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Teamdynamik Keiner mag mich - oder doch?

Die meisten Menschen unterschätzen, wie beliebt sie bei Kolleginnen und Kollegen sind. Wir sollten deshalb lernen, die Kompetenzen im Team klar zu benennen - gerade auch als Führungskräfte.
aus Harvard Business manager 11/2021

ILLUSTRATION: ROSE WONG

Der erste Eindruck zählt bekanntlich – nur leider stimmt er oft nicht. Psychologen kennen ein Phänomen namens "Liking Gap" (so viel wie "Sympathielücke"). Danach unterschätzen zwei Menschen, die sich zum ersten Mal begegnen, wie sehr ihr Gegenüber sie mag. Eine neue Studie zeigt, dass diese Liking Gap auch in Gruppensituationen auftritt – und dass sie Einfluss darauf hat, wie gut ein Team funktioniert.

In einem Experiment teilte das Forschungsteam 159 Probandinnen und Probanden in Dreiergruppen ein und bat sie, sich zu unterhalten. Anschließend wurden die Teilnehmer einzeln befragt, wie sehr sie ihre Gesprächspartner mochten und wie sie ihre eigene Beliebtheit einschätzten. Im Schnitt mochten die Probanden ihre Gesprächspartner mehr, als sie ihre eigene Beliebtheit einordneten. Zudem glaubten sie, sie seien die Unbeliebtesten ihrer Dreiergruppe.

Wir unterschätzen, wie beliebt wir im Team sind

In einem weiteren Experiment befragte das Forschungsteam Ingenieurstudenten, die gemeinsam an Konstruktionswettbewerben teilgenommen hatten. Auch hier unterschätzten die Teilnehmer ihren Beliebtheitsgrad unabhängig davon, wie lange sie die anderen Teammitglieder kannten. Dadurch sank ihre Bereitschaft, andere um Hilfe zu bitten, ehrliches Feedback zu geben und künftig zusammenzuarbeiten.

Ein abschließendes Experiment zeigte, dass die Fehleinschätzungen unter Gleichrangigen am stärksten ausgeprägt waren und dass sie die Effektivität des Teams sowie die Arbeitszufriedenheit verringerten. Der Grund: Menschen konzentrieren sich eher auf Positives, wenn sie darüber nachdenken, wie sehr sie eine andere Person mögen ("Ich freue mich, dass sie befördert wurde"). Sie neigen hingegen eher zu negativen Gedanken, wenn sie überlegen, wie andere sie sehen könnten ("Ich wurde befördert, also könnte sie neidisch sein").

Managerinnen und Manager sollten deshalb nicht nur bedenken, wie Teamkollegen einander sehen, sondern auch, wie Teammitglieder ihre eigene Beliebtheit wahrnehmen. Fehlwahrnehmungen zu korrigieren kann die Zufriedenheit und Leistung des Teams steigern. "Wenn die Menschen wüssten, wie positiv ihre Kollegen über sie denken, würden sie vielleicht besser kommunizieren, sich besser einbezogen fühlen und insgesamt zufriedener mit ihrer Arbeit sein", heißt es in der Studie.

Quelle: Adam M. Mastroianni et al.: "The Liking Gap in Groups and Teams", Organizational Behavior and Human Decision Processes, Januar 2021

Ausgabe November 2021

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Dieser Artikel erschien in der November-Ausgabe 2021 des Harvard Business managers.

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