Personal Was tun, wenn ein Teammitglied kündigt?

Eine Kündigung muss nicht das Ende der Zusammenarbeit bedeuten. Mit diesen sechs Strategien gehen Sie im Guten auseinander und halten die Türen für eine Rückkehr offen.
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Im ersten Quartal dieses Jahres kündigten in den USA jeden Monat über vier Millionen Menschen ihren Job. In Anbetracht dessen, dass derzeit 44 Prozent aller Beschäftigten einen Jobwechsel anstreben, ist es nicht unwahrscheinlich, dass auch jemand aus Ihrem Team Sie in naher Zukunft verlassen könnte. Und vielleicht wird es nicht die Person sein, mit der Sie rechnen oder die Sie sich erhoffen würden. Es könnte auch eine der Schlüsselfiguren Ihres Teams sein, mit der Sie gerne zusammenarbeiten und die großes Potenzial in Ihrem Unternehmen hat. Wie reagieren Sie also, wenn dieses Teammitglied seine Kündigung ausspricht?

Es gibt natürlich einige Dinge, die Sie nicht tun sollten – beispielsweise die Kündigung persönlich zu nehmen, die neuen Chancen der oder des Beschäftigten herabzusetzen oder der Person ein schlechtes Gewissen zu machen. Daneben gibt es jedoch auch sechs Schlüsselstrategien, die sicherstellen, dass Sie konstruktiv und professionell reagieren, während Sie die überraschende Nachricht verarbeiten.

1. Verdauen Sie die Nachricht

Nehmen Sie sich zunächst einen Moment Zeit, um die Kündigung auf sich wirken zu lassen. Es ist in Ordnung, sich überrascht zu zeigen oder etwas zu sagen wie: "Wow, damit habe ich nicht gerechnet." Auf keinen Fall aber sollten Sie impulsiv reagieren oder eine Bemerkung fallenlassen, die sie später bereuen und die beim Mitarbeiter einen schlechten Eindruck hinterlässt.

2. Ergründen und steuern Sie Ihre Emotionen

Atmen Sie anschließend erst einmal durch und versuchen Sie zu ergründen, was genau Sie fühlen. Susan David, die Autorin von Emotional Agility, führt an, dass das Benennen unserer Gefühle der erste Schritt zum Umgang mit ihnen ist. Versuchen Sie dabei so genau wie möglich zu sein. Unter Umständen sind Sie nicht nur überrascht, sondern fühlen sich vielleicht auch frustriert, entmutigt, verletzt, enttäuscht, verraten, wütend, verärgert oder einfach nur traurig. Es gibt viele feine Nuancen negativer Emotionen, und die Analyse Ihrer spezifischen Emotionen hilft Ihnen, sich Ihrer selbst besser bewusst zu werden, Ihre Gefühle effektiver zu verarbeiten und konstruktiver zu reagieren.

Gerade, wenn wir uns dieser negativen Emotionen nicht bewusst werden, können sie unerwartet hervortreten und unprofessionelle und unbedachte Bemerkungen oder Verhaltensweisen auslösen, die Sie vielleicht bereuen werden. So könnte Ihnen beispielsweise eine sarkastische oder abfällige Bemerkung herausrutschen. Es ist jedoch nie ratsam, mitzuteilen, dass Sie sich verraten oder verärgert fühlen, selbst wenn dies der Fall ist. Wenn Sie aber traurig oder enttäuscht sind, ist es natürlich in Ordnung, zu sagen: "Ich bin wirklich traurig, dass Sie uns verlassen, aber es klingt nach einer großartigen Chance. Wir werden Sie vermissen."

3. Nehmen Sie es nicht persönlich

Wenn wir uns durch eine Kündigung verletzt oder hintergangen fühlen, liegt das daran, dass wir sie persönlich nehmen. Selbst wenn Sie eine bessere Führungskraft sein könnten (seien wir ehrlich, bei uns allen ist noch Luft nach oben), sollten Sie eine Kündigung nie als Geringschätzung Ihrer menschlichen oder beruflichen Qualitäten verstehen. Es wäre am besten, wenn Sie Ihr Ego unterdrücken und über den negativen Gefühlen stehen, die Sie möglicherweise haben.

Die betreffende Person verlässt das Unternehmen vielleicht wegen besserer beruflicher Perspektiven, einer besseren Vergütung, aus persönlichen Gründen oder wegen aller genannten Faktoren. Wenn jemand im Unternehmenswechsel den besten Weg zur Erreichung dieser Ziele sieht, zeigt er damit Loyalität zu sich selbst – und nicht Missachtung Ihnen gegenüber. Sie sollten daher die Entscheidung respektieren. Schließlich würden Sie ebenfalls Akzeptanz erwarten, falls Sie selbst so entscheiden würden.

4. Zeigen Sie Interesse und Wachstumsdenken

Zeigen Sie echtes Interesse daran, warum ihr Teammitglied gekündigt hat und was es als Nächstes für seine Karriere plant. Fragen Sie sich stets, welche Erkenntnisse Sie hieraus ableiten können, die Ihnen, dem Unternehmen und anderen Beschäftigten für die Zukunft nützen können. Sie könnten sich beispielsweise erkundigen, was Sie oder das Unternehmen tun können, um die Mitarbeiterin oder den Mitarbeiter zum Bleiben zu bewegen. Zwar wird zu diesem Zeitpunkt die Antwort vermutlich "Nichts." lauten, da die Person wahrscheinlich bereits eine andere Stelle angenommen hat. Dies muss jedoch nicht zwingend der Fall sein.

So ließ eine Kundin von mir ihren Chef bei ihrer Kündigung wissen, dass ein Konkurrent bereit war, sie auf einer höheren Ebene mit viel höherer Entlohnung einzustellen – etwas, das ihr Unternehmen zuvor nur unverbindlich in Aussicht gestellt hat. Unerwarteterweise wurde ihr dann innerhalb weniger Tage von ihrem alten Arbeitgeber ein noch besseres Angebot unterbreitet, das sie schließlich doch zum Bleiben bewegte.

Auch wenn dieses Szenario die Ausnahme sein mag, ist es dennoch wichtig, die obige Frage in irgendeiner Form zu stellen. Sie können ebenso fragen: "Was hätten wir noch tun können, um Sie zu halten?" oder "Was reizt oder begeistert Sie am meisten an dieser neuen Stelle?" Als Antwort könnten dann Faktoren wie die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, Möglichkeiten des Homeoffice, eine integrativere Unternehmenskultur, neue Herausforderungen oder eine größere Verantwortung und Entscheidungsbefugnis genannt werden.

Solche Gegebenheiten sind zwar nur selten von heute auf morgen änderbar. Dennoch ist dies ein nützliches Feedback für Sie und das Unternehmen, das es Ihnen ermöglicht, Verbesserungen in diesen Bereichen auf den Weg zu bringen, um aktuelle sowie zukünftige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter halten zu können – auch wenn dies für die ausscheidende Person zu spät kommen mag.

5. Seien Sie hilfsbereit

Es ist wichtig, auch zu ausscheidenden Mitarbeitern eine positive Beziehung aufrechtzuhalten. Zeigen Sie sich also unterstützend gegenüber der kündigenden Person und ermöglichen Sie ihr, das Arbeitsverhältnis zu einem sauberen Abschluss zu bringen. Eines Tages könnten Sie die Person selbst als Referenzgeber brauchen.

Außerdem sind ehemalige Beschäftigte immer auch Markenbotschafter für das Unternehmen und können künftige Kunden, Klienten oder Empfehlungsgeber für das Unternehmen und andere Mitarbeiter sein. Wenn Sie sich also, so enttäuscht sie auch sein mögen, unterstützend und enthusiastisch gegenüber dem neuen Karriereschritt zeigen, werden sich ausscheidende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Tür für eine eventuelle Rückkehr in das Unternehmen offen halten. Loben Sie daher den bisherigen Beitrag der kündigenden Person und fragen Sie sie, wie Sie ihr bei der Übernahme ihrer neuen Aufgabe behilflich sein können.

6. Finden Sie einen sauberen Abschluss

Wenn eine Person kündigt, hat sie wahrscheinlich ein gewünschtes Enddatum im Kopf. Vielleicht will die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter eine Auszeit einlegen, bevor er oder sie eine neue Stelle antritt. Machen Sie sich bewusst, was die ausscheidende Person von Ihnen braucht und was Sie wiederum von Ihr brauchen, bevor das Arbeitsverhältnis endet, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten. Dies kann ein beiderseitiges Entgegenkommen beinhalten, im Zuge dessen ein bestimmtes Projekt oder eine Reihe von Aufgaben abzuschließen sind oder gar ein Ersatz eingestellt und eingelernt wird.

Fazit

Wenn jemand kündigt, muss das nicht gleich das Ende der Welt oder überhaupt das Ende einer Beziehung sein. So sehr Sie dadurch auch auf dem falschen Fuß erwischt werden, die sechs oben genannten Strategien können Ihnen dabei helfen, auf eine konstruktive Weise zu reagieren, die die Beziehung erhält und allen Beteiligten hilft, in ihrer Karriere voranzukommen.

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