Antonia Götsch

Newsletter Lead Forward Leben Sie Ihre Träume oder die Ihrer Eltern?

Zu jedem Job gehören Aufgaben, die nervig sind. Ständig gegen innere Widerstände anzukämpfen, erzeugt jedoch enormen Druck. Manchmal ist es das Mutigste, was wir tun können, etwas zu lassen.

Sollte ich vielleicht etwas ganz anderes machen? Passt mein Weg zu mir? Ich glaube, jeder Mensch stellt sich gelegentlich diese Fragen. Und natürlich gehören zu jedem Job Aufgaben, die nervig sind. Selbst auf einem Ponyhof muss wöchentlich der Stall ausgemistet werden.

Ungesund wird es jedoch, wenn wir ständig gegen innere Widerstände anrennen. Darüber sprach ich mit Katja Suding in unserem Podcast. Ein Gespräch, das mich bewegt hat. "Ich habe darunter gelitten, öffentlich sein zu müssen" sagte sie. Suding wäre heute wohl Ministerin, wenn sie sich nicht entschieden hätte, die Reißleine zu ziehen und einen völlig neuen Weg einzuschlagen.

Dissonanzen erzeugen Spannung

Psychologen wissen, dass Dissonanzen enorm belasten. Ständig im Rampenlicht zu stehen, obwohl uns das nicht liegt, erzeugt Spannung. Ähnlich ist es, wenn unsere eigenen Werte ganz andere sind als die, die wir leben können. Wenn uns zum Beispiel Fairness und Ehrlichkeit wichtig sind, aber unser Vorgesetzter verlangt, dass wir Teammitglieder belügen. Oder wenn Kreativität eine unserer größten Leidenschaften ist und wir 90 Prozent unseres Tages mit monotonen Routineaufgaben verbringen.

Interessanterweise sind es oft Glaubenssätze aus unserer Kindheit, die uns auf einen Weg führen, der eigentlich nicht der unsere ist. Zu unserer Titelgeschichte  und dem Newsletter über Kindheitsmuster haben mir viele von Ihnen sehr persönliche Nachrichten geschrieben (vielen Dank dafür!). Auch Katja Suding setzte sich mit ihren Glaubensätzen auseinander. "In der Politik ist man sichtbar und gesehen zu werden war in meiner Kindheit ein Thema, das offenbar zu kurz gekommen ist." In dem Moment, in dem sie dieses Muster erkannte, konnte sie es loslassen und einen neuen Weg einschlagen.

"Der Mensch ist das Wesen, das immer entscheidet. Und was entscheidet es? Was es im nächsten Augenblick sein wird”, schrieb der österreichische Neurologe und Psychiater Viktor Frankl einmal. Manchmal ist es das Mutigste, was wir tun können, etwas zu lassen.