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Manfred Tropper über Zusammenarbeit Es braucht nur eine banale Frage

Manfred Tropper ist einer der Gründer von Mantro, einem Company Builder. Die Firma gründet mit Partnerunternehmen Joint Ventures. Im eigenen Team hat er harte Zeiten hinter sich.
aus Harvard Business manager Spezial 1/2021
Manfred Tropper, einer der Gründer von Mantro

Manfred Tropper, einer der Gründer von Mantro

Foto: PR

Zusammenarbeit ist der Kern unseres Geschäftsmodells. Wir merken aber, dass es vielen Menschen schwerfällt, sich wirklich auf Teamarbeit einzulassen. Wir sind durch unser Schulsystem und die Ausbildung so darauf konditioniert, bei jedem eine Hidden Agenda oder Hintergedanken zu erwarten, dass wir uns nur schwer auf andere einlassen können. Wir suchen laufend nach Fallen.

Wir drei Gründer von Mantro haben uns im Studium an der TU München kennengelernt. Selbstständig waren wir alle schon mit 16, mit kleinen Webdesignagenturen. Ein paar Jahre haben wir recht erfolgreich IT-Projekte als Dienstleister angeboten, irgendwann war uns das nicht mehr genug.

Heute arbeiten wir mit großen Unternehmen an der digitalen Transformation. Wir gründen zusammen mit etablierten Organisationen gemeinsam Firmen, in die beide Seiten investieren. Der Partner findet die Idee gut, sieht einen strategischen Mehrwert, würde sie aber nicht allein umsetzen können oder wollen. Deshalb kommen wir dazu und gründen gemeinsam ein Joint Venture.

Wir haben festgestellt, dass vertrauensvolle Zusammenarbeit nur dann funktioniert, wenn etwas Neues entsteht. Wir werfen unsere Fähigkeiten zusammen, weil wir gemeinsam besser sind. Vertrauen ist ein zentraler Faktor. Es ist wichtig, dass beide Seiten gemeinsam ins Risiko gehen, deshalb halten wir je 50 Prozent der Anteile. Das führt auch dazu, dass niemand allein bestimmen kann, weder der Unternehmenspartner noch wir.

Für die Teams, die wir aufbauen, schaffen wir damit einen enormen Raum der Freiheit. Solange sie einen guten Job machen und sich voll auf ihr Thema konzentrieren, redet ihnen niemand rein.

Ein gutes Team macht aus, dass alle auf das gleiche Ziel ausgerichtet sind. Das ist eigentlich die schwierigste Aufgabe, gerade auch bei der Gründung neuer Unternehmen. Es geht nicht darum, dass in Verträgen alle Paragrafen stimmen oder alles schriftlich festgehalten ist, sondern es geht um ein gemeinsames Ziel.

Bei großen Unternehmen fällt mir auf, dass viele Mitarbeiter auf kurzfristige Ziele wie Quartalszahlen getrimmt sind. Ihnen fällt es dann wahnsinnig schwer, überhaupt für sich zu definieren, wo sie hinwollen. Über eine gemeinsame Vision wird nicht gesprochen. Stattdessen wird ein Strategiepapier geschrieben, das Potenzial am Markt erkundet, dann werden drei Jahre lang Verträge geschrieben. Und man vergisst, was man mit der Idee eigentlich erreichen wollte. Im Prinzip sind es oft Steuerberater und Anwälte, die über die Zusammenarbeit entscheiden, und nicht die Menschen, die das Thema als Team eigentlich tragen sollten.

Für ein Wirgefühl braucht es im Grunde nur eine banale Frage, die sich jeder Erwachsene irgendwann stellen sollte: Wo will ich mit meinem Leben hin? Und unterstützt mich das Umfeld, in dem ich gerade sitze, dabei? Es muss eine Plattform geben, wo man über die persönlichen Ziele und die Ziele des Unternehmens sprechen kann. Wie passt beides zusammen? Wie können wir dahin kommen? Dann geht das mit dem Wirgefühl ziemlich schnell.

Ich bin mir im Klaren: Solche Weisheiten sind leicht gesagt – und schwer umzusetzen. Diese Erfahrung haben wir als Gründer selbst gemacht.

Wir haben als Unternehmen eine schwierige Zeit hinter uns. Unser Geschäftsmodell hat sich grundlegend gewandelt – weg vom Dienstleistungsunternehmen hin zum Company Builder, der wir heute sind. Auf diesem Weg konnten wir nicht alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitnehmen, nicht alle konnten bei uns bleiben, dafür sind neue dazugekommen.

Als wir gründeten, waren wir alle in einer ähnlichen Lebensphase im Team. An erster Stelle wollten wir Spaß haben. Alle hatten ein Urvertrauen in uns als Gründer, Sicherheit war weder uns noch den anderen besonders wichtig.

Zusammenarbeit

Die Mehrheit aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer weltweit erledigt den größten Teil ihrer Tätigkeit in Teams. Dabei kann Großes entstehen oder es scheitert an den kleinsten Dingen. Gutes Teamwork ist kein Selbstzweck, sondern ein fragiles Konstrukt, um das man sich kümmern muss.

Wir haben alles Wichtige für Sie zu diesem Thema zusammengestellt.

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Das hat sich in den Dreißigern verändert. Wir sind in andere Lebensphasen hineingewachsen und haben andere Ziele im Leben. Das haben wir Gründer vielleicht nicht immer gut genug kommuniziert, deshalb kam es zu Reibereien in unserem Team. Das mussten wir teuer aufräumen, vor allem emotional teuer. Viele haben jahrelang bei uns gearbeitet, wir verstanden uns super, aber plötzlich hat es nicht mehr gepasst. Das ist wie in einer Langzeitbeziehung, eigentlich wissen beide, dass es nicht mehr das Richtige ist, aber niemand spricht es aus. Diese Situation hat unser Team in den letzten zwei bis drei Jahren sehr belastet. Als wir den Prozess abgeschlossen hatten – und uns auch von langjährigen Mitarbeitern getrennt hatten –, haben wir gemerkt, wie das restliche Team seitdem durchatmet, die Grundanspannung von vorher ist weg. Wir sind jetzt wieder auf einer Linie unterwegs und haben dasselbe Ziel im Blick.

Spezial 2021

Die Kraft des Wir

Zusammenarbeit: Wie Teams gemeinsam Großes schaffen

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Dieser Artikel erschien im Spezial 2021 des Harvard Business manager.

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