sie Recht hat. Mittlerweile habe ich einen Zettel neben meinem Computer hängen, auf dem groß "Zuhören und Fragen stellen" steht. Denn das mit dem Zuhören ist im Führungsalltag auch nichts anderes als in der Mentorenrolle. Am besten führe ich, wenn ich meinen Mitarbeitenden die richtigen Fragen stelle und sie auf ihrem Weg unterstütze. In ihren jeweiligen Fachbereichen kennen sie sich besser aus als ich, sie sind beispielsweise viel tiefer in Angebots- und Auftragsprozessen für Energieverträge oder DSL-Verbindungen.

Meine Erfahrung ist: Den Austausch suchen lohnt sich immer. Und wenn man dafür offen ist, kann auch außerhalb eines offiziellen Mentorenprogramms ein solches Vertrauensverhältnis entstehen. Sie kennen das vielleicht, in einem Meeting fällt Ihnen eine Person auf, in der man Potenzial sieht, oder Sie beobachten, dass ein neuer Kollege sehr zurückhaltend ist. Mein Tipp: Sprechen Sie diesen Menschen an. Sprechen Sie eine Einladung aus – helfen Sie sich gegenseitig zu neuen Denkansätzen.

Ich bin mir sicher, dass mit der Zeit dann auch an Ihrer Wand gelbe Klebezettel hängen werden.

PS: Antonia Götsch wird während ihres Urlaubs von Leserinnen und Lesern ihres Newsletters Lead Forward vertreten. In dieser Woche schreibt Nele Dirks. Sie leitet im Geschäftskundenvertrieb vom Versorgungsunternehmen EWE den Bereich Steuerung und Service. Aufgezeichnet hat den Text Jasmin Richter.