Antonia Götsch

Newsletter Lead Forward Internet? Am besten abschaffen

Muss man jeden Trend mitmachen, um als Führungskraft am Ball zu bleiben? Nicht unbedingt. Gefährlich für die eigene Karriere wird es aber, wenn man ablehnt, ohne auszuprobieren.

Es ist schon komisch, wir trauen einem 78-Jährigen zu, Präsident der Vereinigten Staaten zu werden, wählen 70-Jährige in Aufsichtsräte, finden es normal, dass drei Männer über 55 um den CDU-Vorsitz ringen. Aber sobald es um normale Jobs und um mittlere Führungspositionen wie Team- oder Abteilungsleitungen geht, nähern sich schon Menschen Ende 40 bedrohlich schnell dem Verfallsdatum.

Ich erinnere mich noch, wie alle Kollegen einer Abteilung eingeladen wurden, sich auf zwei Stellen in einer anderen Abteilung zu bewerben. Alle bekamen die Einladung, nur die zwei Kollegen nicht, die zu diesem Zeitpunkt über 50 waren. Zu alt, zu analog, zu teuer, lautet meist das Narrativ.

Und manchmal reden wir uns auch selbst ein, etwas nicht mehr zu können. Oder fangen wir mit zunehmendem Alter an, immer mehr Dinge abzulehnen. Internet? Am besten abschaffen. Digital bezahlen? Wer braucht den so was? TikTok? Total bescheuert!

Ich finde es persönlich nachvollziehbar und auch nicht nötig, überall mitmischen zu wollen. Aber das ist kein Grund, Technologien und andere Neuerungen gleich für die gesamte Menschheit abzulehnen.

Lead Forward

Der wöchentliche Newsletter für erfolgreiche Führungskräfte

Antonia Götsch, Chefredakteurin des Harvard Business managers, teilt Wissen aus den besten Managementhochschulen der Welt und ihre eigenen Erfahrungen mit Ihnen. Einmal die Woche direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Jetzt bestellen

In unserem aktuellen Podcast übers Altern im Job sagt Managerin Simone Menne, sie sei immer neugierig gewesen. Nach ihrer Karriere als Finanzvorständin bei der Lufthansa und dem Chemieunternehmen Boehringer Ingelheim führt sie heute eine Galerie in Kiel und sitzt in diversen Aufsichtsräten. Sie nimmt selbst einen Podcast auf und treibt sich als Early Moverin auf der neuen Social-Media-Plattform Clubhouse herum. Kurz gesagt: Sie interessiert sich für Innovationen. Davon kann man sich wirklich etwas abgucken.

Eines meiner Lebensziele lautet, neugierig zu bleiben. Mir ist es wichtig nachzufragen, warum andere Menschen etwas gut finden. Die Tochter meiner besten Freundin hat mir gezeigt, wie sie TikTok nutzt. Mein Kopf glühte hinterher, ich werde die Plattform eher nicht ansteuern, aber ich kann nachvollziehen, dass Laura es tut.

Ich finde, es macht einen Unterschied, ob man etwas ablehnt, obwohl man es gar nicht kennt – oder ablehnt, weil man es kennt.

Wie sehen Sie das?

Podcast Cover

P.S. Im Podcast hören Sie, wieso wir beim Thema Diversity stärker ans Alter denken sollten, wie Sie Ihren Lebenslauf frisch halten und auch mit 50 durchstarten. Ich freue mich, wenn Sie mal reinhören.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.

Abonnieren bei

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt erneut.