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Krisenmanagement Entscheiden im Everest-Modus

Wer eine Expedition zum höchsten Berg der Erde unternimmt, überlebt nur, wenn er die Risiken bedenkt und in entscheidenden Momenten alle Pläne umstößt. Eine Studie zeigt, dass erfolgreiche Bergsteiger dabei zwischen drei unterschiedlichen Ansätzen wechseln. Unternehmen können viel daraus lernen.
aus Harvard Business manager 2/2021
Foto: MITCH DOBROWNER

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Erfolgreiche Unternehmen haben für praktisch alles zuverlässige Standardabläufe – von der Übernahme eines Wettbewerbers bis zum Ausfüllen von Arbeitszeiterfassungsbögen. Solange das Geschäft läuft, gelten solche Routinen als selbstverständlich. In Phasen mit hoher Unsicherheit oder wenn eine Krise schnelle Reaktionen erfordert, sind diese Prozesse jedoch oft nicht mehr geeignet. Unternehmen behelfen sich dann mit spontanen Anpassungen. Die Ergebnisse sind durchwachsen, da sie nicht vorbereitet sind.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben drei grundlegende Ansätze ermittelt, Aufgaben zu erledigen. Den ersten Ansatz haben wir eingangs beschrieben: Standardabläufe. Sie funktionieren besonders gut, wenn die Arbeit vorhersehbar ist. Der zweite Ansatz sind einfache Regeln oder Heuristiken – Faustregeln, die Prozesse und Entscheidungen beschleunigen. Mit ihnen lassen sich in Situationen, die weniger gut vorhersehbar sind, Prioritäten für den Einsatz von Ressourcen setzen. Zum Beispiel: "Wir investieren nur in Projekte mit einem prognostizierten Return on Investment von mindestens 10 Prozent." Der dritte Ansatz ist die Improvisation. Das bedeutet, spontan und kreativ mit einer Chance oder einem Problem umzugehen. Etwa wenn in einer Fabrik unerwartet eine automatisierte Fertigungslinie ausfällt und das zuständige Team versucht, ad hoc eine manuelle Produktion aufzubauen.

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Überraschenderweise hat noch niemand untersucht, ob und wie Unternehmen sich aus diesen drei Ansätzen bedienen können, ähnlich wie bei einem Werkzeugkasten. Dabei sind Organisationen und Teams erfolgreicher, wenn sie alle drei Strategien je nach Bedarf flexibel einsetzen.

Menschen können in einer verrückt erscheinenden und unerwarteten Situation improvisieren, daraus lernen und auf dieser Grundlage schließlich eine einfache Regel entwickeln. Oder sie können ein existierendes Standardverfahren überarbeiten, nachdem sie mit neuen Ansätzen für eine bestimmte Aufgabe experimentiert haben.

Alle drei Ansätze zu nutzen kann den Erfolg steigern und Organisationen widerstandsfähiger machen. Bei extremer Unsicherheit entscheidet dies möglicherweise sogar über das Überleben des Unternehmens. Je einfacher Teams ihre Vorgehensweise bei bestimmten Aufgaben anpassen können, desto resilienter ist das Unternehmen.

Kompakt

Das Problem
Unternehmen haben für die meisten Arbeiten Routinen entwickelt. Mit ihrer Hilfe können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter effizient und zuverlässig Aufgaben erledigen. Für unsichere, unbekannte und sich schnell verändernde Situationen – beispielsweise Krisen – sind diese Standardabläufe aber häufig nicht geeignet. Sie erlauben keine schnellen Entscheidungen, um Probleme kurzfristig zu lösen.

Die Lösung
Unternehmen sollten ihre Arbeitsabläufe analysieren und flexibilisieren. Wenn sich in einer Situation eine Routine als ungeeignet herausstellt, sollten Manager sie durch einfache Regeln (Heuristiken) ersetzen oder sich aufs Improvisieren verlegen. Welcher Ansatz richtig ist, hängt von der jeweiligen Herausforderung ab. Eine Studie über eine Besteigung des Mount Everest zeigt, wie erfahrene Bergsteiger in hochriskanten Situationen zwischen den drei Ansätzen hin und her wechseln.

Wir hatten kürzlich Gelegenheit, diese Hypothese auszuarbeiten, als wir für die Fachzeitschrift "Organization Science" einen Artikel über eine Mount-Everest-Besteigung schrieben, an der einer von uns (Juan) teilnehmen durfte. Darin erläutern wir, wie bei der Expedition alle drei Ansätze zum Einsatz kamen, wie sie zusammenhingen und welcher Ansatz in welcher Situation am besten funktionierte.

Der Druck und die Unberechenbarkeit, mit denen die Expeditionsteilnehmer zurechtkommen mussten, waren deutlich ausgeprägter als das, was die meisten Managerinnen und Manager im Normalfall erleben. Aber unsere Erkenntnisse können helfen, auch Herausforderungen in Unternehmen zu meistern. Wenn wir aus dem Jahr 2020 eines gelernt haben, dann dies: Wir müssen uns alle auf ein höheres Maß an Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit einstellen.

Die Mount-Everest-Besteigung

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