Zur Ausgabe
Artikel 5 / 27
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Der beste Rat, den ich je bekommen habe "Ratschläge auf den Politkalender abstimmen"

Nehmen Chefinnen und Chefs selbst Ratschläge an? Und was macht einen guten Rat eigentlich aus? Wir haben uns in Politik, Wissenschaft und Wirtschaft umgehört. Manfred Fischedick, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Wuppertal Instituts, über die richtige Karriereentscheidung - und seine Erfolge als Partnervermittler.
aus Harvard Business manager Spezial 1/2022
Foto: Stefan Boness / IPON / SZ Photo

Den besten Rat meines Lebens habe ich wohl Anfang der 90er Jahre erhalten. In der Schlussphase meiner Promotion suchte ich nach beruflicher Orientierung. Aus meinem Freundeskreis kamen mehrere Hinweise auf das erst kurz zuvor etablierte Wuppertal Institut. Dort, hieß es, könne ich mich wahrscheinlich in idealer Form einbringen, die Ziele der Denkfabrik entsprächen genau meinen Qualifikationen und Neigungen: Klima- und Umweltschutz sowie nachhaltige Energiewirtschaft.

Ich bewarb mich, wurde nach meinem Abschluss eingestellt und fand tatsächlich ein für mich optimales Umfeld, in dem ich wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse in geeignete Maßnahmen umsetzen konnte. Heute bin ich wissenschaftlicher Geschäftsführer des Wuppertal Instituts und erfreue mich an den für mich dort noch immer idealen Bedingungen, um nun selbst Rat zu geben für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

In den frühen Jahren fiel es den Mitarbeitern des Wuppertal Instituts nicht immer leicht, Gehör zu finden für ihre Themen und Problemlösungsvorschläge. Das Modell eines interdisziplinär arbeitenden Thinktanks und einer transformativen Wissenschaft, das wir hier nun seit 30 Jahren erfolgreich betreiben, war damals noch recht neu in Deutschland. In der Zeit kurz nach der Wiedervereinigung wurde die Agenda von anderen Themen bestimmt, und die führenden Persönlichkeiten sowohl am Institut wie bei den Auftraggebern und Ansprechpartnern waren anders orientiert und organisiert. Hier am Institut, das räume ich ein, arbeitete damals so mancher Querkopf.

Inzwischen haben alle gesellschaftlichen Stakeholder dazugelernt, und der Handlungsdruck bei Klima- und Energiefragen ist der breiten Öffentlichkeit in fast allen Regionen der Welt längst bewusst. Die 2020er Jahre gelten als entscheidendes Jahrzehnt für ein Thema, dessen Bedeutung für jegliche Form von Zivilisation die politische Agenda prägt. Wir erhalten Aufträge aus ganz Europa und beraten jetzt viel öfter Städte und Gemeinden – die Entstehungsstätten von 80 Prozent der klimawirksamen Emissionen.

Aber auch wir Wissenschaftler und Berater haben uns weiterentwickelt und angepasst. Wir wissen jetzt: Für effizienten Klimaschutz reicht es nicht, schlaue Gedanken zu Papier zu bringen. Wir sind auch für die praktische Umsetzung mitverantwortlich.

Ein optimales Ergebnis lässt sich nur erzielen, wenn wir die richtigen Möglichkeiten auch zum richtigen Zeitpunkt eröffnen können – und der wird häufig von der politischen Agenda bestimmt. Politiker haben oftmals wenig Zeit für differenzierte Analysen und inhaltliche Vorbereitungen. Also müssen wir Denkfabrikanten unsere Ratschläge auf den politischen Kalender abstimmen, etwa wenn eine Europäische Ratspräsidentschaft ansteht.

Doch gebe ich nicht nur in beruflichen Zusammenhängen Rat. Im privaten Bereich ist es mir zum Beispiel gelungen, die eine oder andere Partnerschaft zu stiften. Ich lade dann Alleinstehende, von denen ich glaube, dass sie gut zusammenpassen, zum Kaffeetrinken ein, lasse sie sich gegenseitig kennenlernen, und frage sie hinterher einzeln, ob sie sich nicht weiter und näher miteinander beschäftigen wollen. Das wirkt dann wie ein guter Rat zur Paarbildung. Daraus sind schon glückliche Familien entstanden. © HBm 2022

Spezial Leadership

Führen wie ein Coach

Wie Sie das Beste aus sich und Ihrem Team herausholen

Zur Ausgabe Jetzt abonnieren

Dieser Artikel erschien im Spezial 2022 des Harvard Business managers.

Zur Ausgabe
Artikel 5 / 27
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel