Antonia Götsch

Newsletter Lead Forward Wirkt Ihr Lächeln wirklich sympathisch?

Wie häufig suchen Sie online nach einem Namen, bevor sie jemanden treffen? Die Antwort lautet: Fast immer. Und zwar egal, ob es sich um ein Blind Date handelt oder einen Stellenbewerber.

Wie häufig suchen Sie online nach einem Namen, bevor sie jemanden treffen, beispielsweise bei Google, Facebook, Xing, Linkedin oder Instagram? Die Antwort lautet: Fast immer. Und zwar egal, ob es sich um ein Blind Date handelt oder einen Stellenbewerber, den Sie treffen. Umgekehrt läuft es natürlich genauso: Sie werden ausgekundschaftet.

Ob wir es mögen oder nicht: Der erste Eindruck, den wir hinterlassen, schlägt alles, was danach kommt. Menschen warten mit ihrem Urteil nicht, bis sie jemanden besser kennen. Schuld daran ist eine Dynamik, die sich Primäreffekt ("primacy effect") nennt oder auch kognitiver Bias. "Die ersten Informationen über eine Person beeinflussen, wie wir spätere Informationen interpretieren", schreibt Autorin Rachel Greenwald, die Gespräche mit mehr als 1000 Menschen über Dating ausgewertet - und ihre Analysen aufs Berufsleben übertragen hat.

Unser Profilfoto löst einen negativen Bias aus

Unser Gegenüber sieht uns in einem positiven, wohlwollenden Licht, weil wir im Netz sympathisch, klug und engagiert wirken. Oder wir lösen einen negativen "confirmation bias" aus: Menschen sehen das, was sie erwarten, und ignorieren danach Informationen, die diesen Erwartungen widersprechen.

Unser formelles Profilfoto mit gescheiteltem Haar und altbackener Brille, das wir längst austauschen wollten, wird als "spießig" gelesen. Die Tippfehler in unserem letzten Posting signalisieren, dass wir schludern und es nicht so genau nehmen. Das verwaiste und nicht gepflegte Instagram-Profil macht aus uns einen "Möchtegern-Digitalo".

Die gute Nachricht: Wir können beeinflussen, wie unser erster Eindruck wirkt. Ein konkreter Tipp, den Rachel Greenwald gibt: "Wählen Sie Ihre Social-Media-Fotos nicht selbst aus. Bitten Sie stattdessen drei Menschen um Rat, die Sie nicht sehr gut kennen. Zeigen Sie ihnen die Fotoauswahl und beschreiben Sie, welchen ersten Eindruck Sie am liebsten hinterlassen wollen." Vielleicht wirkt das Lächeln, das wir für freundlich halten, auf Andere arrogant.

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Im Podcast geht es diese Woche um Social Media und ob Managerinnen und Manager heute eine Marke sein müssen. Tijen Onaran erreicht zehntausende Menschen und hat das Buch "Wer nicht sichtbar ist, findet nicht statt” geschrieben. Sie erklärt, wie modernes Personal Branding funktioniert.

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