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Improvisationstheater und Personalführung Neuer Schwung im Team

Eine Verhaltensforscherin besuchte einen zehnwöchigen Kurs im Improvisationstheater – und brachte von dort drei Regeln mit, die Managern bei der Personalführung helfen können.
aus Harvard Business manager 10/2019
Foto: Paul Phung

Seit ein paar Jahrzehnten wird Arbeit in zunehmendem Maß von Teams geleistet und weniger von Einzelnen. Umfragen deuten darauf hin, dass Teams für das Mitarbeiterengagement eine sehr wichtige Rolle spielen. Doch aus langjährigen psychologischen Untersuchungen und aus der Managementforschung (darunter die bahnbrechenden Studien des Psychologen J. Richard Hackman) weiß man, dass Teamarbeit das Engagement und die Produktivität der Mitarbeiter nicht unbedingt immer verbessert.

Einer der Hauptgründe dafür: Führungskräfte neigen dazu, das Gespräch an sich zu reißen; sie hören nicht zu und verschließen sich den Ideen ihrer Mitarbeiter. Daher sind die Teammitglieder oft viel zu verängstigt – oder schlicht und einfach zu gelangweilt und zu desinteressiert –, um eigene Ideen in die Diskussion einzubringen.

Im Rahmen meiner wissenschaftlichen Forschung habe ich mich mit verschiedenen Arten von Teams und einer Vielzahl von Organisationen weltweit beschäftigt. Die Gruppe, in der Kommunikation am besten funktionierte und bei der alle Mitglieder gleichermaßen wichtige Beiträge leisteten und etwas lernten, fand ich nicht in den Büroräumen eines Unternehmens, sondern in einem Theaterkurs. Ich hatte meinen Mann und mich zu einem zehnwöchigen Lehrgang in einem Improvisationstheater angemeldet, um ein bisschen Abwechslung in unsere übliche Abendgestaltung aus Restaurant- und anschließendem Kinobesuch zu bringen. Zu meiner großen Überraschung gab mir diese allwöchentliche Flucht aus dem Alltag wichtige Anregungen zur Verbesserung der monotonen Arbeit der Teams, die ich bis dahin analysiert hatte.

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In einem improvisierten Theaterstück, bei dem Schauspieler gemeinsam eine Szene entwickeln oder eine Geschichte erzählen, hat jeder die Möglichkeit, etwas zu sagen. Die Beiträge sämtlicher Mitspieler sind willkommen und werden wertgeschätzt; alle kooperieren miteinander, unterstützen sich gegenseitig und arbeiten auf ein gemeinsames Ziel hin. Es ist wichtig, alle Teilnehmer einer Gruppe auf diese Weise einzubinden: Denn dadurch, dass wir über die Ideen und Perspektiven anderer Menschen diskutieren, lernen wir etwas voneinander und können bessere Entscheidungen treffen. Und je mehr wir das Gefühl haben, dass unsere Beiträge mit Wertschätzung aufgenommen werden, desto eher sind wir bereit, andere an unseren Ideen teilhaben zu lassen.

Schauspieler stehen gern im Mittelpunkt. Wie schaffen sie es dann, eine so egalitäre Atmosphäre zu erzeugen? Indem sie gewisse Spielregeln festlegen und mit Techniken arbeiten, die Kooperation fördern. Diese Vorgehensweise können Führungskräfte in leicht abgewandelter Form auch auf die Arbeitsabläufe in einem Unternehmen anwenden. Die folgenden drei Improvisationstechniken sind hilfreich für Manager, die sich engagiertere Teams wünschen.

1. Erst zuhören, dann sprechen

Denken Sie an Ihre letzte Teambesprechung zurück. Haben Sie Ihren Teamkollegen bei deren Redebeiträgen tatsächlich zugehört oder sich in Gedanken bereits auf Ihre eigenen Argumente vorbereitet? Meine Untersuchungen deuten darauf hin, dass Letzteres leider eher die Regel als die Ausnahme ist. Genau darauf zu achten, was andere sagen – ihnen aufmerksam zuzuhören und erst dann das Wort zu ergreifen, wenn sie ausgeredet haben –, ist ein Grundprinzip des Improvisationstheaters. Denn dabei besteht das Ziel nicht darin, sich zu überlegen, was man als Nächstes sagen möchte, sondern darin, spontan auf die Aussage seines Partners zu reagieren. Und das kann man nur, wenn man aufmerksam zuhört und sich auf die Emotionen und die Rhythmik einstimmt, die der Partner für die Szene vorgibt. Wenn wir warten müssen, bis unser Kollege ausgeredet hat, fällt es uns leichter, präsent zu sein und seine Worte in uns aufzunehmen.

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