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Profisegler Boris Herrmann So wichtig ist Teamarbeit für einen Solosegler

Vier Jahre lang hat sich Boris Herrmann auf die härteste Regatta der Welt vorbereitet. Fast drei Monate segelt er allein um die Welt. Sein Erfolg hängt dennoch vor allem von seinem Team ab.
Das Interview führten Ingmar Höhmann und Christiane Sommer
aus Harvard Business manager Spezial 1/2021
Boris Herrmann an Bord seiner Yacht Seaexplorer

Boris Herrmann an Bord seiner Yacht Seaexplorer

Foto: YANN RIOU

Harvard Business manager: Als Einhandsegler sind Sie mutterseelenallein auf Ihrem Schiff. Wozu brauchen Sie da eigentlich ein Team, Herr Herrmann?

Boris Herrmann: Sie können sich das etwa so vorstellen wie in der Formel 1. Ich bin als Skipper zwar der Pilot auf dem Boot, der es so schnell wie möglich steuert. Aber für die technische Seite brauche ich genauso wie ein Rennfahrer eine ganze Menge Experten, die dafür sorgen, dass alles reibungslos läuft.

Die Vendée Globe findet nur alle vier Jahre statt und ist das Rennen, von dem wohl jeder Soloskipper träumt. Kommt es da nicht vor allem auf Ihr Können an?

Natürlich sollte ich keine Fehler machen. Aber mein Schiff liegt im Wesentlichen in der Hand des Teams. Unser Erfolg bei der Regatta hängt zu 80 Prozent von seinen Mitgliedern ab. Wenn diese Menschen Fehler machen, wird das mein Schicksal bestimmen. Genauso wie die vielen guten Entscheidungen, die sie treffen. Segeln ist genau wie Autorennen ein mechanischer Sport. Wenn in der Formel 1 eine Bremse nicht funktioniert, hat der Pilot keine Chance. Wenn bei uns eine Leine durchrutscht, die Hydraulik leckt oder irgendein Teil bricht, ist der Wettbewerb in der Regel gelaufen.

Ist es wirklich möglich, derlei Pannen auszuschließen?

Gründliche Vorbereitung ist alles. Ich bereite mich im Grunde seit fast zwölf Jahren auf meine erste Vendée Globe vor. Seit damals segele ich bei großen internationalen Regatten mit. Segeln ist ein Erfahrungssport. Viele Segler sind oft erst in höherem Alter so richtig erfolgreich. Es ist deshalb gar nicht selten, dass ein Skipper die ganz großen Einhandrennen mit 50 oder 60 Jahren gewinnt. Als Team bereiten wir uns seit vier Jahren auf diesen Herbst vor. Im Winter 2016 haben wir das Boot gekauft, seit 2017 segeln wir es so oft wie möglich. Wir sind ständig am Testen und probieren alles Mögliche aus.

Das klingt aufwendig. Wie viele Leute sind im Team mit der Vorbereitung beschäftigt?

Das variiert stark und hängt von den anstehenden Aufgaben ab. Unsere vier festen Techniker sind immer dabei. Im vergangenen Winter hat sich unser Team auf 14 feste Mitglieder vergrößert. Hinzu kommen Externe. Zu Spitzenzeiten sind es schon mal 25 Leute, die um das Boot herumspringen. Viele kommen aus der Elektronik, denn so ein Boot ist vollgestopft mit Hightech. Wir haben beispielsweise optische Messgeräte an Bord wie ein Helikopter. Leistungsstarke Kompasse, wie wir sie nutzen, werden sonst nur vom Militär eingesetzt. Allein um den Wind zu berechnen, haben wir einen eigenen Computer. Und natürlich haben wir verschiedene Rechner für den Autopiloten und eine Infrarotkamera, die mithilfe von Machine Learning und KI Objekte im Wasser analysiert. Wir produzieren rund vier Gigabyte Daten am Tag.

Unternehmen haben oft große Schwierigkeiten, kurzfristig die passenden Spezialisten zu finden. Wie machen Sie das für das Team der "Seaexplorer"?

Das läuft meistens über Kontakte. Wenn wir jemanden brauchen, dann fragen wir: Wer kennt wen? Der professionelle Segelsport ist zwar sehr international – aber die meisten kennen sich über ein paar Ecken. Als wir uns relativ kurzfristig zu einem größeren Umbau entschlossen, haben wir das auf Facebook  gepostet und gefragt: Wer hat Lust und Zeit, zu uns nach Port-la-Fôret in die Bretagne zu kommen und uns zu helfen, an unserem Boot zu arbeiten? Es haben sich eine ganze Menge Leute aus aller Welt gemeldet – die waren alle super. Andere kamen über Empfehlungen. Das klappt eigentlich immer ziemlich gut.

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