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Fünf Minuten mit John Kerry "Ich stelle Menschen ein, die schlauer sind als ich"

Der ehemalige Außenminister der USA im Gespräch über Teamführung, warum Zusammenarbeit wichtiger ist als politische Motive und wie er die größte Niederlage seiner Karriere weggesteckt hat.
Das Interview führte Alison Beard
aus Harvard Business manager 3/2019
John Kerry, Ex-Außenminister der USA

John Kerry, Ex-Außenminister der USA

Foto: Mark Makela / AFP

Herr Kerry, was sollten Führungskräfte als Erstes im neuen Job angehen, egal ob Marineoffizier oder Außenminister?

John Kerry: Zuhören. Aber auch mit klar definierten Standards und Zielen antreten. Schlechte Führungskräfte unterschätzen, wie wichtig es ist, zu wissen, wohin es gehen soll. Wenn die Menschen an Ihrem Ziel oder dem Weg dahin zweifeln, haben Sie als Chef ein Problem. Das gilt beim Militär, in der Politik und in Unternehmen.

Sie haben über die Jahre häufig Teams zusammengestellt, sei es für Ihren Wahlkampf oder für Regierungsbehörden. Wie wählen Sie Mitarbeiter aus?

Ich stelle Menschen ein, die schlauer sind als ich – und ich sage oft scherzhaft, dass es davon wirklich genug gibt. Ich suche Menschen, die mir nicht nur sagen, was ich hören will, sondern auch mal Nein sagen. Und eigene kreative Lösungsideen haben. Ich vertraue meinem Urteilsvermögen, aber ich möchte alle Vor- und Nachteile kennen, bevor ich eine Entscheidung treffe. Wenn ich mir sicher bin, brauche ich Menschen, die meinen Entschluss mittragen, Teamplayer sind und bei der Umsetzung helfen.

Früher haben Politiker über Parteigrenzen hinweg kooperiert, um Probleme zu lösen und Gesetze zu verabschieden. Wie kommen wir wieder dahin?

Es muss von oben festgelegt werden, dass Zusammenarbeit wichtig ist. Sie müssen aufstehen und sagen: "Ich lasse mich nicht vor den Karren der Partei spannen. Ich werde tun, was am besten für unser Land ist." Die amerikanischen Bürger wählen ihre Vertreter, damit die nach Washington gehen und etwas verändern. Wenn nie genug Geld da ist und Sie die drängendsten Probleme einfach nicht lösen – wie die der Frage der Einwanderung –, nur weil Sie es politisch für sich ausnutzen wollen, dann sind Sie mitschuldig.

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Wie haben Sie als junger Senator Ihren Einfluss aufgebaut?

In der Politik ist vieles persönlich. Menschen ist es wichtig, dass Politiker verstehen, wie sie leben. Sie müssen ihnen zeigen, dass Sie sie und ihre Zukunft ernst nehmen. Dann wird Ihnen vieles gelingen.

In Ihrem Buch "Every Day Is Extra" schreiben Sie, wie auch Erzfeinde zusammenfinden können, wenn komplexe Probleme aufgeteilt werden.

Ja, nehmen Sie das Beispiel Russland und Putin. Wie er sich in unsere Wahlen eingemischt oder was er mit der Krim gemacht hat, ist inakzeptabel, und wir haben darauf mit Sanktionen reagiert. Aber Sie müssen das getrennt betrachten, weil Sie gleichzeitig mit Russland zusammenarbeiten, um Syrien von Chemiewaffen zu befreien, die nukleare Abrüstung des Irans voranzubringen oder das Pariser Klimaabkommen umzusetzen. Nur so kommen Sie bei wichtigen Themen voran.

Sie mussten politische Niederlagen einstecken, etwa bei der Präsidentschaftswahl. Wie haben Sie sich davon erholt?

Sie schauen sich die Alternativen an – Selbstmitleid, Rücktritt oder zum Einsiedler werden – und stellen fest, dass das ziemlich dumm wäre. Ich wollte nicht aufgeben, deshalb bin ich einfach zurück an die Arbeit gegangen. © HBP 2019

Dieser Beitrag erschien in der März-Ausgabe 2019 des Harvard Business managers.

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