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Der beste Rat, den ich je bekommen habe "Sich in den Dienst von anderen Stellen"

Nehmen Chefinnen und Chefs selbst Ratschläge an? Und was macht einen guten Rat eigentlich aus? Wir haben uns in Politik, Sport und Wirtschaft umgehört. Der Formel 1-Weltmeister befasst sich mit buddhistischer Lehre.
aus Harvard Business manager Spezial 1/2022
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Sean Gallup / Getty Images

Harvard Business manager: Herr Rosberg, beim Kampf um die Weltmeisterschaft gibt es im hochprofessionellen Expertenteam eines Formel-1-Rennstalls sicher permanent Ratschläge. Welcher Rat hat Ihnen wirklich geholfen?

Nico Rosberg: Der beste Rat, den ich erinnere, kam nicht von einem Mitglied des Rennteams, sondern von dem Psychologen, der mich zehn Jahre lang betreut hat, auch im Zusammenhang mit meiner Motorsportkarriere. Seine Beratung führte mich heraus aus den engen Regularien des Rennbetriebs, hin zu einem "Life of Service". Gemeint ist eine Lebensführung, die sich in den Dienst von anderen stellt, eine Hingabe an die Ziele anderer.

Das hört sich nach einer Veränderung an, die sich wahrscheinlich nicht von heute auf morgen umsetzen ließ.

Ja, das war ein jahrelanger Prozess, in dem ich viel gelesen und mich immer wieder mit dem Thema befasst habe, gemeinsam mit meinem Psychologen und ohne ihn. Schließlich war ich in einer Atmosphäre des Wettbewerbsdrucks und maximal egoistischen Vorgehens aufgewachsen. Schon mein Vater war in der Formel 1 Weltmeister, nach meinem Wechsel zu Mercedes war mein stärkster sportlicher Rivale Teil meiner Teamfamilie. Und mit den Rekordweltmeistern Michael Schumacher und später Lewis Hamilton war der Konkurrenzdruck maximal. Da war es ganz und gar nicht selbstverständlich, Hingabe an die Ziele anderer einzuüben. Ich habe mich dann mit der buddhistischen Lehre befasst, die ihren Gläubigen diese Haltung nahelegt.

Was waren Ihre Motive, dem Rat Ihres Psychologen zu folgen?

Zwar konnte ich mich an meinen Rennerfolgen freuen, doch fehlte mir ein verbindendes Element in meiner gesamten Lebenshaltung, um mich wohlzufühlen. Manchmal muss ich mich auch heute noch zu dieser Haltung motivieren, ich arbeite immer weiter an mir.

Wie setzen Sie dieses Bild von der Hingabe an die Ziele anderer heute um?

Durch wertebasiertes Unternehmertum. Ich beteilige mich an Firmen, die gegen den Klimawandel  arbeiten, gehöre zum Beispiel zu den Veranstaltern des Green Tech Festivals in Berlin. In meinem Family Office setze ich die Interessen der 18 Mitarbeiter an die erste Stelle und ermutige sie zugleich, sich sozial zu engagieren. Jeder und jede soll sich im Jahr zwei bezahlte Tage freinehmen, um in Charity-Projekten mit anzupacken.

Was heißt das konkret? Wie setzen Sie die Interessen Ihrer Mitarbeiter um?

In meinem jüngsten Investment, dessen Namen ich noch nicht bekannt geben darf, gibt es zum Beispiel ein Programm, um Burn-out  zu vermeiden. Die Mitarbeiter dort sind erst am Nachmittag ansprechbar für Kontakte von außen, die Arbeitszeit am Morgen nutzen sie gezielt für sogenanntes Deep Dive, also für ungestörtes, konzentriertes Arbeiten an den wichtigsten Projekten. Ältere Investoren lehnen solche Maßnahmen oft ab, die wollen täglich 14 oder 16 Stunden harten Einsatz sehen und kontrollieren können. Nach meinem Eindruck funktioniert aber die Arbeitswelt der jungen Generation so nicht mehr. Eine aufgeschlossene Haltung gegenüber den Wünschen und Notwendigkeiten der Beschäftigten auch im Sinne einer Work-Life-Balance bringt bessere Talente in die Firmen.

Abgesehen von Ihrem großen Projekt eines "Lebens, um zu dienen", können Sie Ratschläge gut annehmen?

Ja, vor allem wenn Sie von erfahrenen Menschen in bester Absicht erteilt werden. In meiner Zeit im Mercedes-Rennstall gehörte zum Beispiel der umfassend erfahrene Niki Lauda zum Team und hat mir viele gute Ratschläge gegeben – im Rennbetrieb und darüber hinaus. Für mich war der dreifache Weltmeister gewissermaßen ein Vorbild, fürs Team ein wichtiger Ratgeber. © HBm 2022

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Dieser Artikel erschien im Spezial 2022 des Harvard Business managers.

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