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Performance Reviews Sonniger Tag, gute Bewertung?

Wer sich vom Vorgesetzten eine möglichst objektive Leistungsbeurteilung wünscht, sollte an diesem Tag auf Sonnenschein hoffen.
aus Harvard Business manager 9/2022

Studien zeigen: Bei Sonnenschein sind Aktienrenditen höher und Kunden geben großzügigeres Trinkgeld – wahrscheinlich weil gutes Wetter die Laune hebt. Bedeutet das auch, dass wir auf einen sonnigen Tag hoffen sollten, wenn das nächste Jahresgespräch ansteht?

Dieser Frage sind Carolyn Deller und Jeremy Michels, beide Assistant Professor für Rechnungswesen an der Wharton School, in einer Studie  nachgegangen. Sie wollten herausfinden, ob das Wetter den sogenannten Spillover-Effekt beeinflusst. Er beschreibt den Vorgang, dass ein Zustand einen anderen Zustand beeinflusst

Für die Studie baten sie 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Vereinigten Staaten darum, den fiktiven Bezirksleiter "David Sutton" zu bewerten. Dazu erhielten sie Notizen und Aufzeichnungen von Gesprächen mit Suttons Mitarbeitern. Zusätzlich konnten sie Suttons Verkaufszahlen einsehen – eine objektive Messung unabhängig von seiner Führungsleistung. Einige Teilnehmer führten die Beurteilung an sonnigen Tagen im Frühsommer durch, andere an bewölkten. Darüber hinaus gab es eine kleinere Kontrollgruppe, die die Verkaufszahlen nicht einsehen konnte, um die Auswirkungen des Wetters auf die subjektive Bewertung zu isolieren.

Die Studie zeigte: Das Wetter hatte keinen Einfluss auf die subjektive Bewertung durch die Kontrollgruppe. Wer seine Mitarbeitenden an einem bewölkten Tag bewertet, urteilt im Schnitt also genauso positiv oder negativ wie an einem sonnigen Tag. Allerdings beeinflusste das Wetter den Spillover-Effekt: Die subjektiven und objektiven Bewertungen ähnelten sich an sonnigen Tagen mehr als an bewölkten. Jedoch traf dies nur auf die Teilnehmenden aus dem Nordosten und Mittleren Westen der USA zu, wo die Sonne verhältnismäßig selten scheint. Andernorts ließ sich keine Verbindung zwischen dem Spillover-Effekt und dem Wetter herstellen. "Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Besonderheit von Frühsommersonnenschein im Nordosten und Mittleren Westen den Spillover-Effekt verschärfen kann", schreiben Deller und Michels.

In Folgestudien fanden die Forschenden keinen Zusammenhang zwischen der Wetterlage und der Stimmung der Probanden. "Das steht in Widerspruch zu der gängigen Annahme, dass der Einfluss des Wetters auf Entscheidungen auf wetterbedingte Stimmungsschwankungen zurückgehe." Wolkiges Wetter könne jedoch bei Beurteilenden – ganz unabhängig von ihrer Stimmung – einen systematischeren und detaillierteren Ansatz zur Informationsverarbeitung auslösen. Das Wetter selbst sei natürlich unkontrollierbar. Aber wer seine Auswirkungen auf die subjektive Leistungsbeurteilung verstehe, könne dies berücksichtigen und dem entgegenwirken.

Quelle: Carolyn Deller, Jeremy Michels: "The Effect of Weather on Subjective Performance Evaluation", Working Paper, Juni 2022

Ausgabe September 2022

Junge Säcke, alte Hüpfer

Mit 20 unterschätzt, mit 50 aussortiert: Die meisten Vorurteile sind falsch. Ein guter Altersmix macht Teams erfolgreicher.

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