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Der beste Rat, den ich je bekommen habe "Entscheide wie ein freier Mensch"

Nehmen Chefinnen und Chefs selbst Ratschläge an? Und was macht einen guten Rat eigentlich aus? Wir haben uns in Politik, Wissenschaft und Wirtschaft umgehört. Miriam Wohlfarth, Gründerin und Expertin für Digitalwirtschaft, über die Entscheidung ihr Studium abzubrechen und auf Reisen zu gehen.
aus Harvard Business manager Spezial 1/2022
Foto:

Jakob Hoff / IMAGO

Ich war Anfang 20 und ziemlich unglücklich mit meinem Studium der Volkswirtschaft, Politik und Amerikanistik. Ein Bekannter, den ich damals im Urlaub kennenlernte, fragte mich direkt, warum ich stattdessen nicht tue, was mir mehr Freude bereitet. "Bist du nicht frei zu tun, was du möchtest?"

Beim Nachdenken über die Antworten fiel mir auf, dass ich mich bei meiner Entscheidung fürs Studium von den Erwartungen meines Umfelds hatte leiten lassen, dass ich generell fast nur Dinge tat, die mein soziales Umfeld von mir verlangte. Ich beschloss, das Studium zu unterbrechen und auf Weltreise zu gehen. Meine Eltern waren nicht begeistert und weigerten sich, die Reise zu finanzieren.

In den 14 Monaten meiner Reise verdiente ich meinen Lebensunterhalt durch Jobben, meist als Kellnerin, aber auch als Verkäuferin und Autowäscherin. So habe ich gelernt, auf eigenen Füßen zu stehen, meinen eigenen Weg zu finden und Entscheidungen vor allem nach meinen eigenen Kriterien zu fällen. Das hat mich frei gemacht im Kopf – und die Weichen gestellt für meinen späteren Lebensweg als Gründerin.

Entscheide und handle wie ein freier Mensch – das liest sich jetzt vielleicht simpler, als es tatsächlich war. Als ich nach Hause zurückkam, musste ich feststellen: Ich hatte versäumt, mich zu exmatrikulieren. Meine Studienzeit war somit während meiner Abwesenheit weitergelaufen. Mir wurde schnell klar, dass ich das Versäumte in der verbleibenden Zeit kaum würde nachholen können. Ich schmiss also mein Studium und begann eine Lehre in einem Reisebüro. Dieser Umweg brachte mich dennoch weiter. Übers Reisen kam ich zum Vertrieb und ab dem Jahr 2000 in die Digitalbranche.

Neun Jahre später habe ich dann mit zwei Partnern Ratepay gegründet, einen Digitaldienstleister für den Zahlungsverkehr bei Onlinekäufen, der inzwischen über 270 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählt. Mit drei anderen Gründern habe ich im vergangenen Jahr das nächste Fintech-Unternehmen gegründet, das Start-up Banxware.

Bewusst oder unbewusst habe ich einen zweiten guten Rat beherzigt, den mir mein Vater, einst Führungskraft beim IBM-Konzern, nach meiner Rückkehr von der Weltreise gegeben hatte. "Begeisterung ist das Prinzip aller Möglichkeiten". Das deckt sich mit meiner Erfahrung: Man arbeitet nur dann gut, hat nur dann Erfolg, wenn die Arbeit Spaß macht. © HBm 2022

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Dieser Artikel erschien im Spezial 2022 des Harvard Business managers.

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