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Teamführung "Das Team steht an erster Stelle"

Die US-Fußballerin Megan Rapinoe gewann mit ihrem Team die Weltmeisterschaft 2019. Was die Weltfußballerin des Jahres 2019 Unternehmen empfiehlt, die Ausgrenzung und Rassismus verhindern wollen.
Mit Megan Rapinoe sprach Alison Beard
aus Harvard Business manager 8/2020
Foto:

Gareth Cattermole – FIFA / Getty Images

Wie schaffen Sie es, unter Druck die Nerven zu behalten, zum Beispiel beim Elfmeterschießen während der Weltmeisterschaft 2019?

Rapinoe: Wenn du zum Stammteam der Nationalmannschaft gehörst und es bis zur WM geschafft hast, liegt das Schwierigste hinter dir – du bist bestens vorbereitet. Zudem mag ich große Turniere. Ich schwelge in der Atmosphäre im Stadion: Ich liebe die Zuschauermassen. Ich liebe es, im Rampenlicht zu stehen. Denn das passiert Frauen im Sport eher selten. All das macht mir einfach riesigen Spaß.

Wie verarbeiten Sie Niederlagen?

Rapinoe: Es ist wichtig, dass Sie das Gefühl der Niederlage zulassen. Meine erste große Niederlage war die Weltmeisterschaft 2011. Wir lagen vorn und hatten nur noch zwei Minuten zu spielen. Aber dann kassierten wir ein Tor und verloren das Elfmeterschießen. Nachdem du deinen Frust unter der Dusche herausgeschrien hast, wird dir klar: Es gibt immer noch ein neues Spiel. Es ist Sport – dazu gehört, dass man nicht immer gewinnt.

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Wie sind Sie in Ihre Rolle als Kapitänin hineingewachsen?

Rapinoe: Hineingewachsen – das trifft es ganz gut. Ich glaube, ich habe ein besonderes Charisma und das Vertrauen  meiner Teamkolleginnen. Zudem übernahm ich Verantwortung wie niemals zuvor. Im Profisport fühlen Sie sich manchmal wie im Film "Und täglich grüßt das Murmeltier". Sie machen über zehn Jahre dasselbe. Mehr in Richtung Führungskraft zu gehen war eine Möglichkeit, mich emotional und intellektuell weiterzuentwickeln. Ich war schon immer eine Spielerin, für die ihr Team an erster Stelle stand. Ich war nie die Beste, aber ich übernehme große Teile der Last. Ich möchte gewinnen. Aber ich möchte, dass es die anderen mit mir zusammen tun – und ich mit ihnen. Wenn eine ältere Spielerin dafür sorgt, dass sich jede von uns gesehen, gehört und selbstbewusst fühlt und ihren Platz in der Mannschaft hat, bewirkt das enorm viel.

Sie setzen sich für mehr Gerechtigkeit bei der Entlohnung von Männern und Frauen im Fußball ein.

Rapinoe: Um eine sinnvolle Diskussion über Vergütung zu führen, müssen Sie im Sport auch über Investitionen in Jugendprogramme, medizinische Unterstützung, Marketing und Sponsoring sprechen. Natürlich könnten Sie argumentieren, dass Männersport im Durchschnitt mehr Besucher hat als Wettkämpfe der Frauen. Wenn beim Ticketvertrieb jedoch für ein Spiel der Männer zehn Mitarbeiter eingesetzt werden und für unsere Veranstaltungen nur einer, ist ein Vergleich unfair. Wir brauchen ein ausgeglichenes Verhältnis.

Sie engagieren sich seit 2016 öffentlich gegen Rassismus – ein Thema, das auch aktuell wieder im Fokus steht.

Rapinoe: Wir hatten schon damals (im Jahr 2016 – Anm. d. Red.) einen Sommer hinter uns, der stark von Gewalt geprägt war. Die Polizei hatte mehrere Morde an Menschen verübt, deren Haut eine andere Farbe als Weiß hatte. Es gab massenweise Inhaftierungen. Jeder, der das bestreitet, schaut bewusst weg. Als lesbische Frau und Sportlerin weiß ich, wie wichtig Verbündete sind. Deshalb war mir klar: Das hier ist etwas Konkretes, bei dem ich helfen kann. Als weiße Athletin kann ich Unterstützung leisten. Viele Menschen scheuen davor zurück, wenn es nicht darum geht, buchstäblich ihre eigene Haut zu retten. Aber das ist für mich absolut kein Kriterium. Hier geht es um etwas sehr Grundsätzliches, das schiefläuft und endlich aufhören muss.

Was können Unternehmen tun, um Ausgrenzung zu verhindern?

Rapinoe: Sie sollten zuallererst für ein gutes Arbeitsumfeld sorgen. Dazu gehört, wie kommuniziert wird. Aber auch, welche Weiterbildungsmöglichkeiten es gibt. Selbstverständlich spielt außerdem der Einstellungsprozess eine wichtige Rolle. Und mit wem das Unternehmen Geschäfte macht und wie seine Führungsmannschaft aufgestellt ist. All das signalisiert Menschen, ob sie sich sicher fühlen können oder nicht. Wichtig ist zudem, dass das Gros der Mannschaft so handelt, dass Benachteiligungen gar nicht erst entstehen. © HBP 2020

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