Zur Ausgabe
Artikel 16 / 18

Herfried Münkler über Führungsstile "Wer zu viele Bedenken hat, kommt nicht an die Spitze"

Herfried Münkler ist Deutschlands prominentester Politikwissenschaftler und Experte für Herrschafts- und Machtstrukturen. Sein Spezialgebiet: der florentinische Politiktheoretiker Niccolò Machiavelli. Ein Gespräch über die Aktualität alter Führungsweisheiten in modernen Zeiten.
Das Interview führte Ingmar Höhmann
aus Harvard Business manager 3/2017
Herfried Münkler

Herfried Münkler

Foto:

Thomas Imo / photothek.net / imago images

Sie können den Artikel leider nicht mehr aufrufen. Der Link, der Ihnen geschickt wurde, ist entweder älter als 30 Tage oder der Artikel wurde bereits 10 Mal geöffnet.

Harvard Business manager: Herr Professor Münkler, was können Führungskräfte von Machiavelli lernen?

Herfried Münkler: Zuvörderst seine analytische Herangehensweise: Er versucht ein Problem bis zu dem Punkt aufzudröseln, an dem sich Alternativen ergeben. Sein Hauptwerk "Il Principe" – "Der Fürst" – handelt davon, wie man Herrschaft stabilisiert. Das ist wesentlich wichtiger als das, was oft im Zentrum der Machiavelli-Diskussion steht – er sei der "Lehrer des Bösen".

Was er sagt, ist Folgendes: Moralische Bindungen sind eine Selbstrestriktion, weil sie die Anzahl der Optionen verringern. Doch Führungskräfte, die sich selbst und ihrer Organisation Grenzen setzen, schränken auch die Möglichkeiten ihrer Konkurrenten ein. Wer moralische Spielregeln aufstellt und einhält, sorgt dafür, dass das Feld überschaubar bleibt. Er kann diejenigen skandalisieren, die gegen die Spielregeln verstoßen. Von Machiavelli lernt man also, nicht von Normen ausgehend das Feld zu überschauen, sondern es von außen zu betrachten.

Das Feld, das Gefechtsfeld, das ist im Management wohl das Unternehmen. Was wäre dann eine Vorgehensweise, die Führungskräfte aus dieser Betrachtung von außen ableiten können?

Machiavelli verwendet dafür Metaphern. Er sagt: Schaue dir die Situation an und werde dir klar darüber, ob du die Rolle des Löwen spielen musst oder ob du die Rolle des Fuchses spielen darfst. Der Fuchs ist klein und hat die Schnauze permanent am Boden. So kann er die Fallen wittern und umgehen. Der Löwe repräsentiert die Herrschaft, ihm ist aber eine gewisse Eitelkeit zu eigen, weshalb er die Nase sehr hoch hält. Er kann zwar alle anderen Tiere verjagen, denen der Fuchs im Kampf sofort unterliegen würde; aber dafür geht er in die Fallen und verfängt sich in Schlingen. Jede erfolgreiche Organisation braucht eine Kombination aus Löwen und Füchsen. Wer eher dem Füchsischen zuneigt, sollte sich vielleicht überlegen, ob er die Rolle des CEOs übernehmen will. Ich halte mich aber zurück mit hausbackenen Vorschlägen. Bücher wie "Machiavelli für Manager" sind meist nicht sehr klug.

Profil

Der Professor

Herfried Münkler wurde 1951 im hessischen Friedberg geboren. Er studierte Germanistik, Politikwissenschaften und Philosophie in Frankfurt. 1981 promovierte er mit einer Dissertation über den florentinischen Politiktheoretiker Niccolò Machiavelli. Nach seiner Habilitation 1987 trat er eine Vertretungsprofessur für Politikwissenschaft an der Goethe-Universität an. Seit 1992 leitet er den Lehrstuhl für Theorie der Politik am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt Universität zu Berlin.

Die Schriften

Münkler gilt als Experte für Machiavelli, den er als Begründer des politischen Denkens der Neuzeit sieht. Bedeutung erlangte auch Münklers Buch "Die neuen Kriege". In diesem stellte er die These auf, dass asymmetrische Kriege die konventionellen, symmetrischen Kriege zwischen Staaten abgelöst haben. Sein jüngstes Buch, geschrieben mit seiner Frau, der Literaturwissenschaftlerin Marina Münkler, heißt "Die neuen Deutschen" und beschäftigt sich mit Migration im historischen Kontext.

Muss ein CEO ein Löwe sein?

Harvard Business manager plus

Jetzt weiterlesen. Mit dem passenden manager Abo.

Einen Monat für € 0,99 testen. Jederzeit kündbar.

Ihre Vorteile:

  • manager magazin+ und Harvard Business manager+ im Paket
  • Alle Inhalte von m+ und HBm+ auf der Seite manager-magazin.de und in der manager-Nachrichten-App
  • Der Inhalt der gedruckten Magazine inkl. E-Paper (PDF)
Jetzt für € 0,99 testen

Ihre Vorteile:

  • Alle Inhalte von HBm+ auf der Seite manager-magazin.de und in der manager-Nachrichten-App
  • Einmal anmelden und auf allen Geräten nutzen
  • Der Inhalt des gedruckten Magazins inkl. E-Paper (PDF)
Jetzt für € 0,99 testen

Sie sind bereits Digital-Abonnentin oder -Abonnent? Hier anmelden

Weiterlesen mit manager+

Immer einen Einblick voraus

Ihre Vorteile mit manager+

  • manager magazin+

    in der App

  • Harvard Business manager+

    in der App

  • Das manager magazin und den Harvard Business manager lesen

    als E-Paper in der App

  • Alle Artikel in der manager-App

    für nur € 24,99 pro Monat

Sie haben bereits ein Digital-Abonnement?

manager+ wird über Ihren iTunes-Account abgewickelt und mit Kaufbestätigung bezahlt. 24 Stunden vor Ablauf verlängert sich das Abo automatisch um einen Monat zum Preis von zurzeit 24,99€. In den Einstellungen Ihres iTunes-Accounts können Sie das Abo jederzeit kündigen. Um manager+ außerhalb dieser App zu nutzen, müssen Sie das Abo direkt nach dem Kauf mit einem manager-ID-Konto verknüpfen. Mit dem Kauf akzeptieren Sie unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzerklärung .

Zur Ausgabe
Artikel 16 / 18
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.