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Unterstützung für Mitarbeiter Mit Beistand durch die Trauer

Das Büro wird in der Regel frei gehalten von Themen rund um Tod und Trauer. Doch diese Tabuisierung wirkt sich negativ auf die Mitarbeiter und das Arbeitsklima aus. So können Sie angemessene Unterstützung bieten.
aus Harvard Business manager 9/2019

Illustration: Patrick Svenssson

Trauer ist ein zutiefst menschliches Gefühl, und doch ist in der heutigen Arbeitskultur oft kein Platz für Menschen, die einen schweren Verlust erlitten haben. "Am Arbeitsplatz gibt es viele Tabuthemen", sagte uns Laszlo Bock, "und der Tod ist eines der größten."

Der ehemalige Personalchef von Google  und Mitbegründer des Silicon-Valley-Start-ups Humu, das sich die Humanisierung des Arbeitsplatzes auf die Fahnen geschrieben hat, feierte am Tag unseres Gesprächs gerade den "Día de los Muertos". Es war der 2. November, und auf Anregung eines Mitarbeiters hatte Humu die mexikanische Tradition aufgegriffen, an diesem Tag der Verstorbenen zu gedenken. "Wir platzieren Spitzendeckchen und Kerzenständer im Büro, und die Leute stellen daneben Fotos verstorbener Angehöriger auf", erläuterte Bock. "Wir bringen den Geistern der Verstorbenen Opfer dar. Damit wollen wir zum Ausdruck bringen, dass es vollkommen in Ordnung ist, über den Tod zu sprechen, und dass wir anerkennen müssen, dass wir alle sterblich sind."

Wir hatten Laszlo Bock kontaktiert, weil er – neben Sheryl Sandberg von Facebook  – eine der wenigen Führungskräfte ist, die diesem Thema echte Aufmerksamkeit zollen. Sandberg selbst hatte, angeregt durch die Erfahrungen nach dem Tod ihres Ehemanns, zusammen mit dem Wharton-Professor Adam Grant ein Buch zum Thema geschrieben. (Lesen Sie dazu auch das Interview mit Sandberg und Grant "Akzeptieren Sie den Schmerz ", Harvard Business manager Juni 2017.)

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Auch Laszlo Bock geht mit dem Tabuthema Tod ganz offen um und tritt dafür ein, dass Unternehmen dem nächsten Angehörigen eines verstorbenen Mitarbeiters zehn Jahre lang 50 Prozent von dessen letztem Gehalt weiterzahlen – zuzüglich eines monatlichen Zuschusses für jedes Kind im schulpflichtigen Alter. Und dies unabhängig davon, welche Position der Verstorbene innehatte und wie lange er im Unternehmen tätig war.

Kompakt

Das Problem
Für Menschen, die einen schweren Verlust erlitten haben, ist in der üblichen Arbeitsplatzkultur oft kein Raum. Führungskräfte brauchen daher einen Leitfaden, wie sie ihre Mitarbeiter dabei unterstützen können, wieder in einen produktiven Arbeitsalltag zurückzufinden.

Die Erkenntnis
Ein Trauerprozess verläuft gewöhnlich in drei Phasen (auch wenn die Reihenfolge nur selten eingehalten wird): Wut, Verzweiflung und die allmähliche Rückkehr ins alltägliche Leben mit neuem Selbst- und Weltbezug. Führungskräfte sollten über diese Phasen Bescheid wissen und Wege kennen, wie man mit jeder von ihnen am besten umgeht.

Die Lösung
Unmittelbar nach einem Todesfall sollten Vorgesetzte den Verlust ganz einfach anerkennen und keine Forderungen stellen. Ist der trauernde Mitarbeiter wieder zurück am Arbeitsplatz, sollten sie auf Leistungsund Stimmungsschwankungen mit Verständnis reagieren. Und wenn der Betroffene allmählich aus seiner Trauer herausfindet, sollten Führungskräfte diese Entwicklungschance unterstützen.

Diese HR-Maßnahme schlug bei Google ein "wie eine Bombe", berichtete Bock. "Das spricht die Werte jedes Menschen an, das ist wahres Mitgefühl und Barmherzigkeit. Für Mitarbeiter, die an einer unheilbaren Krankheit litten, war es eine ungeheure Erleichterung." Außerdem entlastet eine solche Personalpolitik Manager, die so nicht mehr ad hoc entscheiden müssen, wie sie mit den Hinterbliebenen eines verstorbenen Teammitglieds umgehen sollen. Gleichzeitig war Bock klar, dass die finanziellen Sorgen, die häufig mit einem Verlust einhergehen, nur die Spitze des Eisbergs sind.

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