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Im Team über Gefühle reden "Du wirkst verärgert"

Wer Vertrauen und Zusammenarbeit fördern will, sollte sein Team dazu bringen, offen über Gefühle zu reden. Das gilt ganz besonders auch für negative Emotionen.
aus Harvard Business manager 3/2022
Foto:

Martin Barraud / Getty Images

Viele Vorgesetzte möchten gar nicht so genau wissen, wie es ihren Leuten geht. Sie pflegen eine emotionale Distanz am Arbeitsplatz, um sich nicht mit negativen Gefühlen auseinandersetzen zu müssen. Damit vergeben sie die Chance, Vertrauen im Team aufzubauen, wie ein Forschungsteam der Business Schools aus Stanford und Harvard in einer Studienserie mit 2500 Probanden herausgefunden hat.

Dazu befragten sie unter anderem Beschäftigte eines Kinderkrankenhauses. Es zeigte sich, dass die Klinikangestellten ihren Kolleginnen und Kollegen eher vertrauten, wenn diese offen über ihre Gefühle sprachen. In fünf weiteren Laborstudien mussten Probanden unter anderem Videos anschauen, in denen ein Mitarbeiter die Emotionen seines Kollegen am Arbeitsplatz entweder bewusst ignorierte oder ansprach ("Du wirkst verärgert"). Dabei schätzten die Probanden den Mitarbeiter durchgängig als vertrauenswürdiger ein (20 Prozent), wenn er die negativen Emotionen seines Kollegen empathisch kommentierte.

Auch über negative Gefühle reden

Die negativen Emotionen anderer Menschen anzuerkennen, habe einen gewissen Preis, heißt es in der Studie: Der Zuhörende sei bereit, Zeit in Gespräche über Verärgerung, Trauer oder Stress zu investieren, und zwar ohne unmittelbare Gegenleistung. In manchen Fällen verstoße dies sogar gegen soziale Normen am Arbeitsplatz. Das Phänomen ist daher auch als "Costly Signaling Theory" bekannt.

"Sie zeigen damit, dass Sie bereit sind, soziale Sanktionen zu riskieren, um jemandem zu helfen, der womöglich eine schwere Zeit durchmacht", sagt Co-Autor Julian Zlatev von der Harvard Business School. Vorgesetzte sollten klarstellen, dass es in Ordnung sei, am Arbeitsplatz über negative Gefühle zu sprechen – etwa indem sie während eines Meetings erklären: "In diesem Team helfen wir einander, wenn jemand in einer schwierigen Situation ist."

Dies könne das Vertrauen zwischen Vorgesetzten und Team stärken, während es womöglich den Beziehungen schade, gar nichts zu sagen. Falls eine so direkte Ansprache beim Team jedoch weniger gut ankomme, könnten Führungskräfte auch etwas subtiler vorgehen, so Zlatev – etwa indem sie Menschen ermutigten und förderten, die anderen emotionale Unterstützung bieten.

Quelle: Alisa Yu et al.: "Emotional acknowledgment: How verbalizing others' emotions fosters interpersonal trust", Organizational Behavior and Human Decision Processes, Mai 2021

Ausgabe März 2022

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Dieser Artikel erschien in der März-Ausgabe 2022 des Harvard Business managers.

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