Antonia Götsch

Newsletter Lead Forward Nein sagen

Den ganzen Tag prasseln Anfragen auf Führungskräfte ein, meistens sagen wir "Jein", obwohl wir eigentlich ablehnen wollen. Diese Strategien helfen mir dabei, stark zu bleiben.

"Die Fähigkeit, das Wort 'Nein' auszusprechen, ist der erste Schritt zur Freiheit", hat der französische Schriftsteller Nicolas Chamfort prägnant formuliert. Wenn es nur immer so einfach wäre.

Die meisten von uns bearbeiten jeden Tag stundenlang Anfragen. Sie stammen nicht nur von direkten Vorgesetzten und Teamkollegen, sondern auch von "internen Kunden" aus allen Bereichen des Organigramms. Hinzu kommen noch Bitten von Familie, Freunden, Bekannten, Kontakten bei LinkedIn oder Xing.

Allein die Anliegen zu prüfen, kostet Zeit. Zuzustimmen bringt uns oft ab von dem, was wir wirklich tun wollten und sollten. Dennoch haben viele Führungskräfte Schwierigkeiten mit dem Wort 'Nein'. Sie sagen "Jein", wenn sie eigentlich 'Nein' sagen wollen. Oder denken sich: Das mache ich noch schnell.

Wissenschaftler haben Führungskräfte und Teammitglieder drei Wochen lang Tag für Tag bei der Arbeit beobachtet. Je öfter diese Personen pro Tag auf Hilfeanfragen von Kollegen reagierten, desto erschöpfter waren sie – und desto mehr Mühe hatten sie, aufmerksam zu bleiben und schwierige Aufgaben erfolgreich abzuschließen. Kaum etwas schadet unserer Konzentration und Motivation mehr als ständige Mikrounterbrechungen. "Allzu oft pflastern gute Absichten den Weg zum Burn-out", schrieb Adam Grant , Bestsellerautor und Professor für Organisationspsychologie schon 2017 für den Harvard Business manager.

Um nicht in einer Flut von Anfragen zu ertrinken, empfiehlt Adam Grant drei Leitfragen, die Sie sich stellen sollten, bevor Sie antworten:

  • Wie wollen Sie helfen?

  • Wann können Sie sich Zeit für andere nehmen?

  • Wer verdient überhaupt Ihre Unterstützung?

Wenn also nächstes Mal jemand hereinkommt oder per Videocall anruft, prüfen Sie, wie dringend und wichtig die Situation ist. Überlegen Sie, wer helfen kann – und ob Sie die einzige Person sind.

Erst dann entscheiden Sie, wie – oder ob überhaupt – Sie selbst aktiv werden.

Mir hilft übrigens folgender Gedanke dabei, Anliegen abzulehnen und Nein zu sagen: "Wenn ich es nicht schaffe, Nein zu sagen, werde ich nicht in der Lage sein, zu wirklich wichtigen Dingen Ja zu sagen."

Wenn ich zustimme, bei jeder Konferenz, für die ich angefragt werde, aufzutreten, habe ich keine Zeit für meine Mitarbeiter. Bearbeite ich stundenlang Artikel für eine Kollegin, kann ich mich nicht um unsere Strategie kümmern. Und wenn ich länger arbeite, um einem Kollegen zu helfen, habe ich keine Zeit, um mit meinem Kind Abendbrot zu essen.

Wie geht es Ihnen, fällt es Ihnen eher leicht oder schwer, Nein zu sagen?

P.S. Hören Sie in unserem neuen Podcast, mit welchen Strategien wir einen drohenden Burn-out abwenden können und wie wir uns selbst schützen können. Felix Haas, Bits & Pretzels-Gründer und Investor, spricht sehr offen über Warnsignale und was ihm selbst geholfen hat.