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Motivation Was Mitarbeiter in Schwung bringt

Vergessen Sie Lob, vergessen Sie Bestrafung, vergessen Sie Geld. Um Mitarbeiter wirklich zu motivieren, müssen Sie deren Arbeit interessanter gestalten. Ein Klassiker-Text von Frederick Herzberg.
aus Harvard Business manager 4/2003
Foto: Andriy Onufriyenko / Moment RF / Getty Images

Wie viele Artikel, Bücher, Ansprachen und Konferenzen mögen sich wohl schon der Klage gewidmet haben: "Wie bekomme ich einen Mitarbeiter nur dahin, das zu tun, was ich von ihm will?"

Die Motivationspsychologie ist ein weites Feld, und gesicherte Erkenntnisse gibt es nur wenige. Doch obwohl Wissen und Spekulation hier so nahe beieinander liegen, kennt die Begeisterung für die jeweils neuesten Heilslehren keine Grenzen - vor allem wenn sie angeblich wissenschaftlich verbürgt sind. Zweifellos wird der Markt für Zaubertricks auch von diesem Beitrag nicht entmutigt. Aber da die hier vorgetragenen Ideen bei vielen Unternehmen und sonstigen Organisationen erfolgreich erprobt wurden, hoffe ich doch, dass das Wissen gegenüber der bloßen Spekulation an Boden gewinnt.

Bei Vorträgen in der Praxis erlebte ich immer wieder, dass die Zuhörer gespannt auf rasch umsetzbare Lösungen warteten. Deswegen möchte ich allen, die etwas bewegen wollen, ein praktisches Rezept schildern.

Was ist die einfachste, sicherste und direkteste Methode, jemanden zu veranlassen, etwas Bestimmtes zu tun? Ihn bitten? Aber wenn derjenige antwortet, dass er dazu keine Lust hat, ist dann eine psychologische Ausbildung nötig, um die Tiefengründe solcher Widerspenstigkeit auszuloten? Besser also anordnen? Seine Reaktion zeigt vielleicht, dass der andere Sie gar nicht versteht. Brauchen Sie dann einen Kommunikations-experten, der Ihnen zeigt, wie Sie es doch schaffen können? Denkbar wäre auch, der Person Geld zu bieten. Ich glaube, der Leser muss nicht weiter an die Schwierigkeiten erinnert werden, die mit Aufbau und Verwaltung eines Anreizsystems verbunden sind. Oder ist es am Ende gar das Beste, der betreffenden Person direkt vorzuführen, was sie tun soll? Das würde freilich auf ein teures Trainingsprogramm hinauslaufen. Wir brauchen eine möglichst einfache Methode.

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In jedem Publikum gibt es den Manager, der als Mann der Tat dazwischenruft: "Geben Sie dem Typ doch einfach einen Tritt!" Und dieser Manager hat Recht. Am sichersten und schnellsten wird jemand durch einen Tritt in den Hintern dazu gebracht, etwas zu unternehmen - ich möchte daher diese Methode auch mit Kita (kick in the ass = Tritt in den Hintern) überschreiben.

Es gibt verschiedene Formen von Kita, von denen einige genannt sein sollen:

Negative körperliche Kita. Darunter ist ganz buchstäblich das Verabreichen besagter Tritte, in der Vergangenheit durchaus nicht unüblich, zu verstehen. Diese Variante hat freilich drei große Nachteile: Sie ist erstens unelegant. Sie widerspricht zweitens dem kostbaren Image von Gutartigkeit, das die meisten Organisationen von sich so sorgsam pflegen. Als körperliche Attacke auf den anderen reizt sie drittens zwangsläufig dessen Nervensystem, worauf häufig negatives Feedback folgt - der Mitarbeiter tritt womöglich zurück. Diese Faktoren haben zu gewissen Vorbehalten dieser Methode gegenüber geführt.

Doch zum Glück konnten Psychologen jenen, die nicht länger die negative körperliche Kita verabreichen dürfen, zeigen, wie sich auf der Klaviatur seelischer Empfindsamkeiten virtuos spielen lässt. "Er hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen"; "Ich möchte nur wissen, was sie damit gemeint hat"; "Der Chef geht mir ständig aus dem Weg" - Stoßseufzer, die symptomatisch ein verletztes Selbstbewusstsein demonstrieren und die Folgen der Anwendung negativer psychologischer Kita zeigen.

