Antonia Götsch

Newsletter Lead Forward Abgucken: Was Christine Lagarde macht, wenn ihr keiner zuhört

Wer kennt das Problem nicht: Eigentlich hat man etwas wirklich Wichtiges mitzuteilen, aber niemand hört richtig zu. Die Präsidentin der EZB sorgte mit einem überraschenden Ansatz für Stille.

Als sich eine Topmanagerin nach der Rede meldete und fragte, welche Führungslektionen Christine Lagarde in ihrem Job gesammelt habe, zückte ich sofort meinen Stift, beziehungsweise mein Handy. Ich öffnete das Notizprogramm. Denn wenn eine erfahrene Führungskraft wie die Präsidentin der EZB bereitwillig Ratschläge verteilt, denke ich natürlich an Sie – die Lead Forward Community.

Lagarde erzählte, dass sie lernen musste, sich Gehör zu verschaffen. Wer kennt das Problem nicht: Eigentlich hat man etwas wirklich Wichtiges mitzuteilen, aber niemand hört richtig zu. Das geht mir zu Hause bei meinem Sohn ständig so ("Ich habe gesagt, du sollst dir deine Strümpfe anziehen!"), in großen Meetings passiert es mir aber auch. Gerade Frauen mit ihren etwas helleren Stimmen und kleinerem Körperbau gehen in größeren Gruppen schneller als Männer unter. Ich muss zugeben, ich hatte Lagarde, die in einer Ecke des Raumes stand, zuerst selbst übersehen. Allerdings nur bis sie die Bühne betrat und sofort eine enorme Präsenz entwickelte.

Manchmal muss man überraschen

Als die Französin das erste Mal in Korea auftrat, half ihr diese Präsenz aber auch nicht weiter. Sie bestieg ihr Rednerinnenpodest – und das Gewusel, Reden und Trinken um sie herum ging einfach weiter, wie sie erzählte. Präsidentin hin oder her, die Gäste waren in Feierlaune.

Bei ihrem zweiten Besuch vor Ort, war Largarde dann vorbereitet – und ehrgeizig: Sie betrat den Raum mit dem Ziel, sich dieses Mal sofort Gehör zu verschaffen.

Auf der Bühne ergriff sie das Mikrofon - und fing an zu singen. "Der ganze Saal war still. Nicht weil ich so schlecht sang, sondern weil alle völlig überrumpelt waren", erzählte sie. "Manchmal musst du die Menschen einfach überraschen. Mir hat es oft geholfen, einen ungewöhnlichen Ansatz auszuprobieren, den Kanal zu wechseln."

Ich finde das ist ein wirklich kluger Ratschlag. Er erfordert ein wenig Mut – aber wird meist belohnt. Wenn Sie das nächste Mal nicht durchdringen, testen Sie doch mal - je nach Situation - unterschiedliche Kanäle: Singen Sie, machen Sie eine lange Pause, sprechen Sie besonders leise oder nutzen Sie Ihren Dialekt. Ich bin gespannt, ob jemand bereits Erfahrungen mit ungewöhnlichen rhetorischen Momenten teilen kann.

Übrigens: Ich empfehle Ihnen die wirklich großartige Rede  nachzulesen, die Lagarde bei der Auszeichnung der Top 100 Frauen  von manager magazin und Boston Consulting Group hielt. Darin spricht sie über "Leadership in times of crisis" - und warum Frauen hier eine tragende Rolle spielen könnten und sollten. Ich habe die wichtigsten Punkte auf LinkedIn übersetzt und zusammengefasst .

Nächste Woche melde ich mich dann wieder ohne Promi-Faktor - mit einem Tipp aus meinem schnöden Führungsalltag.