Negative psychologische Kita. Diese Methode bietet verschiedene Vorteile gegenüber der vorgenannten Variante. Erstens wird die Grausamkeit äußerlich nicht sichtbar, denn die Wunden bluten nur innerlich und kommen erst mit Verspätung zum Vorschein. Zweitens sinkt die Wahrscheinlichkeit einer heftigen körperlichen Gegenreaktion, da das Großhirn mit seinen Hemmschwellen betroffen ist. Drittens haben Menschen eine nahezu unbegrenzte Kapazität, psychischen Schmerz zu erdulden; die Anwendungsmöglichkeiten der negativen psychologischen Kita konnten daher reichlich vermehrt werden. Viertens braucht derjenige, der nur psychische Fußtritte verabreicht, sich nicht selbst die Hände schmutzig zu machen, sondern kann das dem System überlassen. Fünftens können die Anwender dieser Methode ihr Ego befriedigen, während sie es sicherlich abscheulich fänden, wenn Blut fließen würde. Für den Fall, dass sich der getretene Mitarbeiter beschwert, kann man ihn immer noch für überspannt erklären, denn einen greifbaren Beweis für einen wirklichen Angriff gibt es ja nicht.

Was erreicht man nun mit der negativen Kita? Wer ist eigentlich motiviert, wenn jemand einen anderen körperlich oder seelisch in den Hintern tritt? Der Treter ist motiviert und der andere bewegt sich. Negative Kita führt also nicht zu Motivation, sondern zu Bewegung.

Positive Kita. Wenn ich zu Ihnen sage: "Tun Sie das oder das für mich oder den Betrieb, dann erhalten Sie dafür von mir eine Anerkennung, einen Anreiz, einen verbesserten Status, eine Beförderung oder irgendeine andere Verheißung, mit der ein modernes Unternehmen aufwarten kann", motiviere ich Sie damit? Die Mehrzahl der Manager, denen ich diese Frage vorlegte, glaubte, das sei Motivation.

Ich besitze einen Schnauzer, der ein Jahr alt ist. Als er noch ein Welpe war und ich ihn in Bewegung bringen wollte, schubste ich ihn, und er bewegte sich vorwärts. Jetzt, wo er abgerichtet ist, brauche ich ihm nur einen Hundekuchen vor die Nase zu halten, und er kommt auf mich zu. Wer ist in diesem Fall motiviert, der Schnauzer oder ich? Der Hund will den Kuchen, aber ich will, dass er sich bewegt. Wiederum bin ich es, der motiviert ist, und der Hund ist der, der losläuft. Ich habe einzig und allein Kita direkt angewandt. Ich zog, anstatt zu schieben. Die Firmen haben ein großes Angebot an Hundekuchen für Menschen, mit denen sie ihren Beschäftigten vor der Nase herumwedeln, damit diese springen.

Mythen der Motivation

Weshalb ist Kita keine Motivation? Wenn ich meinen Hund trete, dann bewegt er sich. Und wenn ich will, dass er sich noch einmal bewegt, muss ich ihn nochmals treten. Ebenso kann ich die Batterie eines Menschen laden und wieder und wieder aufladen. Aber erst wenn jemand einen eigenen Generator hat, können wir von Motivation sprechen. Es bedarf keiner Stimulation von außen mehr, er selbst will handeln.

Davon ausgehend wollen wir einige Personalführungspraktiken kritisch betrachten, die auf der positiven Kita beruhen und Motivation sicherstellen sollen:

Arbeitszeitverkürzung. Das ist diese wunderbare Methode, Menschen zur Arbeit zu motivieren - indem man sie vom Arbeitsplatz fern hält! Wir haben in den vergangenen 50 bis 60 Jahren die am Arbeitsplatz verbrachte Zeit so weit reduziert, dass wir auf dem besten Weg zum "6,5-Tage-Wochenende" sind. Eine interessante Spielart ist das Aufkommen betrieblicher Freizeitprogramme nach dem Motto: Menschen, die zusammen spielen, arbeiten auch zusammen. Tatsache aber ist: Motivierte Mitarbeiter wollen eher länger als kürzer arbeiten.

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